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Folge 16 · 2. Dezember 2022 · 15 Min.

Die Tiktokisierung von Twitter

mit Dennis Horn

Seit einigen Stunden ist unsere Timeline voll mit Empfehlungen und Tweets von Menschen, denen wir nicht folgen. Aber was bedeutet das? Was hat Elon Musk jetzt schon wieder vor? Und dürfen wir überhaupt glauben, wenn er etwas twittert?

Transkript

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00:01 Intro

Haken dran, das Social Media Update der CT.

00:05 Dennis Horn

Hallo Dennis. Hallo Gavin, na? Wie ist es? Du, ich bin heute Morgen bin ich aufgewacht. Wie jeden Morgen. Und hab so in Twitter reingeguckt und hab so gedacht, was ist das denn jetzt schon wieder? Oh Gott. Und zwar habe ich mich wiedergefunden in einer Timeline lauter Leute, denen ich nicht folge.

00:29 Gavin Karlmeier

Ja.

00:30 Dennis Horn

Und jeder Tweet hatte aber die Eigenheit, dass ihn jemand geliked hat, dem ich folge.

00:38 Gavin Karlmeier

Oh, also das gab es bei Facebook auch mal tatsächlich. Das war da, glaube ich, offiziell ein Bug. Aber es gibt manchmal solche algorithmischen Ausfälle. Bei Twitter ist das ungewöhnlich. Das haben wir noch nicht erlebt da.

00:50 Dennis Horn

Es ist aber auch kein algorithmischer Ausfall, es ist gewollt. Und bei Instagram haben wir das ja mittlerweile auch. Diese Recommendations sind das im Grunde. Ja, also die Leute, denen ich gerne folge und mit denen interagiere, was die liken, könnte mir auch gut gefallen. Bei Instagram bin ich dazu übergegangen, das einfach alle 30 Tage wieder abzuschalten. Ja, und dann, das kann man machen, und dann taucht es irgendwann wieder auf. Das ist diese verrückte Idee von Adam Mosseri, dem früheren Newsfeed-Chef von Facebook, der das jetzt bei Instagram durchgesetzt hat. Und jetzt wird das Thema Offenbar bei Twitter.

01:22 Gavin Karlmeier

Das ist ja ganz gut. Das war ja auch das, wo Kim Kardashian damals sogar diesen Appell gepostet hat: lasst Instagram nicht zu TikTok werden und ein Riesenaufschrei dagegen war. Und dazu einen ganz kurzen Gedanken. Ich finde das tatsächlich eine sehr spannende Entwicklung, weil diese TikTokisierung unserer Newsfeeds in diesen sozialen Netzwerken, die wir benutzen und an die wir uns gewöhnt haben, eigentlich auch gar nicht so viel zu suchen hat. Also es hat ja einen Grund, warum wir den Menschen folgen, denen wir folgen. Und wir wollen ja gar nicht sehen. irgendein auf den Algorithmus optimiertes Video, das dreieinhalb Minuten lang ist.

01:59 Dennis Horn

Auf der anderen Seite hat es auch einen Grund, warum es diese Algorithmen an sich erstmal gibt. Klar. Die uns aus den Leuten, denen wir folgen, nochmal aussieben. Also das ist jetzt bei Facebook ja schon uralt, da stammt das her und da hatten die das Problem, dass mit je mehr Menschen Leute befreundet waren auf Facebook am Anfang, als alles noch chronologisch angezeigt wurde, desto weniger haben sie die Plattformen genutzt irgendwann, weil es wirklich an zu viel von Inhalten war. Also so diese Menge An Inhalten, ich habe irgendwo mal gelesen, so die durchschnittliches, aber jetzt schon ein paar Jahre her, so die durchschnittliche Facebook-Nutzerin, der durchschnittliche Facebook-Nutzer Hat so 200 Freunde und 30 Seiten an Gefällt mir spendiert. Und das sind dann so über den Tag gerechnet 2000 Inhalte. Ist natürlich eine Unwucht drin, weil Seiten viel mehr posten und so weiter. So, da muss man eine Sortierung schaffen. 100%.

02:51 Gavin Karlmeier

Also absolut.

02:52 Dennis Horn

So, da würden wir beim Radio würden wir sagen, da wird die Rotation verengt.

02:56 Gavin Karlmeier

Ja.

02:56 Dennis Horn

Und das für Die Musikrotation. Und das führt dann am Ende dazu, dass wir die Plattformen dann stärker nutzen. Das ist aber genau das, was jetzt bisher. bei Twitter schon vorhandenbar, aber jetzt ist heute heute Nacht ist was anderes oder letzte Nacht ist was anderes passiert Die haben ja zwei Timelines bei Twitter. Du kannst zwischen diesen Timelines, wenn du auf der Startseite hin und her schaltest, da gibt es oben rechts so ein Sternchen, kannst du umstellen und entweder deine Wie nennt sich das für dich? Deine oder die neuesten Tweets. Und das eine ist algorithmisch sortiert, das ist dann so ein bisschen so wie bei Facebook. Und das andere ist streng und Instagram und das andere ist streng chronologisch sortiert. So, und diese algorithmisch sortierte Umgebung bei Twitter. Das ist letzte Nacht passiert, da wurde sozusagen bei denen, die es chronologisch eingestellt haben, zurück auf die algorithmische Sortierung gestellt. Und diese Sortierung ist nicht mehr so, dass sie dir aussiebt aus den Leuten, denen du folgst, sondern Sie präsentiert dir überwiegend eben diese Recommendations jetzt. Und das ist schon spannend, weil das ist eine Tick Des Abendlandes, genau. Des Abendlandes.

04:22 Gavin Karlmeier

Tegida. Ich habe dazu auch eine sehr starke Emotion. Und zwar, weil ich ja, und du ja, was uns ja beide verbindet, ist, dass wir sehr viel Schulen im Bereich Social Media, sehr viele Seminare und Workshops leiten in dem Bereich. Und dass natürlich immer wieder die Frage kommt, hey, kann wir nicht einfach das, was wir machen, auch bei TikTok machen? Ist TikTok nicht eigentlich nur eine neue Videoplattform, die sich daneben anstellt? Und das Spannende ist, dass ich meine, also meine Meinung, ich weiß nicht, wie du das siehst, ist, Dass TikTok im Kern eine völlig andere Herangehensweise an Inhalte hat als alle anderen sozialen Netzwerke. Und ich würde so we sogar so weit gehen, dass TikTok uns eigentlich, was zum Beispiel den AbsenderInnen begriff, ins Mittelalter zurückschiebt. Also wir erinnern uns, das Nibelungen lied oder Tristan und die Solde. Das sind alles so Werke, da steht kein Autor drauf, weil man bis heute nicht weiß, wer diese Geschichte geschrieben hat. So wurde sich so lange erzählt, bis sie jemand aufgeschrieben hat. Und jetzt kann ich die in zwei oder drei oder dreißig Fassungen kaufen. Und das passiert bei TikTok gerade, dass der Absender völlig egal wird und verschwindet hinter guten Inhalten. Der Inhalt immer mehr in den Vordergrund kommt. Wir aber, meine These ist jetzt, wir aber TikTok gerne als App neben so etwas wie Instagram akzeptieren, weil wir ja dennoch gerne wissen, was. . unsere FreundInnen oder unsere MitarbeiterInnen oder wer auch immer so erleben. Und die, ich halte das für einen Trugschluss, dass diese sozialen Netzwerke, die wir die ganze Zeit benutzen, dass die jetzt anfangen, Sich quasi an TikTok anzubiedern und damit dieses, ich suche mir mein Netzwerk aus und also ich will nicht jeden Tag Buffet essen. So, ne? Und ich glaube, das ist keine kluge Entscheidung.

06:05 Dennis Horn

Das ist interessant. Also ich würde erst mal sagen, der Absender, die Absenderin ist bisher auch schon hinter den Inhalt zurückgetreten in diesen Newsfeed-Umgebungen. Also wenn man Leute so gefragt hat, woher hast du diese Info? Haben die auch oft nur gesagt, Facebook bestimmt. Aber das treibt das jetzt natürlich auf die Spitze und der Hintergrund ist natürlich, dass in dem TikTok-Algorithmus zum Beispiel die Absender gar nicht mehr die große Rolle spielen, sondern dieser Algorithmus extrem inhaltlich getrieben ist. Und es kann aber gleichzeitig auch die Einsicht sein, dass sich die Social Media Welt eben verändert hat, dass Menschen In diesen Umgebungen, in denen gepostet wird, das Gefühl haben, sie können da auch nicht mehr mithalten. Oder das Gefühl, also qualitativ. Oder das Gefühl haben Das ist hier, jetzt sind wir wieder bei diesem Begriff, einfach tatsächlich ein öffentlicher Marktplatz geworden. Auch wenn das nicht so ist, wenn ich was poste, sieht das ja nicht jeder. Aber diese Newsfeeds machen den Eindruck, weil alles so eine Öffentlichkeit hat plötzlich. Und deswegen sind die Leute, haben sich in Messenger zurückgezogen. Und vielleicht ist das, was wir jetzt bei Social Media Über diese diesen Recommendation-Style jetzt eben auch im Twitter, in der Twitter-Timeline sehen, einfach die folgerichtige Konsequenz daraus.

07:18 Gavin Karlmeier

Ehrlicherweise bin ich mir da nicht so sicher, weil es immer, immer in der Geschichte, also das geht in meinem Wissen mindestens bis Goethe zurück, wahrscheinlich sogar bis Jesus, wahrscheinlich sogar noch.

07:27 Dennis Horn

Was ist denn los heute? Was ist denn los? Hat SWR Info oder hat WDR 3 uns gekauft oder was? Nee, aber Deutschlandfunk.

07:38 Gavin Karlmeier

Pass mal auf, also die Leute wollten noch. Immer Fan von etwas sein. Wir auch, du hattest wahrscheinlich auch einen Starschnitt im Kinderzimmer hängen von irgendjemandem, irgendeinem Poster Es gab irgendwelche KünstlerInnen, wo du auf Konzerte gegangen bist. Wie gesagt, bei Goethe war es schon so, die Leute haben Goethe verehrt. Und Jesus, wie gesagt, ja auch. Und ich glaube nicht, dass die Antwort jetzt sein kann, dass wir beobachten, dass die Leute weniger Inhalte produzieren. dass die Lösung dafür ist, dieses Dartoom aufzuweichen. Ich glaube, das wird es trotzdem immer geben müssen. Und was ich aber so krass finde, ist, dass halt so So, Accounts gibt, also ein ganz Beispiel, mit dem ich mal zusammengearbeitet habe, ist Insectors Adi. Der hatte bei TikTok, als ich mit ihm zusammengearbeitet habe, und das ist jetzt schon ein Jahr her, hatte der 12 Millionen Abonnentinnen auf TikTok. Der wird aber auf der Straße vermutlich nicht so sehr und so oft erkannt. Der ist namentlich nicht so ein großer Begriff, wie wenn ich jetzt so Leute nenne wie Bibi's Beauty Palace, die bei Instagram sieben Millionen AbonnentInnen hat. Ich will nicht die Zahlen miteinander in Konkurrenzkampf stellen, ich will nur sagen, Das ist halt, wird halt auf solchen Plattformen wie TikTok, wird es halt immer egaler. Und wenn das in die anderen Netzwerke jetzt strömt, weiß ich nicht, ob Dieses Bedürfnis danach, Fan von etwas zu sein, sich auch auflöst.

08:53 Dennis Horn

Ich würde gleichzeitig sagen, wir hatten ja auch immer schon mal ein Bedürfnis, sich brieseln zu lassen, in linearen Medien zum Beispiel. Also vielleicht ist das eine Frage des Pegelns innerhalb dieses Algorithmus. Ich finde das auf jeden Fall total spannend. Und so landete ich dann in dieser Timeline. Und Twitter hat auch wieder einen offiziellen Blogartikel veröffentlicht, in dem sie geschrieben haben Wir möchten, dass jeder den besten Content hier auf der Plattform sieht. Also erweitern wir jetzt die Recommendations zu allen Nutzerinnen und Nutzern. Und es gab am Mitte Mai von Elon Musk einen Tweet. Es wäre auch schön, dass wir heute das erste Mal nach über fünf Minuten über ihn sprechen. Tut mal ganz gut, ja. So, und Elon Musk hat getwittert. Erstens auf den Home-Button klicken, zweitens auf die Sterne oben rechts, drittens auf Latest Tweet, denn ihr werdet manipuliert vom Algorithmus. In einem Maße, in dem ihr es nicht checkt. Und es ist ganz einfach, wieder in die normale Umgebung zurückzukehren. Es ist super interessant, oder?

10:07 Gavin Karlmeier

Ja. Vor allem, dass er heute, er hat ja heute auch nochmal getwittert dazu, also gestern, wenn ihr das halt gestern, wir nehmen das wieder am Vorabend auf, hat er nämlich geschrieben, nur eine kleine Erinnerung, wenn ihr oben auf den Sternbutton oben rechts klickt, könnt ihr auf Latest Tweets umschalten. Und ich würde aber sagen, dass die Intention, diese Erinnerung zu schreiben, eine völlig andere war als diese Intention, die er hatte, als er den von der zitierten Tweet geschrieben hat. Nämlich die Intention jetzt war, so eine leichte Entschärfung reinzubringen, weil er offenbar mitbekommen hat, dass Leute sich darüber beschweren, so wie sie sich in allen Netzwerken immer beschweren, wenn sich irgendetwas ändert. Trotzdem wird er ja diese Entscheidung getroffen haben, dass es einen viel, viel größeren oder viel, viel größeren Anteil von empfohlenen Inhalten gibt. Und ich finde spannend, was der, wir kommen da glaube ich wieder zu der Frage des Masterplans und zu diesem, was hat er vor Weil ich glaube, dass wir da schon ahnen, dass er tatsächlich in Richtung TikTok schielt. Er hat ja auch schon gesagt, dass er überlegt, Wein zu reaktivieren, eine Videoplattform, die Kurzvideos irgendwie. damals salonfähig gemacht haben, würde ich sagen. Ich bin total gespannt, wie das irgendwann alles zusammenlaufen wird, diese Fäden.

11:24 Dennis Horn

Ähm, absolut. Also es bleibt bei Er scheint da so ein Bausteinprinzip zu verfolgen, an Dingen, die er voranbringen will, plus möglichst viel Aufmerksamkeit generieren.

11:38 Gavin Karlmeier

Ja, genau. Das ist sowieso das Ich habe noch so ein klein kleines Themachen zum Schluss. Und zwar kam gestern eine also am also vorgestern, wenn ihr das hört, Mittwoch, mein Gott, irgendwann lerne ich das auch. Eine Gizmode-Meldung, das ist so ein größeres Tech-Magazin, die herausgefunden haben, dass Apple an dem Tag als Elon Musk auf Twitter geschrieben hat, dass Apple seine Werbezahlungen oder seine Werbebuchungen bei Twitter einstellen möchte. Wir haben ja darüber gesprochen. dass Apple an genau diesem Tag noch 84. 000 Dollar an Werbeumsatz generiert hat bei Twitter Und der andere Punkt war, das ist ja auch diesen Tweet gab, über den wir in der letzten Folge gestern gesprochen haben, dass Elon Musk sich mit Tim Cook getroffen hat. Und er hat also als Konklusio gesagt, ja, sie haben sich, er hatten ein konstruktives Gespräch und bla bla, dies, das, natürlich Und die Gefahr sei gebannt, denn Apple hatte nie vorgehabt, Twitter tatsächlich aus dem App Store zu entfernen. Auch da hatten wir hier drüber gesprochen, dass das so als Drohung im Raum stand. Meine Zusammenfassung aus diesen beiden Fakten ist, dass wir, glaube ich, in letzter Zeit und sehr oft davon haben hinreißen lassen, dazu hinreißen lassen, Die Sachen, die Elon Musk twittert, für bare Münze zu nehmen. Und ich glaube, das ist nicht immer so eine gute Idee.

13:07 Dennis Horn

Wir haben ja schon mal schon mal in die Nähe dieser Vermutungen gekommen. Aber was soll man sonst machen?

13:14 Gavin Karlmeier

Ja, klar, also die Kommunikationsabteilung arbeitet nicht. Oder nein, also es gibt ein Twitter-Team, der das Blogartikel schreibt, wie wir gelernt haben. Aber ich glaube, wir sollten fast immer einmal in die Hosentasche dieser Tweets von Elon Musk schauen und gucken, was könnte er für ein Ziel verfolgen, wenn das, was er schreibt, also der reine, die reine Substanz wenn die nicht zutreffend ist.

13:37 Dennis Horn

Wir haben einen guten Tweet dazu gelesen heute, dass es immer wahrscheinlicher scheint. Dass bei jedem einzelnen Statement Elon Musk einfach lügt. Also Ja, das ist genau da. Könnte so, könnte aber auch so sein. Also vielleicht als Disclaimer vor jeder Ausgabe unseres Podcasts, das Gegenteil von dem, was wir heute besprechen, könnte wahr sein.

14:04 Gavin Karlmeier

Es ist leider traurig und wahr und das wird sich aber wahrscheinlich jetzt die nächsten Tage nicht ändern, weil wir wissen, es gibt sonst kaum noch Kommunikationswege von Twitter. Es gibt nur noch diesen. Oligarchen, der die Entscheidung trifft. Es bleibt spannend, Dennis. Oh, wir haben Wochenende.

14:22 Dennis Horn

Wir haben Wochenende.

14:23 Speaker 4

Oh, das habe ich völlig übersehen. Ja, also wenn nichts passiert, hören wir uns am Montagmorgen wieder. Ansonsten bis morgen. Wir werden es erfahren. Oder nächste Woche. Tschüss. Tschüss.