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Folge 131 · 29. Mai 2023 · 49 Min.

Könnte Twitter in der EU gesperrt werden?

mit Dennis Horn

Twitter steigt aus dem Pakt gegen Desinformation aus – und holt sich damit den Unmut europäischer Politiker:innen ins Haus. Außerdem gibt es ein paar Updates aus dem Ron Desaster der letzten Woche – und ein paar Gedanken über den Umgang Twitters mit Videos. Und eine Weisheit zum Schluss: Du sollst die Dezentralität nicht vor der Relevanz loben.

Transkript

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00:01 Intro

Haken dran, das Social Media Update der CT.

00:06 Gavin Karlmeier

Grüß dich, Gavin. Hallo Dennis. An dem, also erstmal ein langes Wochenende vorbei. Wir sind wieder da, wir freuen uns und ich möchte aber zum Beginn einen Meer Kulpa vorausschicken.

00:21 Dennis Horn

Oha, was passiert?

00:22 Gavin Karlmeier

In Richtung der Kolleginnen und Kollegen vom Spiegel. Ich habe Frage, ich habe schon ein bisschen gemotzt über die Medien, insbesondere über den Spiegel, und genau an dem Tag Erscheint exakt dieser Hintergrundartikel, von dem ich gesagt habe, warum erscheint sowas nicht mal? Wir haben aufgezeichnet, ich gehe danach auf spiegel. de und dann Steht da die Überschrift, darum macht Musk Twitter zum rechten Durchlauferhitze.

00:45 Dennis Horn

Ah, perfekt.

00:47 Gavin Karlmeier

Also, wenn ihr ein Spiegelplus-Abo habt, legen wir euch diesen Artikel ans Herz. Und wir beginnen mit ein bisschen Nachklapp. So übers Wochenende haben sich so die großen Dinge, über die wir vergangene Woche gesprochen haben, ein bisschen weiterentwickelt. Wir beginnen mit Ron de DeSantis. Ihr erinnert euch der mögliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner am Ende und Dieses Interview, das Elon Musk mit ihm führen sollte, aber dann hat es leider erstmal gehapert an der Technik. Und Musk hat eine eigene Twitter-App, also so die App, wo neue Funktionen erstmal reingeschaufelt werden, so intern, um sie zu testen. Die heißt Early Bird. Ist nur für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugänglich. Und mit der hat er da gearbeitet, hat natürlich auch da nicht funktioniert. Und er war danach wohl sehr wütend. Komisch. Ja, komisch. Also die New York Times hat mit drei Twitter-MitarbeiterInnen gesprochen. Die gesagt haben, vor diesem Gespräch mit Ron DeSantis, ein bisschen tue ich mich auch immer schwer, das Interview zu nennen, aber vor diesem Gespräch mit Ron DeSantis hätten durchaus Menschen bei Twitter Sorgen geäußert, ob die Plattform den Datenverkehr bewältigen könne, der da auf Twitter zukommt. Und es habe keinen Plan B gegeben. Und einer hat CNN, ein früherer Twitter-Mitarbeiter hat CNN gesagt, Twitter Spaces war eigentlich ein Prototyp. Das war gar kein fertiges Produkt, sondern so ein Beta-Test, der ist nie beendet worden, so aus der Zeit von Klapphaus. Naja, und ich denke, das ist das, was wir dann letzte Woche so erlebt haben. Und dann kam noch der Plattformer-Newsletter obendrauf. Und Casey Newton hat geschrieben, das vielleicht Wichtigste, was man über die technischen Probleme von Twitter Spaces wissen muss. In den vergangenen Monaten hat Elon Musk das Spaces-Team, das mal bis zu 100 MitarbeiterInnen gezählt hat. Auf drei Personen reduziert.

03:05 Dennis Horn

Es ist so geil, dass du gleichzeitig siehst, dass er dieses Tool oftmal für so wichtig hält, dass er mögliche Präsidenten und vor allem die, von denen er gerne hätte, dass sie es werden, dass er sie dahin einlädt, dass sie sich darum kümmert, dass sie das nutzen und zur Veröffentlichung ihrer wichtigsten Ankündigungen vermutlich. Gleichzeitig aber alle Leute bis auf drei entlässt, um dieses Feature überhaupt noch zu warten, zu. Nutzen zu reparieren.

03:33 Gavin Karlmeier

Ja, und wir haben ja mal über das institutionelle Wissen bei Twitter gesprochen. Also bei Spaces war einfach niemand mehr übrig, der überhaupt die Architektur dieser Funktion im Detail kennt. Das hat eine Person, die offenbar Twitter nahesteht, in diesem pseudonymen Mitarbeiterforum Blind geschrieben, aus dem wir hier auch öfter schon. zitiert haben. So. Und dann hat ein technischer Leiter von Twitter das Unternehmen jetzt verlassen, einen Tag nach diesem Debacle. hat getwittert nach fast vier unglaublichen Jahren bei Twitter habe ich gestern beschlossen, das Nest zu verlassen und er hat nicht dazu geschrieben, warum Oder ob das irgendwas damit zu tun hat, hat noch einen anderen Tweet veröffentlicht, in dem er geschrieben hat: Der Übergang zu Twitter 2. 0, wie das ja so unter Mask. Sei massiv und schnell gewesen. Und zu sagen, dass es am Anfang eine Herausforderung war, wäre eine Untertreibung. Das ist ganz interessant, ist so ein Statement, das kann man in beide Richtungen lesen.

04:43 Dennis Horn

Mhm. In der Tat. Ja, und ja. Also das ist halt so seltsam, weil diese ganzen Funktionen immer so aus dem Nichts kommen. Plötzlich starten. Twitter Space war ja damals eine Antwort auf Clubhouse und eins der wenigen Features, die so in den zwei Jahren vor der Übernahme von Mask oder drei Jahren gestartet sind. Und ich verstehe nicht, wie man nee, also ich hab keine Worte. Offensichtlich. Ja, gut. Also wie kann man denn wirklich glauben, dass das jetzt der große, große Wurf wird, wo man wirklich einen der größten Scoops landet, die man so landen kann an Elon Musks Stelle hier, auch mit einer Partnerschaft für das neue Publikum, das genau das hören möchte und sich dann darüber keine Gedanken vormachen. Das ist mir so schleierhaft.

05:35 Gavin Karlmeier

Also wir hatten ganz am Anfang hier im Podcast mal die These, dass Elon Musk auch mit so einer Haltung dran geht Dass Twitter gar nicht perfekt laufen muss, sondern dass Menschen durchaus auch mal ein paar Glitches in Kauf nehmen. Also gerade daran erinnern.

05:54 Dennis Horn

Ja, Glitches ja, aber das hier ist ja mit Karachok vor die Wand.

05:58 Gavin Karlmeier

Ja, ja, ja, das stimmt. Also nochmal die politische Perspektive dessen Ron DeSantis Hat in einem Interview jetzt nochmal gesagt, er sei kein großer Social Media-Typ und würde selbst lieber Kabelnachrichten schauen, als auf irgendeiner App zu sein. Ah ja. Hat dann zu dieser Situation gesagt, ich befand mich in einem Raum in Florida und wusste nicht wirklich, was vor sich ging.

06:25 Dennis Horn

Würde dem mit deutschen Kolleginnen und Kollegen vermutlich ähnlich passieren.

06:28 Gavin Karlmeier

Ja, genau. Aber er hat dann diese Entscheidung doch nochmal. Verteidigt, das über Twitter zu starten. Also war ihm egal. Er hat gesagt, letztendlich hat er mehr Aufmerksamkeit erhalten, als wenn er einfach eine traditionelle persönliche Rede gehalten hätte. Und da tat Vielleicht dieser Glitch oder das Volkaracho gegen die Wand auch so das Seine dazu, weißt du?

06:52 Dennis Horn

Ja, es stimmt vermutlich auch. Und CBS hat auch getötet am Wochenende, dass er 8,2 Millionen Dollar an an Spendengeldern gesammelt hat in der Unterstützung dieses Wahlkampf, was wie wie Elon Musk es nennt, ein All-Time-Record for Fundraising ist. Das kann man natürlich nicht prüfen, jetzt so ohne weiteres, ob wirklich noch nie mehr gefundraced wurde, aber vermutlich hat er mit der These recht. Also, ich kann mir das schon vorstellen, dass also ein kleiner, schwieriger Podcast und zwei Typen die eigentlich über Twitter sprechen wollten, hätten wir vermutlich sonst niemals so viel Sendezeit für Ron DeSantis freigeräumt, wie in diesem Fall hier. Also in dem Fall stimmt die These schon mal.

07:29 Gavin Karlmeier

Das ist das Problem an der Nummer, ne? Man kommt da in der einen oder der anderen Richtung nicht raus. Ja, das ist wohl so. Und einer Hand wäscht die andere am Tag nach der Ankündigung. Du hast, also Pfingsten hat den Husten auch noch nicht beseitigt.

07:45 Dennis Horn

Ja, ist weniger geworden. Ich huste immer nur, wenn ich lachen muss. Also siehst du als Kompliment, wenn ich viel huste, liegt es an dir.

07:51 Gavin Karlmeier

Gut. Also am Tag nach der Ankündigung der Präsidentschaftskandidatur. Unterzeichnet Ron DeSantis ein Gesetz, das Raumfahrtunternehmen vor Haftung schützt, falls Arbeitnehmer verletzt oder getötet werden? Das ist die Space Flight Entity Liability Bill und dieses Gesetz erweitert die Fälle, in denen Raumfahrtunternehmen von der Haftung für die Verletzung oder den Tod einer Besatzung In Folge von Raumfahrtaktivitäten befreit sind. Und da raten wir doch einmal, Welcher Mensch ein Raumfahrtunternehmen besitzt? Reiner Zufall besitzt ein Raumfahrtunternehmen mit dem Namen SpaceX. Und wir müssen nach diesem Wochenende mal ein wenig die Unternehmen durchdeklinieren von Elon Musk. Wir reden hier selten über Tesla und Neuralink und The Boring Company und Pippapo. Aber Es sind auch noch ein paar Dinge an diesem Wochenende rumgekommen, von denen wir denken, das hat schon Nähen. Ja?

08:58 Dennis Horn

Ja.

08:59 Gavin Karlmeier

So, also fangen wir mit Tesla an.

09:02 Dennis Horn

Ja, das ist ein tolles Thema.

09:05 Gavin Karlmeier

Da hat das Handelsblatt 100 Gigabyte Daten zugespielt bekommen, die aus den IT-Systemen von Tesla stammen sollen. und nahelegen, dass Tesla größere technische Probleme hat als bislang bekannt. Einmal geht es um den Autopilot, das Fahrassistenzsystem von Tesla, da schildern KundInnen in diesen Dokumenten. Dass ihre Autos irgendwie plötzlich gebremst haben oder abrupt beschleunigt haben. Manche sind wohl mit dem Schrecken davong gekommen, schreibt das Handelsblatt. Andere Nach eigenen Angaben im Graben gelandet, gegen Wände gefahren oder auf entgegenkommende Fahrzeuge geprallt. Damit sind die. Probleme mit diesem Fahrassistenzsystem größer als bisher bekannt, aber es gab auch noch sensible Informationen darin zu Kunden, MitarbeiterInnen, Geschäftspartnern. Da geht es um Datenschutzfragen. Also der Landesdatenschutzbeauftragte in Brandenburg Wo Tesla ja seine große Fabrik hat, der hat gesagt, es gibt ernstzunehmende Hinweise auf mögliche Datenschutzverletzungen, die er darin sieht. Hat auch die niederländische Datenschutzbehörde informiert, die für die Europazentrale von Tesla zuständig ist. Tesla selbst sagt, es ist Datenklau. Man verdächtigten unzufriedenen früheren Mitarbeiter, Daten, Zitat, unter Verletzung von Geheimhaltungspflichten weitergegeben zu haben. Und die wollen jetzt rechtliche Schritte einleiten, soweit, so klar.

10:39 Dennis Horn

Ja, das ist ja immer der erste Reflex, erstmal zurückbeißen. Aber das geht ja hier so weit, dass du, also dem Handelsblatt liegen diese Informationen vor und man kann als Tesla Kunde oder Kundin kann dann auch einfach durch die Eingabe seiner Fahrgestellnummer schauen, ob du in diesen Files gefunden wirst und kannst von deiner Fahrgestellnummer deine Adresse Deine Telefonnummer, deine E-Mail-Adresse, dein Vor- und Nachname einsehen. Selbst wenn das ein unzufriedener Mitarbeiter, eine unzufriedener Mitarbeiterin war, diese Person sollte nichts ohne weiteres an diese Daten im großen Stil drankommen. Also das Punkt.

11:15 Gavin Karlmeier

So ist das. Und es gibt, warum sprechen wir im Twitter-Podcast darüber? Es gibt einen sehr interessanten Absatz in den Texten des Handelsblatts über diesen Fall. Und der erinnert uns einfach an das, worüber wir hier die vergangenen Monate auch gesprochen haben. Ich zitiere, die Recherchen dokumentieren die Struktur eines Konzerns mit mehr als 127. 000 Mitarbeitern. Der auf eine Person zugeschnitten ist, Elon Musk. Der Firmenchef scheint in die kleinsten Dinge involviert zu sein, sei es das Material der Batterieanode, Oder seines Türgriffe. Und so können Startups funktionieren. Ab einer gewissen Größe brauchen Firmen aber andere Strukturen, starke Führungskräfte und eine IT, die sowohl Firmengeheimnisse wie auch Daten der Beschäftigten schützt. So, Word. Word, das interessiert uns, ähinnert uns einfach ganz stark an das, was bei Twitter gerade passiert. Und warum wir hier so oft über die Frage sprechen, wie sicher diese Plattform eigentlich ist, sowohl für BenutzerInnen als auch ganz offenbar für das Team, das dort arbeitet.

12:23 Dennis Horn

Total, ja. Der Chefredakteur vom Handelsblatt hat auch so einen Kommentar veröffentlicht, nochmal, um das einzuordnen, warum sie diese ganzen Twitter-Files veröffentlichen und. . wie viele Daten da eigentlich drin liegen. Das ist ein ganz spannender Text, ich kann das sehr empfehlen, weil da auch gesprochen wird, eben von tausenden PDF-Dateien und so, also wirklich sehr, sehr detailliert erzählt. Und ich finde den letzten Absatz dieses Textes finde ich so toll, weil er sagt, Elon Musk mag ein genialer Unternehmer sein, auch weil ihn die Grenzen des zuvor Gedachten oftmals nicht kümmern, sollten seine Unzulänglichkeiten in der Konzernführung allerdings zur Folge haben, dass die Rechte von Angestellten oder das Leben seiner Kundinnen und Kundengefährdet sind. ist es an der Zeit, seiner Macht engere Grenzen zu setzen. Und ich glaube, das gilt eben nicht nur für Elon Musk den Automobilunternehmer, sondern möglicherweise, nein, mit Sicherheit auch für Elon Musk den Unternehmer eines digitalen sozialen Marktplatzes, wie er es so schön nennt.

13:14 Gavin Karlmeier

Währenddessen drüben bei Neuralink, so heißt es doch, ne? Das Hirn-Implantate-Unternehmen von Elon Musk hat die Zulassung dafür enthalten. erhalten Hirnimplantate bei Menschen zu testen.

13:30 Dennis Horn

Super idee Ich glaube, keines der Tiere, an denen das bislang probiert wurde, hat diese Versuche überlebt bislang. Also ich bin Ich bin frage mich, wer der erste Mensch wird, der das ausprobiert, wenn man sich da in der Tradition, ja, man hat sein Unternehmen ja auch, oder einzelner Unternehmen heißt ja auch Tesla. Wenn er sich im Geiste früherer Pionierinnen und Pioniere versteht, sollte er eigentlich der Erste sein, der sich so ein Interface ins Gehirn setzen lässt.

13:56 Gavin Karlmeier

Ja.

13:56 Dennis Horn

Wer so mal in mein Gefühl.

13:58 Gavin Karlmeier

Man gibt ja bald eine andere CEO, die entscheidet. Ja.

14:03 Dennis Horn

So, genau. Also hier, also man kann auch nochmal sagen, innerhalb von vier Jahren sind 1500 Tiere gestorben. Weil man einfach Implantate ausprobiert hat.

14:11 Gavin Karlmeier

So, auch hier, warum sprechen wir darüber? Uns ist ein Tweet, der sich nach Anekdote anhört, von Julian dazu aufgefallen, der aber fantastisch schreibt. Wo sind jetzt eigentlich die ganzen rechten Verschwörungsdeppen, die die letzten Jahre rumholten, von wegen Bill Gates will uns alle chippen?

14:27 Dennis Horn

Exakt so ist es Genau dieser Blickwinkel ist der richtige, weil das all die Leute sind, die jetzt mit blauen Haken darunter schreiben, das kannst du nicht vergleichen.

14:37 Gavin Karlmeier

Ja, ja. Also interessant, wie hier jemand di Das hört sich jetzt auch schon wieder so verschwörungstheoretisch an, aber wie hier jemand die Kontrolle über das verschwörungstheoretische Narrativ hat. Offenbar.

14:54 Dennis Horn

Oder stimmt ja.

14:56 Gavin Karlmeier

Eben im Sinne von zu verhindern, dass es hier gesetzt wird. Interessant.

15:00 Dennis Horn

Das ist ja super interessant, weil halt einfach wirklich jetzt einer anfängt. Chips in Gehirne zu setzen, von denen die Menschen, die es einimplantiert kriegen, vermutlich nicht zunächst einen Schallplan vorgelegt kriegen, um erklärt zu bekommen, was genau alles darin passiert. Und das ist genau der Vorwurf, der immer wieder auf total realitäts- und wissenschaftsferner Ebene irgendwelchen Impfstoffen beispielsweise gemacht wurde. Völlig ohne Grundlage, auf Faktenbasis. Ähm, naja, aber solange es Elon Musk ist, sind seine Leute, die ihn dafür bezahlen, immerhin zufrieden.

15:32 Gavin Karlmeier

So, viertelstunde rum Lass uns über Twitter sprechen. Stimmt. Da war ja was. Also, mir ist vor allem die Nachricht aufgefallen, dass Twitter den Pakt gegen Desinformation Verlässt. Es gibt eine ganze Reihe von Plattformen, die diesem freiwilligen Verhaltenskodex der Europäischen Union beigetreten sind, ihn unterzeichnet haben. Die EU-Kommission sagt jetzt, Twitter tritt aus diesem Abkommen aus. Thierry Breton, das ist der Binnenmarktkommissar der Europäischen Union, hat getwittert, dass Twitter dem Verhaltenskodex den Rücken zukehrt, aber Verpflichtungen bleiben, sie können weglaufen, aber sie können sich nicht verstecken. Weil ja über die freiwilligen Selbstverpflichtungen hinaus eben ab dem 25. August der Digital Services Act gilt. Und Thierry Breton schreibt, Unsere Teams werden zur Durchsetzung bereit sein. Es gibt deutliche Worte von der Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die das verantwortungslos nennt. Desinformationen, Lügen und Propaganda befeuern. Hass und sind Gift für die Demokratie. Unser Recht gilt für alle Plattformen.

16:53 Dennis Horn

Wir werden es durchsetzen.

16:56 Gavin Karlmeier

So. Das ist ein Kodex, dem sich Unternehmen angeschlossen haben, die sagen, wir gehen gegen die Verbreitung von Desinformation vor, verfassen auch regelmäßig Berichte über die Fortschritte. Da steht dann zum Beispiel drin, wie viele Fake-Accounts gibt es, wie wirken sich die Faktenchecks aus auf die Verbreitung von Desinformationen. Und bei diesem Codex sind Google dabei, TikTok, Microsoft und Meta. Und es gab auch schon so ein paar Anzeichen im Februar dafür, dass Twitter da nicht mehr bereit ist. Da gab es nochmal einen Bericht von Twitter, der ist wohl hinter den anderen auch zurückgeblieben, hat die EU-Kommission gesagt. Das hatte nur wenig spezifische Informationen, keine zielgerichteten Daten. Weißt du, woran mich das erinnert? Ja.

17:57 Dennis Horn

Gute Frage, ne? Mich erinnert das an die an das. wie sagt man an das Verhalten von Donald Trump, kurz nachdem er Präsident wurde. Das erste, was er gemacht hat, sind eigentlich alle möglichen Verträge zu kündigen, irgendwelche Klimaabkommen, Open Skies, Rüstungsabkommen. Die ganzen Dekrete Ja, genau. Also das erste, was er gemacht hat, irgendwelche Verträge, die mit anderen Staaten oder auch mit Institutionen geschlossen wurden, erstmal aufzukündigen und zu sagen, wir machen brauchen wir alles in Amerika first. Und genau so war wahrscheinlich auch sein Gedankengang. Und mich erinnert das schon daran zu sagen, also diese ganzen Altlasten, die wir uns ans Bein gebunden haben, drauf geschissen, wir machen doch eh, was wir wollen. Und also das ist natürlich vollkommen weltfremd, weil das, weil die Realität ihn spätestens am 25. August hier einholen wird. Aber für mich fühlt sich das schon an nach so einer Isolationspolitik für Twitter.

18:55 Gavin Karlmeier

Hier und da gibt es auch mal deutlichere Worte. Ich meine, Thierry Breton findet es nicht gut. Nancy Faeser sagt, das ist verantwortungslos, aber der Digitalminister in Frankreich hat mit einem Verbot gedroht, wenn Twitter sich nicht an die neuen EU-Gesetze hält zur Desinformation. Der Digitalminister dort heißt Jean-Noël Barrault und der hat gesagt, Twitter Wird im Falle einer Nichte-Einhaltung des Digital Services Act in Europa nicht willkommen sein Und ich zitiere nochmal weiter, wir können nicht das Risiko eingehen, dass ein soziales Netzwerk wie Twitter von Unterstützern der Desinformationen geiselhaft genommen wird. Das ist eine Gefahr für die Demokratie. Wenn Twitter sich nicht an unsere Regeln hält, wird es im Wiederholungsfall aus der Europäischen Union verbannt.

19:48 Dennis Horn

Ich bin da zweier Meinung gleichzeitig. Ich finde das richtig. zu sagen, wir haben hier diese Richtlinien, wir müssen regulieren und Plattformen, die eine gewisse Größe haben und sich an diese Richtlinien nicht halten, können hier nichts regulieren. agieren. Das Problem ist, dass da die politische Komponente hinzukommt, dass das Wasser auf Mühlen von VerschwörungstheoretikerInnen Neo- wie nennt man das, Neurechten am Ende ist, die sagen, hier wird doch sowieso schon, es wird von Meinungsdiktaturen gesprochen, von Manipulation der öffentlichen Meinung und so. Und Das ist natürlich sehr schwierig, wenn du dann einen Move machst, den du aus autokratischen Regimes kennst, den Zugriff auf Twitter zum Beispiel, einzuspielen. einzudämmen oder zu sperren, weil dort Informationen geteilt werden, die du als Staat dort nicht haben möchtest. Das ist jetzt bewusst sehr stark verkürzt. Also du gibst, du schüttest Wasser auf die Mühlen der Rechten, wenn du diese Regulierung hier stark durchziehst. Und ich fürchte, dass wenn es dazu kommen sollte, wenn Twitter jetzt bis zum Äußersten drauf ankommen lässt Dass das in der Diskussionskultur im Internet eine ganz, ganz unangenehme Zeit werden wird.

21:07 Gavin Karlmeier

Ich halte dagegen. Ich finde dieses, das ist Wasser auf die Mühlen der Rechten, ist ein Argument, das mir zu sehr in der Nähe von man muss den Reden zuhören, verstehen ist. Es gibt eine Reihe von Grundregeln. Und diese Grundregeln sind ja plattformunabhängig gefasst. Und wenn die Plattformen sich nicht daran halten, fliegen sie eben aus dem Raster. Und ich finde das völlig legitim. Ich finde auch, dass man damit durchaus einen Raum nimmt, in dem Demokratie zersetzende Kräfte sich treffen können und eine Schlagkraft entwickeln können. So in so einem Fall, ne, wenn das so ist. Ich glaube aber auch einfach nicht, dass es dazu kommt. Und zwar aus zwei Gründen. Der eine Grund ist, dieselben PolitikerInnen sind ja in diesem. Kreislauf der Plattformen und deren Wirkmächtigkeit gefangen. Und der zweite Grund ist Linda Jaccarino. Also ich glaube einfach, das wird, die werden frühzeitig eine Kurve kriegen. damit sowas eben nicht passiert. Das wäre im Moment meine Wette.

22:30 Dennis Horn

Ja, natürlich. Realitätsnäher ist, glaube ich, würde ich dir zustimmen, sehe ich auch so. Ich glaube auch, dass Twitter hier gerade so ein bisschen Silberrasselt und schaut, wie weit können wir eigentlich gehen. Die EU das gleiche tut und hier sehr klar, sehr früh Schranken aufzeigt und eine scharfe Drohung ausspricht, was ich auch richtig finde. Und also ich bin ja meinungstechnisch voll auf deiner Seite, ich finde es auch. komplett richtig, diese Regulierung mit allen Mitteln durchzusetzen und sollte Twitter sich hier daran nicht halten, darf Twitter einfach hier nicht stattfinden. Finde ich, sehe ich auch so.

23:03 Gavin Karlmeier

Ich fürchte nur, dass du das ist, ich glaube, dass es einfach eine schwierige Argumentationsgrundlage ist. Ich glaube auch, dass die Debatte auf Basis dieser Argumentationsgrundlage, von der du ja eben gesagt hast, da wird uns noch einiges erwarten. Ich glaube ja, die werden wir eh kriegen. So. Also es wird eh eine harte und heftige Zeit in den kommenden Jahren. Also deswegen macht mir das nicht die größte Sorge.

23:29 Dennis Horn

Ja, verstehe ich auch.

23:31 Gavin Karlmeier

Finde ich auch nachvollziehbar Die frühere PR-Firma von Twitter hat am Freitag Klage eingereicht, wegen unbezahlter Rechnungen. 16. November, das war der Tag, an dem sich die beiden Unternehmen getrennt haben. Das war drei Wochen nach der. Übernahme, aber die Firma sagt: Twitter schuldet ihr immer noch 830. 498 US-Dollar. Für sechs unbezahlte Rechnungen, Twitter reagiert und das fand ich interessant. Twitter reagiert nicht mehr auf die Zahlungsaufforderung. Sondern schickt ein automatisiertes Versprechen, sofort mit der Bearbeitung zu beginnen. Das ist ja, also es gibt eine Adresse press at twitter. com und vielleicht Invoices at twitter. com und Sie haben einfach nur das Kack-Emoji ersetzt gegen Wir werden sofort mit der Bearbeitung beginnen.

24:28 Dennis Horn

Ja, ich habe genau die gleiche Assoziation. Die Frage ist, ob das da dann auch mit der Kommunikation endet, ob das dann auch sich niemand mehr anguckt. Ja. Also ich glaube ja fast dran. Ich fürchte das auch. Also vor allem, weil das auch nicht die erste PR-Firma ist, über die wir hier stolpern.

24:47 Gavin Karlmeier

Also beide Themen in Union miteinander. Einmal der Digitalminister aus Frankreich und der Hinweis von Thierry Breton. Auf den Digital Services Act und hier diese Rechnungsnummer. Da habe ich auch noch gelesen, es sind jetzt zehn Unternehmen wohl mindestens, die da noch wegen offener Rechnungen auch klagen. Beide Themen verbunden miteinander zeigen nochmal: hier liegt aus meiner Sicht nach wie vor das ärgste Problem für diese Plattformen.

25:21 Dennis Horn

Ja. Ja. Ja, genau das.

25:24 Gavin Karlmeier

Twitter kündigt an, es gibt einen neuen API-Zugriff. Der heißt Twitter API Pro.

25:32 Dennis Horn

Ist so ein bisschen wie die iPhone-Benennung, ne? Ja. Twitter API Pro Plus Premium.

25:38 Gavin Karlmeier

Experimentiere, baue und skaliere dein Unternehmen mit einer Million Tweets pro Monat. einschließlich unserer leistungsstarken Echtzeitfilter, Stream und Full Archive Search Endpunkte. Und diese eine Million Tweets pro Monat kosten 5000 US-Dollar. Und das scheint jetzt so eine Zwischenlösung zu sein für alle, die die 42. 000 Dollar pro Monat nicht zahlen möchten.

26:08 Dennis Horn

Wir haben keine Zahl, übrigens, wie viele das bislang tun. Ja. Ich stelle mal eine These in den Raum. Weniger als Twitter gehofft hat.

26:16 Gavin Karlmeier

Ja, das glaube ich auch. Bin ich bei zweistellig? Vielleicht, ne?

26:22 Dennis Horn

Wenn es gut läuft, ja.

26:24 Gavin Karlmeier

Also auch hierzu gibt es jetzt schon Einschätzungen. Die sagen, wenn man das irgendwie für internationale Themen nutzen möchte, ist das nicht ausreichend, eine Million Tweets für 5000 US-Dollar. Und wenn man das für lokalere, kleinere Zwecke nutzen möchte, ist es wiederum zu viel. So, für die meisten kleineren Unternehmen, vielleicht Freiberufler, ist es zu teuer. Für WissenschaftlerInnen ist es ein zu kleiner Datensatz. Also da. Für wen ist das? Wir wissen es nicht. So, ja. Und 9 to 5 Mac schreibt jetzt nochmal über diese Dritt Anbieter, die eigene Twitter-Clients im Einsatz hatten oder rausgegeben hatten. Tweetbot zum Beispiel, Twitterfic. Wir haben öfter über diese Apps gesprochen, den Twitter ja mit der API auch den Saft abgedreht hat. Und 925 Mac weist hin auf einen Porträt, das Texas Monthly ähm veröffentlicht hat, Monthly? Was war das denn? Texas Monthly veröffentlicht hat. Ein Porträt über TabBots. Das ist ein Unternehmen in Texas, das hinter Tweetbot steckte und jetzt hinter Ivory. Das ist diese App für Mastodon. Und in diesem Porträt gibt es zu lesen, dass. Amir Schevat, der frühere Produktleiter bei Twitter war für die Entwicklerplattformen. Also der hatte die Aufgabe, zum Beispiel eben Tabbots oder andere Unternehmen zu begleiten. Und der sagt, Drittanbieter-Apps wie Tweetbot und Twiterific waren in der Vergangenheit für Satte 7 17% des gesamten äh, Engagements, Engagements auf Twitter verantwortlich. Also 17% der Interaktion auf Twitter entfielen auf diese Drittanbieter-Clients, denen Elon Musk da einfach den Saft abgeschnitten hat.

28:38 Dennis Horn

Jeder fünfte bis sechste Tweet wurde darüber geschrieben, kann man damit sagen. Und im selben Text stand auch dieser Satz, dass ein Großteil derer, die die Inhalte für die Mehrheit der Leute auf Twitter geschrieben haben, über diese Apps eben dort unterwegs waren. Und ich finde, das ist eine sehr zutreffende Beschreibung, zu sagen, also so ein bisschen die Lieblingsband deiner Band, so zu sagen, wenn du diesen Leuten die Möglichkeit nimmst, auf Twitter stattzufinden, haben alle anderen, die hier sind, keinen Spaß mehr. Es ist also, ist halt eine, ist eine, also. Keine Neubeobachtung, aber nach wie vor ein riesengroßer Fehler von Twitter, all diese Menschen vor die Tür zu setzen.

29:17 Gavin Karlmeier

Und diese Offenheit abzuschneiden, die diese Plattform auch eben immer gestützt hat. In ihrer Relevanz am Ende ja auch.

29:24 Dennis Horn

Ja, und damit dann ja auch die Leute, denen das wichtig war, in die Hände von möglicherweise dezentralen Gegenangeboten zu schicken.

29:32 Gavin Karlmeier

So, kleine Reise durch die Neuigkeiten bei den Funktionen bei Twitter. Twitter arbeitet an weiteren Transparenzkennzeichnungen. Einmal was die Accounts angeht, aber auch was die Tweets angeht, wenn du zum Beispiel einen. Übrigens diesen Begriff, den habe ich erst gelernt hier bei uns im Podcast. Not safe for work. Wirklich? Ja. Ehrlich? Ja. Du bist ja ganz viele Zeiten unterwegs. Wahrscheinlich. Wahrscheinlich. Manchmal hat man ja so Dinge, die komplett an einem vorbeigehen. Und dann stößt man irgendwann drauf und sagt, warum erfahre ich das erst nach 41 Jahren? Das ist wirklich verrückt.

30:13 Dennis Horn

Vor allem, dass du schon 41 bist.

30:16 Gavin Karlmeier

So, also wenn du zum Beispiel ein Not Safe for Work-Bild Twitters, dann kann es passieren, dass dein Konto vorübergehend eingestuft wird als sensible Inhalte enthaltend. Und dementsprechend eingeschränkt wird. Interessant, weil genau solche Hinweise ja eigentlich eher ein Dorn im Auge von Elon Musk waren. So?

30:40 Dennis Horn

Ja, voll. Also, ja, und da hoher Priorität hatten, dass das nicht stattfindet hat.

30:47 Gavin Karlmeier

Dann nochmal die Videofunktion auf Twitter. Wir haben schon häufiger darüber gesprochen. Andrea Conway, die leitende Produktdesignerin von Twitter. Er hatte wieder ein Bild getwittert. Da ist ein neues Menü drin zu sehen. Da kann man Untertitel einstellen, die Abspielgeschwindigkeiten, Download-Button hat man dort sogar. Und Videos können einfach geteilt oder gemeldet werden. Gibt es schon ein paar dieser Funktionen auch bei Twitter Aber das zeigt nochmal, dass Twitter einfach so das Thema Video stärker in den Mittelpunkt drückt. Wir hatten ja auch über die Bild-in-Bild-Unterstützung und verschiedene Auflösungen schon gesprochen.

31:31 Dennis Horn

Da ist aber wichtig, was du jetzt sagst. Für diese Geschichte habe ich mir eine starke Meinung zu.

31:37 Gavin Karlmeier

Zu dem, was wir hier noch haben zum Thema Video. Da ist eine wichtige Metrik. Plötzlich verschwunden. Nämlich die Anzahl der Videoaufrufe. Das ist so geil. Mashable schreibt darüber, dass eine ganze Reihe von NutzerInnen festgestellt haben. Auch der Autor dieses Artikels. dass Videos auf Twitter nicht mehr anzeigen, wie oft sie aufgerufen wurden. Das war vorher öffentlich zugänglich. Es ist nicht bekannt, woran es liegt. Also ob das Einherging mit den Änderungen am Player innerhalb von Twitter und diesen neuen Funktionen, über die ich gerade gesprochen habe. Aber das ist wohl einigen NutzerInnen schon vor über einer Woche. Aufgefallen, dass jetzt diese Metrik verschwunden ist. Du hast Gefühle. Ja, bitte teil sie mit uns.

32:24 Dennis Horn

Sehr, sehr doll Gefühle zu Ähm, ich hab eine These, dass diese Zahl stark abgewichen ist von der Anzahl der Views auf dem Tweet, die direkt darunter war, weil dieser Counter ja, wie wir wissen. nicht ganz zuverlässig ist. Und weil man sich hier nicht selber vermutlich diskreditieren wollte, hat man sich einfach gedacht, lassen wir das mal weg. Das hat aber eine ganz dolle Aussagekraft, weil man kann ja bei Twitter eine sehr versteckte Funktion, ich glaube viele wissen das nicht, aber Wenn du ein Video als Dennis Horn bei Twitter postest, kann ich einen neuen Tweet mit deinem Video erstellen. Und das ist dann ein eigener Tweet, in dem das Video so aussieht, als hätte ich es hochgeladen, nur dass unten drunter steht Video von Dennis Horn. Und die Anzahl der Videoaufrufe ist gleichbleibend. Das heißt, ich kann zeigen, wie oft dieses Video aufgerufen wurde, auch übergreifend darüber, in wie vielen Tweets. dieses Video verwendet wurde. Gleichzeitig hatten Medienunternehmen früher so eine so ein Media Studio bei Twitter, auch das wissen viele vermutlich nicht, die die Möglichkeit hatten, Videos so zu hinterlegen wie bei Facebook um selber mit Diversen mit den eigenen Videos mehrere Tweets zu erstellen, um zum Beispiel nochmal Content zu generieren, wenn man irgendwas krasses hatte von irgendeiner Live-Veranstaltung oder so. So, was bedeutet das jetzt, dass dieser Videoaufrufzahl counter weg ist? Es bedeutet entweder, dass der auch unzuverlässig war Oder zumindest zuverlässig eher als dieser Tweet View Counter. Vor allem ist es aber spannend, wenn man sich überlegt, was Twitter eigentlich im Ziel hat. Und da möchte ich eine Anekdote von Instagram erzählen. Erinnerst du dich noch früher, als Instagram, äh, bevor vor dem Zeitalter der Reels, als es bei Instagram so ganz viele Arten Videos gab, Storys und GTV und diese ganz klassischen Feed-Videos, die so quadratisch waren? Wenn du sie in der Story geteilt hast, waren sie kein Video, sondern nur als Beitrag sichtbar und so. Und darunter stand ja nicht, wie viele Likes das hat, sondern immer wie viele Aufrufe das hat. Was vermutlich psychologisch war, meine These, weil wenn ich das sehe, ist es eine höhere Zahl als die, vermutlich eigentlich niedrigere, gefällt mir Angabenzahl als die Bilder davor und danach, weil. ein Video zu liken, ein bisschen umständlicher war als ein Bild zu liken, bla bla. Das hat einen psychologischen Effekt, dass ich das Gefühl habe, Videos sind hier wichtig für diese Plattform. Videos erreichen tolle Zahlen. Ich möchte auch ein Video hochladen. Wenn das hier jetzt aber nicht mehr da ist bei Twitter, während Twitter aber gleichzeitig eine neue Werbeoffensive und eine neue Videooffensive startet, indem sie zum Beispiel Partnerschaften eingehen mit. . rechtskonservativen Medienplattformen, über die wir letzte Woche gesprochen haben, oder auch mit PräsidentschaftskandidatInnen, kann das doch eigentlich nur den Grund haben, dass man bescheißen möchte, oder? Dass Twitter offenbar mit höheren Zahlen nach draußen gehen möchte, als de facto ersichtlich sind.

35:06 Gavin Karlmeier

Ja, kann ich mir so bescheißen oder halt ähm. Niemanden darauf stoßen, wie unzuverlässig diese Zahlen einfach sind. Ja, oder auch wie schlecht. Was man ihr auch einfach als bescheißen interpretieren könnte.

35:24 Dennis Horn

Richtig, oder? Ja, richtig. Also es muss ja gar nicht die Unzuverlässigkeit der Zahlen sein, sondern es kann ja auch einfach die Schlechtheit der Zahlen sein. Also wenn die Videos wirklich katastrophal niedrige Aufrufe erzielen. Naja, was erzählst du denn am so einem Taker Karlzen, der jetzt exklusiv auf Twitter stattfinden möchte?

35:41 Gavin Karlmeier

Ja, das stimmt. Das stimmt. Du kannst einfach nicht mit Zahlen kommen, sondern nur mit den Mechaniken, die du dann irgendwie gefühlt in der öffentlichen Debatte abliest.

35:52 Dennis Horn

Ja, genau.

35:53 Gavin Karlmeier

Das ist dann das Einzige, was du werbemäßig da noch Sagen kannst.

35:58 Dennis Horn

Plus die View, dem View-Count unter dem Tweet, der ja nur eine Reichweitezahl ist und nicht, wie viele Aufrufe ein Video erzielt hat. Finde ich super spannend, vor allem wenn man überlegt, dass gleichzeitig darüber nachgedacht wird, Wein zurückzubringen oder so eine eigentlich einen Video-Empfehlungsalgorithmus zu etablieren, so ein bisschen TikToky zu werden. Das passt irgendwie nicht zusammen, weil TikTok lebt davon, dass Videos wahnsinnig hohe Aufrufe haben, weil Leute sie sich öfter angucken und weiterschicken. Wenn das bei Twitter jetzt keine Metrik mehr ist, die zählt, sondern nur noch, welche Reichweite der damit verbundene Tweet eigentlich erzielt Für welche andere Gespräche. Also spannend.

36:36 Gavin Karlmeier

Ein bisschen Jenga haben wir heute auch. Es gab eine Welle an Accountsperren. Unberechtigterweise, die viele künstlerische Konten betroffen haben, auch andere, die eher kleiner sind, also mit weniger als ein paar tausend FollowerInnen. Einige wurden auch fälschlicherweise gesperrt, weil sie angeblich Anstrengungen unternommen haben, einer Sperrung zu entgehen. Und die wussten dann gar nicht, worum geht es hier überhaupt, was ist los Und der Grund war länger unklar, oder ist es eigentlich auch noch immer? Mittlerweile ist diese Sperrwelle vorbei, die konnten auch wieder entsperrt. Keine Ahnung, was da passiert ist, aber aus Chronistenpflicht, bei uns ist es übrigens immer noch Haken dran, ist nach wie vor gespart.

37:30 Dennis Horn

Ich habe übrigens die These jetzt, woran das liegt. Es ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Unser Account? Ja. Und zwar haben wir doch den blauen Haken im Profilbild. Und das ist auch nach früheren Bedingungen, AGBs, gar nicht zulässig, einen blauen Haken im Profilbild zu haben. Und ich könnte mir vorstellen, dass das ausgereicht hat, um uns zu sperren.

37:53 Gavin Karlmeier

Haben wir das da hochgeladen?

37:54 Dennis Horn

Ja, ich hatte das hochgeladen. Ich bin schuld. Vielleicht ist es gar kein Jenger, vielleicht ist es auch gar kein Zorn. Aber ich frage mich, ob irgendjemand uns gemeldet hat. Weil der Account hatte null FollowerInnen.

38:06 Gavin Karlmeier

Ja, andererseits, einen blauen Haken im Profilbild, das kann auch, da braucht man noch nicht mal KI.

38:13 Dennis Horn

Stimmt.

38:13 Gavin Karlmeier

So, ja. Okay. Dann bereit für noch ein bisschen Mastodon und Blue Sky hinten raus.

38:21 Dennis Horn

Definitiv, ja.

38:22 Gavin Karlmeier

André Kroll ist der Social Media Chef, haben wir auch schon mal erwähnt, vom NDR, hat jetzt nochmal Getwittert nach den ersten drei Wochen des NDR im Fiddiverse, es läuft besser, habe ich gesagt getwittert, Verzeihung, getwittert. Es läuft besser als erwartet. Das Wachstum hat sich wohl deutlich abgeschwächt. Aber unter den Beiträgen ist deutlich mehr los als auf Twitter, sogar mehr als bei der Tagesschau auf Mastodon, im NDR-Account, ist mehr los als bei der großen Tagesschau. Auf Mastodon. Vorteil eben eines kuratierten Feeds, wenn man sich da persönlicher gibt, klar. Die Diskussionen sind gut entspannt, er hat noch kein Troll gesichtet. Diesel, Dieter und Currywurst Karen sind eher bei Facebook und Instagram unterwegs, schreibt er. Mastodon sei für Trolle wohl zu nischig, also zu viele gut informierte Menschen hier. Das übrigens finde ich auch, ich höre jetzt häufiger so viel Lob, so für den Ton und so weiter bei Mastodon. Das wäre auch mein Take. Das muss nicht so bleiben, ehrlich gesagt. Also, deswegen würde ich da denken.

39:33 Dennis Horn

Das kennen wir ja auch von anderen sozialen Netzwerken. Also, Instagram hatte früher auch immer so eine Candy-Stormy-Bubble. Wow, also Leute über 40 verstehen diesen diesen Satz nicht. Ich habe ihn verstanden. Leute über 42, Entschuldigung. Instagram hatte früher auch so eine wahnsinnig schmusige, angenehme Community. Das hat sich natürlich auch verwachsen mit der Anzahl der Leute, die da hingekommen ist.

39:58 Gavin Karlmeier

Es gibt, glaube ich, ein Sprichwort, man soll die Dezentralität nicht vor der Relevanz loben. Schön. Thematisch funktionieren wohl eher progressive Themen, also Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Gleichberechtigung. Fußball eher weniger.

40:20 Dennis Horn

Ich bin auf eine komische Art nicht überrascht.

40:22 Gavin Karlmeier

Ja. Und dann Blue Sky. Da haben wir eine neue Funktion, die uns sehr interessiert und über die wir jetzt nochmal hinten raus ein bisschen sprechen müssen. Nämlich im Grunde benutzerdefinierte Algorithmen. Blue Sky nennt das benutzerdefinierte Feeds und die Idee dahinter ist: du kannst dort jetzt Einzelne Feeds abonnieren, deren Algorithmen im Hintergrund dann so eingestellt sind Dass sie inhaltlich eben anders ausfallen als das, was du sonst im Hauptfeed von Blue Sky siehst Oder in deren algorithmischer Zusammenstellung, die What's Hot heißt. Und das funktioniert also oder das erinnert sehr an die Twitter-Listen. Wobei die einfach so waren, da setzt du Leute drauf und dann hast du es chronologisch. Aber hier geht es dann eben ein bisschen darüber hinaus. Du kannst dann meine Feeds anwählen im Menü von Blue Sky. Standardmäßig sind da drin What's Hot, What's Hot Classic, Blue Sky Team. Auch interessant. So für die frühen Tage so einer.

41:40 Dennis Horn

Ja, wer doch hat weiße Tulpen, gelbe Tulpen zu sehen, da ist er richtig.

41:44 Gavin Karlmeier

Und popular with friends. Das ist eine Mischung aus beliebten Inhalten von Accounts, denen du selbst folgst, und Inhalten, die deinen Followern gefallen. Das finde ich ja die klassische algorithmische Empfehlungs-Recommendation-Variante.

41:59 Dennis Horn

Die funktioniert bei mir aber nicht. Popular with Friends. Ist bei mir leer.

42:02 Gavin Karlmeier

Hast du schon ausprobiert. Hast keine Freunde einfach.

42:05 Dennis Horn

Auch richtig, ja. Bruce Gar weiß das über mich.

42:08 Gavin Karlmeier

Und dann hast du eine Suchfunktion für Feeds. Interessant, weil ja Twitter gerade auch an der Suchfunktion für Listen werkelt und das so ein bisschen zeitlich einhergeht. Und da sind jetzt auch so Feeds drin wie Cats.

42:25 Dennis Horn

Hab ich klar gemacht.

42:26 Gavin Karlmeier

Natürlich ist Katz dabei. Music, ähm, aber auch so ähm So Feeds, die so diese Fuckaround-Seite von Blue Sky ansprechen. So also d das, ähm, der Hell-Threat-Feed.

42:44 Dennis Horn

Oh, da haben wir drüber gesprochen.

42:46 Gavin Karlmeier

What's all? Naja. Und das finden wir doch eine gute Idee, oder?

42:54 Dennis Horn

Ja, total. Also es war ja, wurde damals ja so gehandelt als der Erbstorfe Algorithmen. Ja. Und ich finde das eine mega Idee, weil das so ein bisschen mehr wenn man das möchte, da haben wir nämlich, ich weiß noch, wie wir darüber gesprochen haben, weil du gesagt hast, das darf nicht zu versteckt sein, das Feature. Weil ich daran toll finde, dass das so die Mündigkeit des Nutzers und der Nutzerinnen erhöht oder die Möglichkeit, einen bewussteren Konsum der Plattform zu erleben. Weil wenn ich über einen kleinen Button umstellen kann, welcher Algorithmus da funktioniert, dann werde ich mir plötzlich auch sehr gewahr darüber, dass mir die Inhalte gerade algorithmisch sortiert werden und auf welcher Grundlage. Und das finde ich erstmal eine ganz, ganz richtige und wichtige Entwicklung. um allen Menschen nahezulegen, aus welchem Grund ihnen eigentlich welche Inhalte angezeigt werden. Dass es eigentlich immer, also in den klassischen sozialen Netzwerken, in den Altnetzwerken, vor allem immer die Inhalte sind, die am stärksten emotionalisieren, in welcher Form auch immer, jemand gut findet oder die man doof findet, was egal ist, taucht er nicht auf. Und das lernt man hier über so eine Möglichkeit relativ schnell. Ob das aber jetzt etwas ist, das ich in meinem täglichen Doing wirklich benötige, kann ich noch gar nicht so richtig einschätzen, weil ich es noch nicht so gut kenne.

44:11 Gavin Karlmeier

Nee, und es kommt jetzt auch sehr darauf an, auch was die Leute daraus machen. Aber diesen Ansatz finde ich hochinteressant, weil wir ja auch in ganz anderen Zusammenhängen über die Transparenz von Algorithmen diskutieren, über die Frage, wie man das ersetzen kann und so weiter und so eine Freiheit in der Form bei der Nutzung Von Timeline-Algorithmen ist mir bisher einfach nicht untergekommen. Das finde ich, wahrscheinlich schreibt jetzt wieder jemand beim so einem Mastodon-Client geht es aber. also so in in der Breite mit einem Gedanken an die Massenkompatibilität Ich finde es hochinteressant.

44:54 Dennis Horn

Ist es auf jeden Fall. Zum Glauben an die Massenkompatibilität bei Blueska habe ich übrigens noch Gedanken. Vielleicht kann ich noch einen kurz anschauen.

45:03 Gavin Karlmeier

Ich glaube übrigens nicht, das finde ich hier jetzt speziell bei diesem Fall auch nochmal wichtig. Ich weiß gar nicht, ob das so viele nutzen und nutzen würden. Ja, glaube ich auch. Deswegen muss man auch, glaube ich, so ein Trade-off machen bei der Frage, wie sehr stelle ich das überhaupt ins Zentrum, um Leute nicht zu verwirren. Und so. Aber allein, dass das da ist, ist eine gute Sache. So, und jetzt du mit deinem Gedanken.

45:29 Dennis Horn

Ja, ich frage mich so ein bisschen, was Blue Sky gerade will, weil ich kriege, am Wochenende ist mir sehr viel Jack Dorsey untergekommen. Ich weiß nicht, ob es dir auch so ging. Also er hat viel getwittert. Hat sich mit Elon Musk ein bisschen angelegt, die haben sich ein bisschen gekabbelt. Dann hat er auf Nosta heißt es.

45:49 Gavin Karlmeier

Da ist er wohl noch mehr unterwegs als auf Blue Sky.

45:51 Dennis Horn

Ja genau, das ist eine andere dezentrale Plattform. Da fängt er an, sich für und gegen Präsidentschaftskandidaten auszusprechen, übrigens auch. vermutlich aus europäischer Perspektive ein bisschen kompliziert, schwierig, weil er sich hier für einen Impfgegner als demokratischen Kandidaten stark macht und so. Also tatsächlich Ich bin mir da nicht so sicher, wo so gerade welche Herzen gerade in Jack Dorseys Brust schlagen. Das ist auch sehr schwierig einzuschätzen, so auf die Ferne, aber es ist eine Beobachtung, die ich jetzt zumindest mal platziert haben wollte.

46:22 Gavin Karlmeier

Ja. Ja. Aber du erweiterst das auf Blue Sky, weil du gerade sagtest, du weißt nicht, wo die hinwollen.

46:30 Dennis Horn

Ja, weil er doch, also ich würde so nach meinem Gefühl sagen, als der Als die Galionsfigur vorne auf dem Schiff müsste er doch eigentlich vorneweg fahren und nicht vor allem eigentlich woanders stattfinden gerade. Also was ich sagen möchte, wenn er als als Gründer einer Plattform steile Thesen veröffentlicht, die irgendwo in den Medien dann aufgegriffen werden, dann sollte dadurch nicht gesagt werden, wie er auf der Plattform NoStar geschrieben hat.

46:58 Gavin Karlmeier

Ja, ich verstehe. Andererseits, wenn du da sagst, die verstehen sich gar nicht so als Unternehmen, weil ihnen das Protokoll so wichtig ist. Und gerade weil du dich aus der Erfahrung von Twitter heraus nicht so So von dieser Person abhängig machen möchtest, von dieser Galionsfigur, vielleicht ist das auch seine eigene Erfahrung, ne? So, dass er sich da in Anführungszeichen zurücknimmt, was das angeht, kann ich mir auch vorstellen, weil also Blue Sky wirkt auf mich schon so, als wollten sie um jeden Preis dieses Protokoll in einem sehr geschützten Raum entwickeln. um bis zu dem Punkt, an dem sie sagen, so und jetzt können wir es auf die Öffentlichkeit loslassen, weil das war unsere Vorstellung von Perfektion in diesem Protokoll. Ja, das einfach durchdrücken zu können. Jetzt kann man natürlich darüber diskutieren, ob seine Tweets dem sehr geschützten Entwickeln so entgegenkommen. Aber ich meine, das hat vielleicht auch mit dem sehr US-eigenen Verständnis von Redefreiheit zu tun, dass er es dann trotzdem bei Nosta macht oder so.

48:09 Dennis Horn

Ja, möglich. Wollte ich zumindest mal platziert wissen, weil ich glaube, das wird uns nochmal unterkommen. Und ich brauche etwas, auf das ich mich dann referenziell beziehen kann.

48:18 Gavin Karlmeier

Ja, um dann sagen zu können, das war in Episode 132.

48:22 Dennis Horn

Wie wir das immer so machen.

48:26 Gavin Karlmeier

Also damit entlassen wir euch jetzt in die neue Woche. Und wir hören uns morgen wieder. Jawohl, bis morgen.