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Folge 385 · 5. Februar 2025 · 45 Min.

Es ist alles nicht so düster, wir dürfen’s nur nicht kaputtmachen.

mit Bob Blume

Wir schauen ausnahmsweise mal für eine Episode nicht unmittelbar auf die aktuellen Nachrichtenlage, sondern wagen uns den großen Blick drauf, wie wir eigentlich mit jungen Menschen umgehen – und wie wir es sollten.

➡️ Simon Sineks TED-Talk über den Golden Circle: https://www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action

Transkript

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00:01 Intro

Haken dran, das Social Media Update der CT.

00:06 Gavin Karlmeier

Hallo Bob. Hi Gabin. Bei mir ist heute Bob Blume, der Netzlehrer. Jemand, der sich damit auskennt, wie wir eigentlich mit den jüngsten Teilen in unserer Gesellschaft umgehen. Und warum du heute da bist, hat so eine kleine, kurze organisatorische Notiz, hat folgenden Hintergrund. Wir haben im Moment sehr eine sehr düstere dystopische Nachrichtenlage, gleichzeitig habe ich das Gefühl, wenn wir uns da jedes Mal nur so durchhangeln, dann macht uns das. Wahnsinnig wütend und dystopisch in unserer Stimmung. Und deswegen habe ich mal gedacht, heute schauen wir mal nicht nur auf die News, nicht nur auf die Schlagzeilen, sondern gehen mal ein bisschen auf die Meta-Ebene. Und ich fange aber trotzdem ein bisschen vielleicht düster an, nämlich die Frage, du bist selber Vater, ich bin auch Vater. Wie erklärt man seinen Kindern, was da gerade in der Welt los ist?

00:52 Bob Blume

behutsam, würde ich sagen. Also ich glaube, dass es wichtig ist, ja für einen selbst auch immer die Waage zu behalten zwischen der Aufnahme von diesen ganzen Shit-Informationen und Einfach auch mal dem zurücklehnen. Meine Tochter kriegt natürlich schon ein bisschen was mit und ich versuche das dann auf eine Art einzuordnen, die sie in ihrem Alter irgendwie verstehen kann. Also acht. Aber ich glaube, ehrlich gesagt auch, dass man da nicht den Anspruch haben muss, irgendwie das komplette Weltgeschehen irgendwie jedes Mal einzuordnen. Aber sozusagen, was machen Politiker eigentlich? Gibt es vielleicht auch Parteien, die problematische Ansätze haben, sag ich jetzt mal so. Ich glaube, das ist schon wichtig und natürlich kriegen die teilweise Das auch schon mit, die Kinder. In der dritten Klasse jetzt vielleicht noch nicht so, aber im abweiterführender Schule sind die ganzen Themen, die so gesellschaftlich verhandelt werden, natürlich schon auf dem Auf dem Teller.

01:58 Gavin Karlmeier

Klar. Also ich habe von einem Bekannten gehört, ähm, der auch im Unterricht jetzt Ausschnitte der Reden aus der Debatte um die März-Diskussion, die du sicherlich auch mitbekommen hast letzte Woche, die einfach der Redenausschnitte im Unterricht zeigt und die dann sozusagen diskutieren lässt, um sozusagen diesen politischen Diskurs sozusagen aufzunehmen. Auch direkt mal fühlen zu lassen und mit abzubilden.

02:24 Bob Blume

Ja, ich mache das in meiner zehnten Klasse tatsächlich auch immer themenunabhängig. Also themenunabhängig heißt, wir hatten jetzt das Thema oder den Gegenstand Parabeln. Da kommen wir dann so zu Kafka, und der ein oder andere wird sich vielleicht daran erinnern, dass das jetzt nicht das ist, wo man am meisten Freude bei hat. Aber ich nutze meistens so die ersten zehn Minuten, Viertelstunde für Fragen oder Kommentare, einfach Einordnungen, damit das nicht so. Ja, völlig im luftleeren Raum ist, gerade wenn wir so eine historische Woche haben. .

02:58 Gavin Karlmeier

Ja, ich finde das nämlich wahnsinnig spannend, weil du gleichzeitig so realpolitische Folgen irgendwie ja erklären musst. Also wenn ich mir überlege Und du bist ja viel näher dran an Schulklassen als ich, der ja nur immer mal wieder in neunte Klassen geht und so Medienkompetenztrainings mit denen macht. Aber auch ich krieg das schon mit, dass das quasi für 15-Jährige kaum kommunizierbar ist, dass jetzt diskutiert wird, sollte TikTok verboten werden zum Beispiel, weil die eben nicht den ganzen Overhead. erfassen wollen, möglicherweise auch, sich damit gar nicht beschäftigen wollen. Also wenn ich daran denke, wie ich mit 15 war, ja gut, da habe ich jetzt auch nicht die ganze Nachrichten gelesen. Aber die kriegen natürlich die Folgen mit. Die kriegen die Folgen mit, dass darüber diskutiert wird, ob TikTok ein schlechter Einfluss für sie ist. Sie haben mitbekommen im Rahmen der Europawahl im Mai. Ähm, okay, da wird jetzt die ganze Zeit über die AfD gesprochen und darüber, wie die AfD auf TikTok sich quasi breitmacht. Maximilian Kra, die haben im Zweifel sogar alle schon mal diese Videos gesehen, verstehen aber nicht zwangsläufig, warum die Folge daraus sein könnte, dass es eine Einschränkung von sozialen Medien ist. den für junge Menschen geben sollte.

04:02 Bob Blume

Genau, und gleichzeitig hören viele von denen Einschätzungen wie zum Beispiel von Hoss und Topf. Und das ist sozusagen genau das Problem, wenn ich mir die beiden anhöre. In ihrer Reaktion auf das, was sie als Angriffe bezeichnen. Dann, jetzt muss ich ein bisschen aufpassen, ich finde das schon nachvollziehbar. Also ich finde, in deren Perspektive nachvollziehbar, dass sie denken, hä, wieso, wir sind doch überhaupt gar nicht rechts oder rechtsoffen. Das Problem ist auch nicht, dass ich sagen würde, Hoss und Topf sind irgendwie, ich sage jetzt mal, rechtsradikal. sondern dass dieser Gedankengang vom Libertären, also von der Ablehnung des Staates, von der Ablehnung staatlicher Sozialleistungen, Und dem sozusagen konsequenten Gedanken, jeder ist eigentlich seines eigenen Glück geschmieds. Guck mal, ich habe hier auch mit Bitcoin Milliarden gemacht, das kann jeder. Der Weg hin zu Demokratiefeinden einfach nicht mehr so weit ist. Und dadurch, dass sie das so cool, gleichzeitig aber auch vage und mit Geraune, präsentieren, ist das für junge Leute halt super attraktiv. Die haben das Gefühl, was manche, vielleicht kann man da diesen kleinen Dreh machen, habe ich mal gehört, was manche Amerikaner Mit Jordan Peterson verbindet. Da hat jemand gesagt, Jordan Peterson klingt für Unwissende so, wie sie sich einen Intellektuellen vorstellen. Und das ist, das finde ich halt gefährlich und deshalb ist das wichtig, dass man das auch kontextualisiert, ohne jetzt irgendwie die zu überwältigen und zu sagen, was hört denn ihr da für eine Scheiße? Weil man ja auch sagen muss Man verlangt immer nach Partizipation und politischer Einbindung und dann sagt man ja, aber sorry, das ist der falsche Podcast. So, du musst dir den richtigen anhören. Das geht natürlich auch nicht.

06:04 Gavin Karlmeier

Ja, da war jetzt ganz viel drin, wo ich eigentlich am liebsten direkt dranhängen würde. Also ich bleibe mal ganz kurz bei diesem libertären Weltbild. Weil die Frage, was wollen eigentlich Libertäre? Also ich glaube, die Das libertäre Mindset, das ist nicht neu. Diese so wenig, eigentlich kein Staat, absolute Freiheit, der Markt bestimmt alles. Ich habe neulich dazu auch im Nachsitzen, wer das möchte, eine ähnliche Diskussion dazu geführt, da ging es nämlich auch darum Regelt der Markt denn alles? Können wir alles dem Markt überlassen? Das ist ja alles Teil der libertären Weltanschauung. Das ist eigentlich genau das Gegenextrem zum Anarchismus, auf dem linken Spektrum. Und ich glaube, dass zum Beispiel so Personen wie Elon Musk, der zwar auch durchaus ideologische Motive hat, sich zu radikalisieren, dass seine Motivation so. . demokratie zersetzende Kräfte überall auf der Welt zu fördern, wie die AfD, wie in Italien, wie in England, wie in den USA im Ende auch, dass das nicht zwangsläufig aus einem klassisch rechten Beweggrund entsteht, sondern eben vielmehr aus so einem anarchokapitalistischen Beweggrund, also dem libertären Blickwinkel, diesem Wir wollen alle, alle dürfen alles, es gibt einfach keine Gesetze, keine Regeln und so wenig Staat wie möglich. Und das verspricht ihnen natürlich am Ende eher so eine Partei wie die AfD, als dass es jetzt die was weiß ich wer versprechen würde.

07:34 Bob Blume

Genau, beziehungsweise ich würde wahrscheinlich davor noch setzen, also ich glaube, dass Elon Musk und die gesamte US-Oligarchie, wenn man sie so nennen möchte, einfach einen sehr pragmatischen Blick haben. Also will sagen Wenn sich die Demokraten und die liberalen Kräfte Amerikas so sie dennoch existieren genauso einfach verblenden lassen würden, wie das eine trumpistische republikanische Partei und ihre Anhänger sind, dann würden sie die nehmen. Also ich glaube, sozusagen Ideologie kommt immer als Lametta und zurückblickende Rechtfertigung für irgendwas, was im Grunde genommen total pragmatisch ist. Also, man sagt, okay, jetzt mache ich dieses neue Ministerium, jetzt habe ich direkt einen Zugriff. Auf die gesamten Finanzen kann da drauf gucken. Wenn ein Beamter jetzt sagt, so das lasse ich aber nicht zu, dann wird er einfach entlassen, so wie viele tausende andere auch. Und danach überlege ich mir, warum das Handeln richtig war. Und deshalb kommen ja jetzt immer auch diese absurden politischen Nachrichten, die ja tatsächlich in ihrem Absurdheitsgrad nochmal um ein Vielfaches krasser sind als in der ersten Trump-Zeit. Also jetzt ist dann plötzlich für einen Flugzeugabsturz sind die Diversitäts Klauseln schuld oder so und so weiter. Das muss man eigentlich gar nicht wiederholen. Was ich aber interessant finde, wenn ich das kurz sagen darf, dass dieses Denken kein, also aus meiner Sicht kein Denken ist, was irgendwie zwangsläufig von oben nach unten. ähm, wie soll ich sagen, vorgeschrieben wird. Ich war mit 16 in Amerika, 1999-2000 in einer Gastfamilie in Ohio, so einem ganz kleinen Dorf in der Nähe von Ohio auf der Grenze zu Kentucky. Und die haben mich irgendwann mal besucht, so ich würde sagen, zehn Jahre später im Nordschwarzwald. Und da war unter anderem auch der Junge, der damals vier war, war mittlerweile Fahrer eines einer Ambulanz, so jetzt fange ich quasi so halb an, amerikanisch zu denken, also ihr wisst schon Krankenwagenfahrer, und hat mir so ein bisschen darüber erzählt, wie so sein Tag aussieht. Und ähm Amerika hat ja so dieses, ja man kann fast sagen, so eine zweite oder ich weiß nicht wie viel, Opiumkrise, jedenfalls ganz viele Drogenabhängige und so weiter. Und ich weiß überhaupt nicht, wie wir auf das Gespräch gekommen sind, aber. Er sagte mir dann irgendwann, wenn so jemand kurz vorm Sterben ist und der Krankenwagen wird gerufen Klammer auf, der dann in Amerika ja normalerweise auch 2000 Euro kostet, wenn man sich bezahlen muss. Also rufst du dreimal einen Krankenwagen, kannst du eigentlich einpacken. Beim ersten Mal fährt er noch hin, hat er gesagt. Beim zweiten Mal Denkt er schon, boah, ich weiß nicht, ob ich da so Lust zu habe. Und beim dritten Mal sagt er, wird er eigentlich nicht mehr losfahren, weil wenn jemand es nicht schafft, dann hat er es auch nicht anders verdient. Und das ist sozusagen etwas, was auf der einen Seite diametral so einem humanistischen Gedanken entgegengeht, aus meiner Sicht aber komplett konsequent libertär ist, in der Ansicht zu sagen, du. Also es ist sozusagen die Umkehrung des amerikanischen Traums. Jeder kann alles erreichen, aber wenn er es nicht erreicht, ist es gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass er es auch nicht anders verdient hat. Und das ist, glaube ich, in der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft zumindest dem, was jetzt natürlich so im rechten Spektrum zu finden ist, total Konsensfähig. Das ist einfach, das ist, das zieht sich komplett durch und ist aus meiner Sicht auch einer der Gründe, warum wir so mit dem Kopf schütteln und sagen, wie kann man denn Gesundheitsvorsorge für alle sozialistisch nennen? Aber das rührt aus diesem Gedankengang einfach auch.

11:38 Gavin Karlmeier

Den Hebel hatte ich in meinem Kopf gerade auch. Die spannende Frage ist aber. gibt es in Deutschland Menschen, die eigentlich genau dasselbe sich dasselbe wünschen, die sagen, wir brauchen eigentlich eher absolute Freiheit, anstatt dass wir. . beispielsweise mehr Staat brauchen oder ein Sozialsystem, das funktioniert. Oder sind die Beweggründe, Parteien wie die AfD zu wählen, eigentlich ganz andere. Wir sind keine Politikwissenschaftler, also ich bin kein Politikwissenschaftler. Also deswegen, ich kann da nur mutmaßen. Aber ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass dieser amerikanische Traum, der glaube ich trotzdem das Verkaufsargument für solche politischen Theorien und politischen Meinungen ist, dass der in Deutschland gar nicht so sehr das treine Motiv ist, sondern dass hier vielmehr über Angst, über Wut verkauft wird und vielmehr nach dem Wunsch eigentlich am Ende nach Mehrstaat. Es gibt ja auch entsprechende Studien, die sagen, es gibt irgendwie, weiß nicht, jeder Fünfte in Deutschland wünscht sich einen starken politischen Führer zum Beispiel. Das ist schon, ich glaube, das ist zwar in seiner Konsequenz eine ähnliche Folge, in seiner Ursache aber eigentlich wahnsinnig unterschiedlich.

12:44 Bob Blume

Ja, ich gebe dir recht, aber ich glaube, dass die Gründe dafür auch wieder nicht zwangsläufig ideologisch, sondern demografisch sind. Denn also und auch was mit der deutschen Perspektive auf Geld zu tun haben. Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt sehr aus dem Fenster lehne. Wir hatten zu Corona-Zeiten, in denen ja auch viele junge Menschen so sich das erste Mal mit den Finanzmärkten beschäftigt haben. hatten. Ja, eine extrem starke, eine extrem starke Zulauf von solchen Finanzpodcasts und Finanz-Youtubern und so weiter. Also da gibt es zum Beispiel YouTuber, die haben angefangen damit halbstündige Erklärungen zu Aktien zu machen, also so Aktienanalysen. Und Wie das immer so ist bei solchen großen YouTubern, die binden sozusagen eine große Zuschauerschaft an sich Und es gibt nicht wenige, die dann gekippt sind, die gemerkt haben, meine Aktienanalysen, die funktionieren halt nicht mehr, aber sobald ich sage, okay Das Problem, dass mein Portfolio gerade flöten geht, ist die staatliche Intervention. Und dann, man konnte man den beim Radikalisierungsprozess zugucken, bis dann hinterher zu der aktiven Unterstützung.

14:01 Gavin Karlmeier

Der AfD.

14:02 Bob Blume

Und ich glaube, die haben da viele mitgenommen. Was ich eigentlich sagen will, ist, ich glaube schon, dass es so eine libertäre Bubble gibt von Leuten, die sagen: naja, die AfD zu wählen, ist halt pragmatisch. Aber die ist in Deutschland klein, aus zwei Gründen. Aus dem einen Grund, dass, wie gesagt, die Deutschen generell eher so nach diesem Telekom-Schock trotzdem noch nicht Massenhaft, also viel mehr, aber nicht massenhaft in den Aktienmarkt gerannt sind. Und zweitens, weil es eher junge Leute sind, und da sind wir jetzt sozusagen wieder bei meinem eigentlichen Thema. Junge Leute sind eine Minderheit. Es gibt ja nicht umsonst gerade zwei große Bücher, einmal Kinder, Minderheit ohne Schutz von Aladin Elmar Falani und anderen. Und auch ein Buch von Nathalie Klüver, Deutschland ein kinderfeindliches Land mit Fragezeichen, die nachzeichnen, dass das große Problem ist Dass Politik eigentlich vor allen Dingen von der Bevölkerungsgruppe gemacht wird, ich sage jetzt mal 50 plus oder 60 plus. Also, das war jetzt ein großer Bogen. Ich will nur sagen, diese Bubble besteht, aber sie ist auch aus diesen Gründen einfach noch nicht groß genug, als dass ich Und das ist jetzt natürlich ins Blaue gesagt, dass ich glaube, dass sie einen Einfluss darauf hätte, inwiefern solche Parteien gewählt werden, sondern ja, da würde ich dir zustimmen, es sind dann eher. . so diffuse Ängste, die ja auch damit zu tun haben, dass die AfD unglaublich erfolgreich darin war, den Diskurs so zu verengen, dass eigentlich alle nur noch über Ja, über Migrationspolitik reden. Ja, und ich mich so frage, gibt es eigentlich noch irgendein anderes Thema? Also hat die CDU zum Beispiel eine Idee ihrer Wirtschaftspolitik? Könnte irgendjemand irgendjemand aus einer ganz normalen Zuhörerschaft sagen, was sind eigentlich die bildungspolitischen Ideen der Parteien. Und ich glaube, die Leute würden sagen, was Bildung habe ich ehrlich gesagt in dem, was wir so Wahlkampf nennen, noch nicht einmal gehört. Und das ist das Bittere daran.

16:07 Gavin Karlmeier

Das ist 100% so. Das Interessante ist, dass zum Beispiel so ein Thema wie Klima, das bei der letzten Bundestagswahl noch das Top-Thema war, für vor allem junge Menschen zur Wahl zu gehen, neben Digitalisierung übrigens. dass das inzwischen völlig verdrängt wurde, dass in den Laut Deutschland trend, in den drei Top-Themen für Menschen zur Wahl zu gehen und vor allem für junge Menschen zur Wahl zu gehen, der Begriff Klima gar nicht mehr auftaucht. Du hast Angst vor Armut, du hast Angst in der Migrationsdebatte, du hast Angst vor allem Rechtsruck. Das sind die drei großen Themen. Natürlich erstmal gut klingt, wenn es junge Menschen gibt, die Sorge vor allem Rechtsdruck haben. Bedeutet aber auch, dass solche großen übergeordneten Themen, die vor vielen Jahren für junge Menschen noch sozusagen wahlentscheidend waren, jetzt völlig verschoben wurden durch die Diskursverschiebungen, die drumherum passiert. Was aber in der Konsequenz auch bedeutet, dass wir von einer Makro auf eine Mikroebene gehen. Also wir haben nicht mehr die Angst junger Menschen, die sagen, die Alten treffen Entscheidungen, die sie nicht mehr betreffen und wir sind vergessen. was die ganze ganze Politisierung der letzten Jahre irgendwie ja auch angetrieben hat, die letzte Generation Fridays for Future und so weiter. Sondern du hast jetzt eher die Diskussion darum, wie andere Leute gerade über Wahlen diskutieren. Siehe das Thema Rechtsdruck. Ja, bitte.

17:22 Bob Blume

Nee, nee, genau. Und ich glaube, dass Die demokratischen Parteien da leider Gottes eine große Verantwortung auch mit haben. Zum einen, weil Komischerweise, CDU, CSU, FDP und SPD zum Beispiel, ja sehr gut wissen, warum sie nicht über Klimapolitik reden. Weil wenn sie über Klimapolitik reden würden, dann würden die Grünen profitieren, weil wir wissen ja, es profitiert immer das Original. Deshalb muss die SPD ja auch immer so rumeiern, wenn es um Klimapolitik geht. Die können das nicht sozusagen als große Flagge schwingen, weil sie sonst befürchten müssen, dass die Stimmen an die Grünen gehen. Tragischerweise vergisst die CDU unter März und eben die FDP, dass dann genau in so einem In so einer Migrationsdebatte völlig. Und sagt, okay, wir übernehmen jetzt einfach mal diese Standpunkte und ach, komisch, wir verlieren einen Punkt und die AfD gewinnt drei dazu. Wie kann das nur sein? Und das zweite ist Ich weiß nicht, ob ich das an dieser Stelle schon mal gesagt habe. Ich glaube, was die demokratischen Parteien, also zumindest online, auch in Bezug auf Kinder und Jugendliche, komplett falsch gemacht haben. ist immer nur über eine Meta-Ebene zu sprechen. Also es geht immer darum, wir müssen die Demokratie schützen. Und jetzt bitte mich nicht falsch verstehen, wir müssen die Demokratie schützen. Aber die Demokratie ist ein Machtverteilungsinstrument, das Beste, das wir kennen. Aber irgendein Schüler mit 15. Der gerade für sein Motorrad spart, der möchte lieber über Motorräder was hören. Also es hört sich jetzt komisch an und natürlich kann sich die Partei nicht hinstellen und irgendwie sagen: so übrigens, das sind die neuesten Motorräder oder so, aber Wir haben so einen Metadiskurs auf der einen Seite, hey, du musst die Demokratie schützen und die AfD, die sagt, ey, geh trainieren, dann kriegst du eine Freundin. Also was davon ist attraktiver? Natürlich.

19:22 Gavin Karlmeier

Und du hast es ja bei der letzten Bundestagswahl auch gesehen, die beiden Parteien, die am meisten junge Menschen davon überzeugen konnten, sie zu wählen, waren die Grünen und die Fdp zweitausend einundzwanzig. Die Fdp hat dunundzwanzig Prozent der Stimmen der ErstwählerInnen bekommen, weil sie Ein Thema wie Digitalisierung auf die Karte gesetzt haben, in dem Jahr, in dem zum Beispiel in NRW eine Abi-Klausur schiefgegangen ist, weil die Server nicht funktioniert haben, als die Klausuren verteilt wurden. Also ein ganz konkretes Problem und eine konkrete Lösung, zumindest eine vermeintlich konkrete. Lösung. Das ist sicherlich nicht monokausal, das ist nicht der einzige Grund, warum junge Menschen die FDP gewählt haben. Da gibt es sicherlich auch so Beispiele, wie du gerade genannt hast, die Begeisterung für die den deutschen American Dream zum Beispiel und hey, wir können alles schaffen, Neoliberalismus und ich will Tesla fahren mit 18 und Probleme sind nur ordnige Chancen, dieses ganze Themenfeld. Aber Ich glaube, da ist was dran, dass du halt viel weniger abstrakt reden musst, wenn du jungen Menschen irgendwie ein Angebot machen möchtest. Weil von abstrakten Dingen können sie sich halt nichts kaufen.

20:23 Bob Blume

Ja, und ich würde noch hinzufügen, nicht nur junge Menschen. Also ich weiß nicht, ob ich habe letztens So Ausschnitte von irgendwie Harald Schmidt Interviews gesehen und für diejenigen, wo sich jetzt die Fingernägel nach oben ziehen, ich gebe mir sowas manchmal einfach. Ich möchte das wissen. Also so weit, dass ich Peter Hahn lese, ist es dann nicht, aber ich möchte einfach ab und zu mal wissen Was gibt es noch für so Auffassungen? Aber da hat er was gesagt, das ich ehrlich gesagt tatsächlich, also polemisch natürlich, aber richtig fand, so nach dem Motto, okay, ein Wahlprogramm darf eigentlich nicht mehr als vier Wörter haben, so nach dem Motto. Ungefähr. So ist er jetzt auch nicht besonders überraschend, ist eigentlich trivial, aber ich frage mich dann manchmal so, SPD, was ist eure Idee? Oder wo seht ihr eigentlich eure Zielgruppe? Also sind es eigentlich nur noch idealistische Oberstudienräte, die schon immer SPD gewählt haben? So, was ist denn eure Idee? Verstehst du? Das heißt, das Konkrete auf der einen Seite, stimmt, würde ich dir zustimmen. Aber wenn du mich jetzt für jede Partei fragen möchtest, sag mal den Slogan. So, dann wird mir das für die Grünen einfallen. Sowas wie, weiterhin auf der Erde leben wäre ganz okay. Ja, ähm, AfD-Stunde übrigens. AfD, die Ausländer sind schuld, Deutschland den Deutschen. Und dann wird es bei mir dünn.

21:59 Gavin Karlmeier

Echt? Und das Interessante ist, wir haben in der letzten Folge über zwei Dinge gesprochen mit Lorenz. Zum einen diese Studie, die Funk durchgeführt hat, gemeinsam, also es gibt den Hohenheimer Verständlichkeitsindex der Wahlprogramme Da gibt es ein Punktesystem, das Wahlprogramme nach ihrer Verständlichkeit sortiert. So, die wenigsten Punkte hat wenig überrascht die AfD, weil die möglicherweise auch, ist eine Hypothese, aber die möglicherweise auch ein Anliegen. hat, dass ihre Wählerinnen und Wähler gar nicht wissen, wofür die Partei steht, weil eben da eine große Diskrepanz besteht zwischen Wählerwunsch und Parteizielen. Die Partei mit der höchsten Verständlichkeit ist CDU CSU, eine Partei, die sich selber immer noch Volkspartei nennt und wahrscheinlich auch immer noch die Volkspartei ist und wahrscheinlich auch die meisten Stimmen bei der nächsten Wahl bekommen wird. Ich weiß nicht, ob da ein zwangsläufiger Zusammenhang besteht, aber ich stimme dir völlig zu. Und das andere, was wir im letzten Podcast angesprochen haben, war, dass ich so eine Wutrede darüber gesprochen habe, du kannst einen Staat nicht führen wie ein Unternehmen. So, ich glaube, das ist so. Das heißt aber nicht, dass du im Wahlkampf nicht auch durchaus Mechanismen nutzen kannst, die im Marketing funktionieren, weil am Ende ist das Werbung für deine Partei. Und eine gute Werbung funktioniert immer dann, wenn du ein klares Versprechen gibst. Es gibt diese, bei Threads gibt es ja immer wieder so Lösungen. Inhalte, die so hunderttausendmal kopiert werden von allen Leuten das gleiche und so. Da gibt es eben diese diesen einen Post, der die ganze Zeit auf meiner Timeline steht und er nervt mich wahnsinnig, aber er stimmt natürlich. Wenn du sagst. Kauf den iPod, da sind 4 Gigabyte Speicherplatz, dann ist das absurd. Aber wenn da steht, kauf den iPod, du kannst 20. 000 Songs in deiner Hosentasche haben, das ist verständlich plötzlich.

23:34 Bob Blume

Das ist ja übernommen, genau, das Original ist ja von Simon Sineks. Zweitmeistgeschauten TED-Talk aller Zeiten. Simon Sinek als Unternehmensberater tätig und als Speaker, der damals eben diesen TED-Talk gemacht hat, ist total interessant. Also wie gesagt, Millionen Aufrufe, ich weiß nicht, ob über 100 Millionen oder so. Und der steht einfach nur vor so einem vor so einer alten, klapprigen. vor so einem alten klapprigen Whiteboard und erklärt eben seinen sogenannten Golden Circle, in dem er eben behauptet, dass Menschen nicht das Wasch kaufen. Unser Staubsauger ist viel besser als der andere, sondern das Warum. Und da argumentiert er eben genau so, dass er sagt, Naja, Apple hat das geschafft, dieses Warum zu verkaufen, den Lifestyle. Und letzten Endes würde ich auch sagen, dass zumindest die Absatzzahlen das zeigen. Ich meine, wieso sollte jemand jedes Jahr oder jedes zweite Jahr dasselbe viereckige Mobiltelefon? Telefon kaufen, was wirklich keine großen Änderungen mehr hat. Und genau das ist der Punkt. Und dieses Warum vermisse ich eben eigentlich auf allen Ebenen.

24:49 Gavin Karlmeier

Wir packen den Tech Talk mal in die Shownotes, falls ihr euch da jetzt in der Woche noch ein bisschen rein rabbit holen wollt. Ich finde, dass all diese Punkte wahnsinnig interessant werden, wenn wir jetzt mal nochmal auf junge Menschen zu sprechen kommen. Weil die spannende Frage ist ja, was können wir im Konkreten tun? Weil natürlich können wir hier sitzen, einen Podcast aufnehmen, den irgendwie ein paar tausend Leute hören und alle werden davor sitzen und uns entweder zustimmen oder Wutschenkend in ihrem Auto sitzen und sagen, das ist nicht ganz anders. Das ist alles legitim, das ist aber so wenig pragmatisch. Also die spannende Frage ist, gibt es deiner Meinung nach vielleicht irgendeinen Hebel, den wir nutzen können? um zum Beispiel selber aktiv zu werden, Dinge zu vereinfachen, Dinge besser zu erklären. Ich bin da so ein bisschen. . Weißt du, was ich meine? Ich fühle mich manchmal so machtlos in dieser Thematik.

25:44 Bob Blume

Ich glaube Vielleicht zwei Punkte. Ich bin, also jetzt sozusagen in dieser Woche, bin ich ehrlich gesagt auch frustrierter als sonst. Ich bin ja eigentlich Berufsidealist in dem, was ich so tue. Und ich sage auch immer, dass die Ansätze, die ich als Ideen fürs Bildungssystem haben ja ausschließlich aus meiner Wahrnehmung von jungen Leuten gekommen sind. So wenn ich halt sehe, so die wollen was reißen. Allerdings erkenne ich da teilweise auch so eine Tendenz zumindest zur zunehmenden Indifferenz und jetzt gar nicht gegenüber Nachrichten, sondern das ist halt die. das ist in gewisser Weise das Paradox, Schule, wie sie jetzt gerade funktioniert, so viele Nachteile wie sie für junge Leute hat. Für viele Ist halt eine Schiene. Und du weißt, dass es eine Schiene ist. Eine Schiene heißt so, du setzt dich in den Zug und dann fährt er. Dann fährt er einfach 12, 13 Jahre oder 10 Jahre. Und wenn du nicht partizipieren kannst, ist das immer scheiße, aber wenn du dich daran gewöhnst und du sozusagen Pavlov Magic, okay, es klingelt, du stehst auf, du gehst in ein anderes Zimmer und das ist halt dein Leben, ähm. Dann glaube ich, kann das dazu führen, dass Leute einfach auch indifferent werden. So, okay, gib mir das nächste Arbeitsblatt. Das ist ein Riesenproblem. Aber da kann ja die Mehrheitsgesellschaft relativ wenig dran machen. Ich glaube, zwei Dinge sind wichtig. Erstens, und da erzähle ich ja, glaube ich, jetzt nichts Neues, wir müssen halt nicht mehr. halt selber den Arsch bewegen, das nützt nichts. Also wir müssen halt rausgehen, wir müssen halt demonstrieren. Jetzt vielleicht nur als kleine Ja, Anekdote. Die letzte große Bildungsdemo am 23. 11. 2023. Da sind 20. 000 Leute deutschlandweit auf die Straße gegangen. Ja, das ist nix. Das war kurz in der Tagesschau, aber das ist nix. Und ich meine, ich freue mich ja wahnsinnig darüber, dass die Demos jetzt zu. zur Unterstützung der Demokratie eine halbe Million Leute sind, aber da zeigt sich natürlich auch so ein bisschen die Priorität, weil, oder, oder vielleicht auch die, ich weiß nicht, Unkenntnis, wenn man so möchte. Denn Demokratie hängt ja in höchstem Maße von Demokraten ab. Wir erinnern uns alle an das, was über die Weimarer Republik gesagt wurde. Demokratie ohne Demokraten, aber die wachsen halt nicht auf Bäumen und und die sind halt Dort zu finden, wo sie gerade nachwachsen. Das ist der eine Punkt. Und der andere Punkt ist, und der lässt mich so ein bisschen ratlos zurück, jeder Einzelne ist ja. In gewisser Weise in einer Zeit der sozialen Medien Sender und Empfänger. So wissen wir auch alle. Aber sobald so ein Bildungsthema kommt, das zieht halt nicht so doll.

28:38 Gavin Karlmeier

Ja

28:39 Bob Blume

Und je spezifischer und damit wichtiger es wird, desto weniger zieht es. Also ich hatte jetzt letztens zum Beispiel die erste schwarze Schuldirektorin Deutschlands in meinem Podcast, die sozusagen auch über Antirassismus und so weiter spricht und so. Das sind immer die Folgen, die am wenigsten Widerhall erlangen. So und ich weiß, ich weiß auch nicht, ob das ein bisschen platt ist zu sagen, wir müssen Mehr Bildungsthemen retweeten, so nach dem Motto. Aber in gewisser Weise ist das schon so, dass Relevanz durch die Rezipienten entsteht. Also damit meine ich jetzt nicht meinen Podcast, sondern einfach, weißt du, wenn so eine Studie kommt, 25 Prozent der Kinder und Jugendliche können nicht richtig lesen und schreiben. Und am nächsten Tag interessiert das keinen mehr. Obwohl das im Grunde genommen bedeutet, das sind die zukünftigen Nicht-Steuerzahler, die dafür sorgen, dass unser Rentensystem immer mehr ins Wanken gelangt. Dann bin ich am liebsten auf dem Balkon. Stellen und schreien, habt ihr alle den Schuss nicht mehr gehört? Wir können doch jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Also, ja, ich weiß, trivial, aber wir müssen uns bewegen und die Wahrnehmung für eben solche Bildungsthemen, da bin ich ja auch dran und schreie sozusagen von meinem virtuellen Balkon, aber das muss einfach sich steigern.

30:02 Gavin Karlmeier

Ich glaube, das ist genau der Kern des Problems, ehrlicherweise, den du da ansprichst, weil ich nämlich genau Das so empfinde. Ich habe das Gefühl, wir sprechen nicht. Also wir sprechen zu wenig über junge Menschen und viel zu wenig mit jungen Menschen. Vor allem, wenn du dir diese ganzen, egal in welche Wahlkampfsendung du schaust. Bildung ist nicht das Thema. Es ist nicht mal Thema Nummer 5, sondern es kommt irgendwo hinten. Wenn du in den Valomaten schaust, vermutlich eine oder zwei von den 32 Fragen beschäftigt sich mit Bildung. Obwohl die Frage, wie. Wie schaffen wir es eigentlich, die jüngsten Menschen in unserer Gesellschaft darauf vorzubereiten, was da alles kommt? In einer Welt, die nicht nur in den letzten fünf, sondern wahrscheinlich in den letzten 25 Jahren immer und immer und immer komplexer geworden ist. In einer Welt, in der wir in denen die Nachrichten auf uns einprasseln und wir gar keine Möglichkeit mehr haben, a, den Kontext zu verstehen und b auch gar keine Methoden entwickelt haben, keine Mechanismen entwickelt haben, die emotional zu verarbeiten. Also ich hab das irgendwann mal in für einen Vortrag mal so für mich erschlossen. Es ist wahnsinnig schwierig. Also stell dir vor, ich zeig dir jetzt eine Serie, die mir gefällt. Und du musst dir Staffel 3, Folge 7 anschauen, dann sagst du, ich verstehe überhaupt nicht, worum es dir geht. So geht es ganz vielen Menschen, die die Tagesschau einschalten. Weil du einfach, du hast nur aufeinander aufgebaute Themen, du bist irgendwo mitten in der Thematik. Das ist wahnsinnig wahnsinnig unattraktiv, auch sich das selber zu erschließen. Vor allem in gleichzeitig einer Medienwelt, die auf schnelle Dopaminkeks ausgerichtet ist, die darauf trainiert, die darauf ausgelegt ist. dir Inhalte zu zeigen, die dir immer gefallen. Und dann soll ich mir 15 Minuten lang, es muss nicht Tagesschau natürlich sein, das will ich gar nicht sagen, aber News sind halt total unsexy. Gleichzeitig stellen wir aber auch in der Gesellschaft so eine wahnsinnig große News-Fatig. fest, Leute, in unserer Generation, also ich bin jetzt bald 36, wie alt du genau bist, habe ich leider nicht recherchiert, aber vermutlich gar nicht so viel so weit weg von mir. Wie alt bist du, Bob? Zweiundvierzig. Zweiundvierzig. Siehst du aber jünger aus als ich.

32:06 Speaker 4

Jünger als ich.

32:08 Gavin Karlmeier

Äh, also trotzdem, wir kennen das aus unserer Generation auch, dass es wahnsinnig viele Leute gibt, die gar keine Nachricht mehr konsumieren wollen, weil sie sagen, das sind es ist alles nur düster und bad news. So und die Tatsache, dass wir jetzt heute hier sitzen und sagen, lass mal nicht über die Nachrichten sprechen, ist ja am Ende derselbe Reflex. Sondern dass wir auf diese Meta-Ebene gehen. Genau, und wir schaffen es ja gleichzeitig trotzdem nicht. Richtig, ja.

32:32 Bob Blume

Aber du hast gerade was gesagt, was sozusagen in dieser Dreiteilung meiner grundtrivialen Empfehlungen auch wichtig ist. Aber ich kann mir jetzt ein Autoritätsargument dazu holen, dann ist es vielleicht nicht mehr ganz trivial. Und zwar, ich weiß nicht, ob der eine oder andere von dem Buch gehört hat, im Grunde gut, von Rudger Breckmann. Das ist eine Ein holländischer Historiker, der die Menschheitsgeschichte, ich sag jetzt mal, auf 180 Grad dreht und versucht Zu erläutern, dass der Mensch eigentlich eben nicht so schlecht ist, wie die mediale Berichterstattung uns es oft glauben macht. Und zwar jetzt nicht intentional, so die bösen Medien, sondern natürlich auch aus monetären Erwägungen, ja. Schlimme Nachrichten klicken halt besser, wissen wir alle. Und beides lässt sich ja durchaus beheben, wenn wir mehr lesen würden. Also, ich hatte, ich weiß nicht, ob dir das auch mal so ging, ich hatte mal eine Phase, da habe ich wenig gelesen und dann, was weiß ich, Kurzvideos geguckt und so, und ich weiß nicht, ob der eine oder andere das kennt. Man guckt so ein Video und denkt so: Boah, ist ja echt ein tolles Zitat. Wow, ich bin voll in. inspiriert und so. Und dann zum Buch gegriffen und dachte, was habe ich mir eigentlich gedacht? So, hier stehen halt, das ist, das ist unglaublich substanziell. Man versteht die Sachen auch. Man muss aber natürlich so in so eine Entschleunigungshaltung reingehen. Und Wie viele Leute mir auch schreiben zu meinem Buch jetzt? Echt? Weil das sind ja Entscheidungen und ich glaube, viele Leute, die sagen, ich komme nicht zum Lesen, suchten dann trotzdem anderthalb Stunden TikTok oder Reels oder was weiß ich so. Und beschweren sich gleichzeitig über die Fragmentierung. Also Der, ähm, ich bin mir jetzt gerade nicht sicher, wie die genaue Bezeichnung ist. Ich glaube, Medien Naja, mit Medienexperte liege ich mal nicht komplett falsch. Kann man im Pöst zum Triffeln immer. Ja, genau, das ist ja für alle. Aber jetzt fällt mir noch nicht mal der Name ein. Warte mal, jetzt muss ich kurz nachdenken. Ist nämlich wichtig. Warte mal. Ah ja, genau. Also jedenfalls, der Medienexperte Bernh Pörksen hat ein Buch geschrieben, Die große Gereiztheit. Das ist jetzt schon ein bisschen älter von 2018, aber der argumentiert quasi für eine, ist eine totale Utopie, für eine, wie er sie nennt, redaktionelle Gesellschaft. Also eine Gesellschaft, die Von Grund auf in die Lage versetzt wird, Zusammenhänge zu verstehen und eben aus diesem substanziellen Verständnis heraus Informationen auch bewerten zu können. Wie gesagt, das ist eine völlige Utopie, aber wir es nützt halt nichts, wenn wir die ganze Zeit sagen, die Nachrichten sind so scheiße und dann binge Lesen wir trotzdem wieder kleine Häppchen, sondern wir müssten uns halt auch in eine Position bringen, wo wir dieses Verständnis dann so aufbringen, und jetzt sozusagen im zweiten Punkt, wo wir den jungen Leuten eben eine Leitlinie auch bieten können, wenn die sagen, also ich habe hier gerade Ross und Durchgehört und die haben gesagt, den Klimawandel gibt es eigentlich gar nicht.

35:52 Gavin Karlmeier

Ist das nicht am Ende auch ein Appell für ein bisschen mehr Optimismus, ehrlicherweise? Weil, als gerade dieses Buch von Rutger Rutgar Breckmann und Fullness, genau. Musste ich auch an ein anderes Buch denken. Wir sind wahnsinnig elaboriert und akademisch heute, aber naja Und zwar von Martin Schröder, das ist ein Professor in Marburg für Soziologie und der hat ein Buch geschrieben, das habe ich hier schon mal in diesem Podcast empfohlen, das ist auch schon fünf Jahre alt, aber es heißt, warum es uns noch nie so gut ging und wir trotzdem ständig von Krisen sprechen. Und in diesem Buch hast du, das ist sozusagen eine Sammlung von Fakten, dass es der Menschheit noch nie so gut ging wie jetzt. Wir stellen real. realpolitisch stellen wir mehr Einschläge näher an uns dran fest. Das Buch wurde vor dem Ausbruch des Ukraine des Kriegs offensichtlich veröffentlicht, aber trotzdem Ähm, äh, hast du so, es gab noch nie so viel wenig Verkehrstote, noch nie so wenig Armut, noch nie so wenig Krankheitstote, noch nie so eine hohe Lebenserwartung, alles wie heute. Das heißt, wir leben eigentlich in einer Zeit, in der es uns realistisch betrachtet wahnsinnig gut geht, wir aber einen falschen Kontext herstellen oder die falsche Relation herstellen, weil wir halt uns an den. schlechten, vermeintlich schlechten Nachrichten eben entlanghangeln. . Um den Gedanken noch weiterzubringen, das führt natürlich, also ich glaube, dass diese News Fatigue Sehr häufig auch eine Folge davon ist, dass man selber die Relation verliert. Weil wenn du eben Nachrichten schaust und dadurch viel und du kannst jederzeit Nachrichten gucken, auch das ist für die Menschheit total neu. Also wenn du vor tausend Jahren mitkriegen wolltest, was im nächsten Dorf passiert ist, hat es im Zweifel zwei, drei Tage gedauert, bis jemand kommt und dir es erzählt. Heute kriegst du, wenn am anderen Ende der Welt ein Kleinstflugzeug mit zwei Menschen abstürzt, kriegst du das als Pushnachricht auf dein Handy. Und denkst sofort, oh mein Gott, es wird alles immer schlimmer. Weißt du, also dadurch, dass du dich viel mehr damit auseinandersetzt, ist das natürlich auch viel näher an dir dran und dadurch entsteht der Eindruck, es ist alles viel schlimmer. Krisen und Katastrophen hat es aber immer schon gegeben. Also die Menschheit funktioniert ja gar nicht ohne das, logischerweise.

37:51 Bob Blume

Aber was ich trotzdem wichtig finde, ist, was du gerade auch gesagt hast, und so argumentiert auch der Breckmann, dass Dass es natürlich trotzdem sehr viel mit Wahrnehmung zu tun hat. Und da wären wir dann wieder bei den Parteien. Ich bin jetzt kein Experte für polnische Politik. Aber ich meine mich daran zu erinnern, dass eben die Peace-Regierung auch deshalb ersetzt werden konnte, weil der, ich glaube, sogar relativ konservative Ketziger Ministerpräsident, dessen Name mir gerade entfallen ist. Ähm, eben nicht auf die Genau, Donald Tusk oder Donald Tusk, genau, eben nicht auf diese Themen gesetzt hat und eben das gemacht hat, was konservative Parteien machen müssen, wenn sie sozusagen gleichzeitig volksnah sein wollen, aber Punkte setzen. Es gibt, ja gut, jetzt ich zitiere hier Bücher und Bücher, aber geht gerade nicht anders, habe ich im Gedanken gegangen. Es gibt dieses tolle Buch Ich glaube, das heißt How Democracies Die, wo einfach nachskizziert wird, also ich weiß nicht, ob ich mich eher unbeliebt mache, aber die These aus dem Buch ist jedenfalls, dass die Frage nach sterbenden Demokratien weniger an den Linken hängt, als man denkt. Sondern mehr an den Konservativen, die sich eben nicht von Rechten vereinnahmen lassen. Und warum spreche ich da jetzt drüber? Weil, wie gesagt, Wahrnehmung Ja, auch sehr stark davon abhängt, welche Themen eben gesetzt werden. Und wenn eben nur Themen gesetzt werden, die Endzeitstimmung erzeugen und medial um ein Vielfaches multipliziert werden. Dann kann man dem Einzelnen zwar sagen: so, ey, guck mal, Junge, liest doch mal ein optimistisches Buch, aber letzten Endes bleibt man natürlich trotzdem in diesem grundsätzlichen Narrativ von eigentlich ist alles total schlimm gefangen.

39:43 Gavin Karlmeier

Und jetzt komme ich zur Anfangsfrage. Wie gehen wir eigentlich mit unseren Kindern um? Wie gehen wir mit Jugendlichen um? Ich glaube, das muss eigentlich die Perspektive sein, zu sagen, ey, ich weiß, die Nachrichten sind gerade hart. Aber es ist alles nicht so schlimm. Wir müssen nur gleichzeitig uns dessen immer wieder bewusst sein, Veränderungen herbeiführen wollen und real, realistisch auf die Dinge schauen. Und darauf basierend Entscheidungen treffen. Also so kannst du es einem Kind natürlich nicht sagen, sondern das ist das Mindset. Am Ende ist die Aussage: es ist alles nicht so düster, wir dürfen es nur nicht kaputt machen.

40:18 Bob Blume

Und übrigens wird man da glaube ich auch auf relativ offene Ohren stoßen. Ich meine mich an eine repräsentative Umfrage zu erinnern, in der völlig kontraintuitiv rausgekommen ist, dass Kinder und Jugendliche zwar. . Diese Dinge wahrnehmen, ja, Krieg und Finanzkrise und Inflation und so weiter, aber doch optimistisch in die Zukunft gucken. Also manchmal habe ich auch das Gefühl, es ist eher so ein Ja, so eine Vermutung, dem geht es bestimmt ganz schlecht und jetzt müssen wir die irgendwie so begleiten und sagen, alles gar nicht so schlimm. Ich glaube, es ist eher so, dass dass wir Möglichkeiten. Erzeugen müssten, dass die ihre Potenziale und ich sage jetzt mal ganz pathetisch Träume auch angehen können. Also zu sagen, ey, was sind eigentlich eure Ideen? Ich kann mich daran erinnern, ich war bei einem Vortrag, da hat ein Lehrer am Ende gesagt: Ja, also ich hab das verstanden und so, und mehr auf Augenhöhe und so, aber ich weiß nicht, wie soll ich anfangen und das ist alles so schwierig und so. Und dann habe ich gesagt. Heute ist der Tag der trivialen Empfehlung. Habe ich gesagt, frag die doch mal. Also, also ne, frag dir doch mal, wie geht's euch? Oder worauf habt ihr Lust? Und wie gesagt, ich dachte damals schon ist es ein bisschen trivial und dann guckte der mich an und sagte, boah, ja stimmt. Das kann ich mal machen. Also verstehst du, das ist auch so aus diesem Aus dieser Haltung heraus eben so, ich erkläre euch das jetzt alles und so. Mal hingehen und sagen, sowas, sag mal Was denkt ihr eigentlich? Und wenn man damit was macht und die auch machen lässt, dann entstehen daraus ja wieder Möglichkeiten. Wie die sagen so, ja, ich würde gerne dieses und jenes machen, ich weiß aber nicht wie, da kommt man dann selber wieder ins Spiel und sagt, naja, da habe ich immer eine Idee.

42:18 Gavin Karlmeier

Und das können wir zusammen machen. Ich habe noch zum Schluss eine kleine, sehr pragmatische Frage. Glaubst du, dass uns, also ich glaube, wir haben da, vor einem halben Jahr warst du schon mal hier bei uns zu Gast und da haben wir über ein ähnliches Thema gesprochen, aber vielleicht hat sich dein Blick darauf geändert. Glaubst du, dass ein TikTok-Verbot in Deutschland eine Verbesserung herstellen würde oder eine Verschlechterung? Eine Verbesserung.

42:44 Bob Blume

Also, ich weiß nicht, ob es sich meinen Blick. Ich weiß es ehrlich gesagt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich meine, ich versuche ja immer für mich selber. nicht dogmatisch zu sein. Also ich bin der Erste, der sagt, boah, ich lag da falsch. Ich fand das super. Wir haben ja gerade von Optimisten gesprochen. Ich bin ja wirklich Fan von Dirk von Gehl, in dem ich auch freundschaftlich verbunden bin, und seinem Buch zum Beispiel Das Pragmatismusprinzip, Kultur, hört nicht auf, sie geht weiter und ganz viele sehr sinnvolle Sätze da drin und der hat jetzt, glaube ich, auch eine positive Blockparade gestartet. Da muss ich mal gucken, ob ich irgendwas schönes finde. Aber jedenfalls weiß ich nicht mehr, warum ich jetzt eigentlich abgebogen bin. Ich wollte nur sagen, ich, ähm, ach genau, der Dirk hat gesagt, er würde es Sehr begrüßen, wenn die Veränderung der Meinung in der Gesellschaft positiver konnotiert wäre. Und damit meine ich natürlich jetzt nicht so eine Art von willkürlichem Opportunismus, sondern einfach der Möglichkeit zu sagen, okay, sehe ich anders. Ehrlich gesagt weiß ich es aber nicht mehr. Ich glaube, meine Perspektive war immer die Plattformen, die ganz klar algorithmisch dafür sorgen, dass problematische Inhalte an Kinder und Jugendliche und alle anderen ausgespielt werden müssen, entweder in ihre Schranken gewesen oder verboten werden. Gleichzeitig bleibe ich ja bei dem, was ich ja auch so öffentlich schon mal gesagt habe, alle Lehrer müssen zwei Wochen auf TikTok. Wo ich immer böse für angeguckt werde. Ich sage das ja nicht deshalb, weil ich sage, weil danach findest du TikTok geil, sondern weil ich der Auffassung bin, dass solange das nicht so ist. Wir eben auch uns nicht leisten können, zu sagen, ja sorry, ich kann nicht. Oder ich habe irgendwie eine völlig abstruse Vorstellungen davon, ja, ja, das ist das mit den Tanzvideos. Nein, Jürgen, das ist nicht das mit den Tanzvideos. Das ist das, mit was auch immer du halt gut findest. Genau. Und also will sagen, ja, wenn es verboten würde, würde ich nicht trauern. Aber solange das nicht so ist, muss man sich gut genug auskennen, um Ansprechpartner für diejenigen zu sein, die es noch nicht können.

45:04 Gavin Karlmeier

Vielen Dank, lieber Bob. Das war, glaube ich, ein ganz schöner Ausflug. Einmal quer durch die Gefühle, die uns gerade viel umtreiben, vermutlich viele von uns.

45:13 Speaker 4

Und wir haben einfach nicht die Schlagzeilen durchgeballert. Das machen wir nächstes Mal wieder. Vielen Dank, dass du da warst, ich hoffe, du kommst bald wieder. Danke für die Einladung, bis bald. Ciao. Ciao