Elon Musk hat d̶a̶s̶ ̶V̶o̶l̶k̶ seine Followerschaft befragt – und beschlossen: Alle gesperrten Accounts (mit ein paar Ausnahmen) werden reaktiviert. Welchen Folgen das hat? Man weiß es nicht ganz genau, aber so richtig gut fühlt sich das nicht an.
Transkript
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00:01 Intro
Haken dran, das Social Media Update der CT.
00:06 Gavin Karlmeier
Hallo Dennis. Ja, servus. Oh, was ist das denn? Ist bald Wochenende. Ja, ich bin gespannt. Ich bin gespannt, ob wir Wochenende. Aber du hast einen guten Punkt, wenn du sagst bald Wochenende, denn heute, wenn ihr das hier hört, ist Black Friday. Und das heißt, gestern war Thanksgiving. Und Thanksgiving ist ja in den USA so, also vor allem Thanksgiving Eve, der Abend des Donnerstags, ist so vergleichbar von der Wichtigkeit für die Familien. Wie bei uns der erste Weihnachtstag. Also die Läden sind wirklich zu, die Bahnen fahren wenig oder sogar gar nicht und die Familien sind alle beisammen. Und Elon Musk hat schon wieder ein Versprechen gebrochen. Und er hat ausgerechnet an Thanksgiving 50 weitere Menschen entlassen. Damit wollte ich einsteigen.
00:54 Dennis Horn
Ja, mach mal, steig mal damit ein. Also, wie man schon gar nicht mehr überrascht oder entsetzt ist wegen solcher Nachrichten, merke ich gerade an mir selbst. Ich höre einfach zu und denke so: ja. Überhaupt nicht, ne?
01:07 Gavin Karlmeier
Ja, und also es ich kann dazu auch gar nicht mehr so richtig viel sagen, außer es ist so. Es ist die reine Willkür, die da herrscht. Es gibt keine keinerlei moralische Rahmenbedingungen, Leitplanken. Es ist einfach, irgendjemand trifft eine Entscheidung und das ist immer Elon Musk. So, und das ist mein trauriger Start in den heutigen Tag, bevor wir jetzt zu den tatsächlichen Meldungen kommen. Also 50, das ist ja auch noch das Bittere übrigens. 50 Menschen ist im Verhältnis zu dem, was sonst so die Entlassungswellen für wie viele Köpfe da gerollt sind, ist auch noch sehr wenig einfach.
01:42 Dennis Horn
Und übrigens auch mit so ganz undurchsichtigen Begründungen. So viel habe ich mitbekommen. Das waren irgendwelche Entwickler und dann hieß es dann dein Code ist nicht satisfactory.
01:51 Gavin Karlmeier
Genau, also es gab eine Code-Review, wo er sich den Code von Menschen hat zeigen lassen und hat dann auf Grundlage dessen entschieden, welche. . Codes, wessen Codes wichtig sind und welche nicht. Das passt so ein bisschen zu diesem Irrsinn, den Elon Musk so als eine seiner ersten Amtshandlungen ausgerufen hat. Er hat sich ja von den EntwicklerInnen zeigen lassen, wie viel Code sie in den letzten Monaten produziert haben, um sie daran zu bemessen, wie viel Arbeit sie geleistet haben. Was total irrsinnig ist weil ein guter Entwickler, eine gute Entwicklerin ja idealerweise mit möglichst wenig Code viel Wirkung erzielt. Das war ihm aber egal. Also es ging ihm nur um die reine Menge und dementsprechend wird diese Code-Review wahrscheinlich ähnlich hanebüchen. Und hat sich halt den Code zeigen lassen, hat bei 50 Menschen erkannt, okay, den Code, den fühle ich nicht. Ihr müsst leider gehen. Schönes Thanksgiving.
02:38 Dennis Horn
Ja, also ich habe auch mit Zahlen mich beschäftigt. Es gab Ein Tweet, also der wurde auch ziemlich heiß diskutiert von Elon Musk. Da hat er eine Hate Speech-Statist-Statistik gezeigt. Aber auch so, also so eine Grafik angehängt, mit der man eigentlich nichts anfangen kann. Jeder, der sich ja einmal mit Statistiken beschäftigt hat, würde ihm. Die um die Ohren hauen. Und diese Grafik zeigt von Mitte Oktober bis Mitte November die Hate Speech Impressions bei Twitter. Und es ist oben so eine Linie 10 Millionen und unten so eine Linie 2,5 Millionen, um die das die ganze Zeit so ein bisschen so herumwabert. Und dann ist das so vor, sagen wir mal, drei Wochen einmal so richtig hochgestiegen auf diese zehn Millionen. Da gab es ordentlich Hate Speech. Warum auch immer.
03:35 Gavin Karlmeier
Auch wie das gemessen wird, ist auch völlig beliebig wahrscheinlich.
03:39 Dennis Horn
Er geht überhaupt nicht daraus hervor. Und er hat dann dabei geschrieben in diesem Thread, den er daraus gemacht hat. Dass er es unterlassen habe, gegen 1500 Nutzerinnen und Nutzer deshalb vorzugehen. Also Das impliziert so ein bisschen, dass dieser Sprung von den erstmal vier, dann auf die zehn Millionen und dann wieder runter auf die 2,5 Millionen Von 1500 Nutzerinnen und Nutzern verursacht wurde. Das ist schon, also da wird es schon so ein bisschen komisch. So, und dann gab es zwei Wochen vorher einen Tweet von Joel Roth. Das war der alte Security Head of Trust and Security oder.
04:27 Gavin Karlmeier
Genau, den hatten wir hier besprochen, weil der einen Gastbeitrag in der New York Times veröffentlicht hat.
04:32 Dennis Horn
Genau, Head of Trust and Safety. So, und der hat schon mal so eine Grafik gezeigt, die in etwa ähnliche Verhältnisse zeigt. und wo es auch so einen Peak drin gab und wo er dann geschrieben hat, man hätte es geschafft Da einen ordentlichen Rückgang hinzubekommen, indem man tausende Accounts suspendiert hätte. Stillgelegt hätte. So, und jetzt springen wir zurück zu diesem Tag, an dem Elon Musk jetzt getwittert hat. Er hat nämlich da noch einen zweiten Tweet veröffentlicht und das ist, glaube ich, der meistdiskutierte. In den vergangenen 24 Stunden. Der erinnert sehr stark an die Frage, ob er Trump wieder auf der Plattform zulassen soll. Und dieser Tweet lautet Should Twitter offer a general amnesty to suspended accounts, provided that they have not broken the law or engage in gridges spam? So. Also sollten wir einfach alle gesperrten Accounts wieder freigeben, solange sie nicht das Gesetz gebrochen hätten, oder. In Spam-Aktivitäten, außergewöhnlich starke Spam-Aktivitäten involviert gewesen sind.
05:45 Gavin Karlmeier
Was auch wieder eine Wahnsinnig irre für. Also es ist eine Umfrage der Tweet, also man konnte voten, 44 Stunden.
05:51 Dennis Horn
Ich habe auf No geklickt. Ich auch. Es blieben am Ende rund 28 Prozent mit No übrig. Ja, und 72% haben jetzt gesagt.
06:00 Gavin Karlmeier
Interessanterweise, da geht es ja um eine völlig unbekannte Anzahl an Accounts, die quasi damit zurückgeholt werden. Es impliziert so ein bisschen, dass es scheinbar ein Register gibt, warum Accounts gesperrt wurden, um dann auszuwählen, okay, Kategorie Spam und Kategorie Broken the Law nehmen wir mal raus und alle anderen kommen zurück, weil ich da auch immer noch übrig bleiben. Und was wollte ich dran? Ich weiß gar nicht. Auf jeden Fall diese Art und Weise, diese Abstimmung Ist so wahnsinnig beliebig, weil es heißt, okay, ab heute holen wir alle Leute zurück, die Twitter irgendwann mal gesperrt hat. Und genau, 72% haben für Ja gestimmt. Und was mich daran so am meisten bewegt, ist, dass es. Insgesamt nur drei Millionen AbstimmungsteilnehmerInnen gab. . Das heißt, drei Millionen Votes. Zum Vergleich, bei Donald Trump waren es 15 Millionen. Das heißt, es ist hier gerade mal ein Fünftel der Leute, die mit abgestimmt haben, was diese Trump-Abstimmung natürlich nochmal so ein bisschen irritierender macht, weil wir haben da ja auch darüber gesprochen, dass wir nicht genau wissen, Wie viele Accounts, die Elon Musk folgen, tatsächlich echt sind. Diese Bot-Diskussion, die beschäftigt uns ja die ganze Zeit. Oder Fake-Account-Diskussionen. Genau.
07:09 Dennis Horn
Ja, und es ist natürlich nach dieser Nummer 8 schön, wie wir Hate Speech hier runtergepegelt haben, jetzt mit dieser Umfrage. Also, ich glaube, das nennt man performativen Widerspruch, was er da macht. Und jetzt hat er tatsächlich, wir zeichnen auf um kurz nach 21 Uhr am Donnerstagabend, jetzt hat er vor 20 Minuten. gesagt, was er damit macht. The people have spoken. Amnesty begins next week. Vox Populi Vox Dei. Da haben wir es wieder.
07:40 Gavin Karlmeier
Ah, ja, da ist es wieder. Okay, das heißt, ich hatte nämlich eben noch tatsächlich geschaut, da habe ich den Tweet noch nicht gesehen. Es sind gerade noch diverse Accounts gesperrt, die kommen dann ja wohl alle zurück. Es wird also. Sind die Hangar-Games jetzt ausgerufen auf Twitter?
07:55 Dennis Horn
Ich habe gestern dazu getwittert, jetzt öffnet er alle Tore. Und das wird natürlich. Wenn er das so durchzieht, es kündigt sich ja auch in den vergangenen Tagen schon an. Wir haben öfter hier im Podcast schon darüber gesprochen, welche Spam-Welle in den Direktnachrichten zurzeit landet. was das für Accounts sind, die einem jetzt aktuell so neu folgen. Und ich würde sagen, da kündigt sich jetzt an, dass er diesen öffentlichen Raum möglicherweise zerstört, weil wir genau wissen aus der Zeit vor den größeren Content-Maßnahmen, was das für Auswirkungen hat.
08:34 Gavin Karlmeier
Die Frage ist ja so ein bisschen, wie wird das aussehen? Also wird das bedeuten, dass Twitter jetzt tatsächlich überrannt wird? Weil ehrlicherweise das auch jetzt schon Hate Speech eine große Rolle gespielt hat, dass auch jetzt schon ohne Ende Tweets und Accounts gemeldet wurden, ohne dass am Ende irgendwas passiert ist. Das ist keine Erscheinung, die, ähm, die sich mit Elon Musks Kauf geändert hätte. Ähm Die Frage ist, heißt das jetzt, dass tatsächlich, also muss ich mir das vorstellen, als halt wirklich die ganzen Hygienen jetzt auf die Plattform strömen? Oder könnte es womöglich sein, dass das gar keinen großen Unterschied macht? Da bin ich mir nicht sicher. Ich kann es nicht einschätzen. Warum nicht? Warum nicht? Weil, naja, also einen Account bei Twitter zu erstellen, auch wenn meine anderen Sieben-Accounts alle gesperrt waren, ist nicht schwer. Ich mache meine neue E-Mail-Adresse, ich starte den Router neuer eine neue IP-Adresse, ich bin nicht mehr identifizierbar. für die Plattform als der, der ich zuvor war. Es findet jetzt schon, wir haben gesehen, also wenn 10 Millionen Hate Speech-Tweets stattfinden können, nehmen wir die Zahl einfach mal als Wahrhaftig, dann funktioniert dieses System des Accounts Sperren ja jetzt schon nicht so richtig. Und die Frage ist, was passiert denn, wenn diese gesperrten Accounts wiederkommen? Also das Einzige, was ja tatsächlich passieren kann, ist, dass da Accounts bei sind, die eine große Reichweite haben, die gesperrt wurden, um diese Reichweite nicht mehr nutzen zu können. Jetzt ist aber der größte Account, auf den das zutrifft, oder die größten Accounts sind ja nach und nach schon wiedergekommen, mit Ausnahme von Alex Jones. Und dementsprechend weiß ich gar nicht so genau, was das tatsächlich für einen Unterschied macht. Es ist ja nicht so, dass Accounts tatsächlich an Identitäten, an echte, natürliche Personen gebunden sind, die sich dann auch wirklich nur einmal anmelden können, wenn sie gesperrt sind, schade, sondern es ist ja, Twitter ist ja eine Plattform, wo ich mit jedem Nickname stattfinden kann.
10:20 Dennis Horn
Ich finde das, also klar gehe ich mit. Ich glaube, das berechnet aber nicht die gezielten und großflächigen Kampagnen mit ein. bei denen es nicht nur einzelne Accounts gibt, sondern bei denen aus Sicht so eines Heads of Trust and Safety zum Beispiel Muster zu erkennen sind in diesen Daten, also gezielte Hasskampagnen, Desinformationskampagnen Für die die Plattform ja auch immer wieder ausgenutzt wurde, wo man ganze Netzwerke an Accounts ausgehoben und entdeckt hat Und die zählen natürlich auch dazu. Und ich glaube, hier ist ja auch vor allem das Problem.
11:03 Gavin Karlmeier
Ja, das verstehe ich. Das wäre natürlich stark besorgniserregend, wenn er damit eigentlich jetzt eben solche Fake-Account-Netzwerke quasi wieder reaktiviert, die eigentlich er als Grund genannt hatte. Dass er wieder nicht mehr kaufen möchte.
11:18 Dennis Horn
Ja, und ich weiß nicht, ob allein das Reaktivieren das Problem ist. Also bei dem Reaktivieren geht es, glaube ich, um vielleicht die Reichweitenstarken Accounts und bei den fehlenden Maßnahmen gegen neue Da würde ich jetzt eher solche Kampagnen und Netzwerke vermuten. Und das sind aber natürlich Effekte, die sich dann zusätzlich gegenseitig beeinflussen können. Ja, also einzelne, die da was reingeben, andere, die das mit einer mehr oder weniger großen Reichweite aufnehmen und dann entstehen Dynamiken. Und die wurden natürlich mit dem bisherigen Vorgehen von Twitter mitunter gestoppt. Nie vollständig, aber vielleicht so mit diesem, wie man das bei der Corona-Pandemie beschrieben hat, diesem Schweizer Käse-System. Einfach so mehrere Scheiben hintereinander und irgendwo bleiben sie dann hängen. Und wenn aber alles frei ist, dann besteht die Gefahr aus meiner Sicht, dass einfach Mechaniken auf dieser Plattform in Gang kommen. Und das ist gefährlich.
12:16 Gavin Karlmeier
Yeah, und das ist genau das eigentlich, wo ja die Menschen die größte Sorge vor hatten, wenn Elon Musk irgendwann das Ruder übernimmt, richtig? Richtig. Ja, das sind doch gute Aussichten fürs Wochenende. Absolut. Ich bin gespannt. Also wir haben uns vorgenommen, jetzt Wochenende zu machen. Die nächste Episode kommt am Montag früh. Es sei dann irgendwas passiert.
12:35 Dennis Horn
Das haben wir letzte Woche auch gesagt. Wir sind in Bereitschaft.
12:39 Speaker 4
Wir sind immer in Bereitschaft, aber gebt uns zwei Tage Ruhe und freut euch, wenn wir trotzdem wieder da sind. So. Sabia hörnels am Montag früh. Ja, bis Montag. Schönes Wochenende. Dir auch.