Folge 359 · 27. November 2024 · 14 Min.
David Bluesky und Goliath Threads
Eine kleine Soloepisode, wir räumen etwas auf: Jugendschutz in Australien und Hanau, DJV geht von X und Bluesky wird groß – mit all den Sorgen, die zum Großwerden dazugehören.
➡️ Mit der "Haken Dran"-Community ins Gespräch kommen könnt ihr am besten im Discord: [http://hakendran.org](http://www.hakendran.org)
Transkript
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00:01 Intro
Haken dran, das Social Media Update der CT Hallo zusammen
00:07 Gavin Karlmeier
Es ist Mittwoch und mal wieder Zeit für eine kleine Solo-Ausgabe von Haken dran. Wir müssen ein bisschen aufräumen. Wir müssen ein bisschen sortieren, was sich so an Nachrichten angesammelt hat. Und ihr habt ja bestimmt eventuell. Vielleicht. Die Folge vom Montag gehört, die ja ein Mitschnitt aus der Kölner Wohngemeinschaft gewesen ist. Da haben wir ja zwei Jahre Haken dran auf der Live-Bühne gefeiert. Und es sind deswegen ein paar Dinge übrig geblieben, die sich so angestaut haben. Aber es sind auch ein paar Fragen offen geblieben. Zum einen haben wir auf der Bühne darüber diskutiert, wie viele Leute jetzt eigentlich vertraglich gebunden für die Content-Moderation bei Blue Sky tätig sind. Das reiche ich hiermit nach. Vielen Dank an Koffee Hollik. hat es im Discord nachgereicht. Und zwar 100 arbeiten dort im Moment in der Content-Moderation. Und Koffey Hollick hat auch die Frage nachgereicht, wie eigentlich Elon Musk zum TikTok-Verbot steht. Die Antwort ist, er ist gegen ein Verbot. Er sagt, TikTok sollte nicht in den USA verboten sein. auch wenn ein solches Verbot der Plattform X sogar helfen würde. Er glaubt, es wäre ein Schaden für die Freiheit und der Möglichkeit der Redefreiheit. Das heißt, Elon Musk ist nicht gegen ein TikTok-Verbot, was interessant sein könnte, weil seine Nähe zu Donald Trump, der ja mal so, mal so argumentiert hat, mittlerweile aber auch gegen ein TikTok-Verbot ist. damit möglicherweise hier einen Impact haben könnte auf die Entscheidungen, wie die US-Regierung sich hier in der Vergangenheit weiter positionieren und verhalten wird. Dann haben wir noch ein paar andere Dinge zum Thema Blue Sky. Und zwar gibt es die News, dass Blue Sky offenbar erwägt, dort auch Werbung zu schalten. Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir da auf der Bühne drüber gesprochen haben, aber diese Nachricht lag hier noch rum, denn es gibt die Formulierung. Von Blue Sky selber, die sagen, während Werbung Dienste subventionieren kann, um sie für den Endnutzer kostenlos zu machen, hat sie langfristig negative Folgen, da sie Plattformen einen Anreiz gibt, ihre Nutzer zu binden. Das ist dann diese Entgetification, über die wir hier immer wieder sprechen. Sagt aber auch weiter: dieser Ansatz bedeutet, dass Werbung nicht unser dominantes Geschäftsmodell sein kann. Die Lesart, die da drin steckt und die man jetzt so immer wieder, die man immer wieder da so rauszieht, ist. Nicht-dominantes Geschäftsmodell bedeutet nicht, dass es keine Werbung auf der Plattform gibt. Es bedeutet nur, dass Blue Sky offenbar mittelfristig auch noch andere Geldquellen braucht als Werbung. Ich hoffe, dass BlueSky nicht auf die Idee kommt, irgendwann sowas wie Blue Sky Premium zu starten. Weil wir haben ja schon an Twitter gesehen, dass das finanziell nicht zwangsläufig die beste Entscheidung ist und im Zweifel sogar noch einen Keil zwischen den NutzerInnen der Plattform ziehen kann. Ich weiß auf jeden Fall nicht, welche Features ich verzichten würde. wenn auf welche Features ich gerne verzichten würde, damit sie als Premium-Modell zur Verfügung stehen, weil ich auch immer noch der Meinung bin, Blue Sky braucht endlich zum Beispiel Platz für einen richtigen Videoplayer und ein paar weitere Features, die wir von X so noch vermissen. Ob Blue Sky jetzt aber der neue Twitter-Killer wird, das neue Ex, die Alternative, nach der wir immer gesucht haben und worüber wir ja auch auf der Bühne und in der Folge vom Montag diskutiert haben, Dazu habe ich ein bisschen eine, wie ihr wisst, vorsichtige Haltung, weil ich nicht genau weiß, wie groß der Hype bleibt, wenn er denn ein bisschen nachgelassen hat. Ich weiß nicht, ob man den Satz so sagen kann. Was ich damit aber sagen möchte, ist, dass die Zahlen bei Bluesky im Moment ja eher so aussehen, als wären da ungefähr 21 Millionen, nee, sie sehen nicht so aus, es ist so, es sind ungefähr 21 Millionen Menschen bei Bluesky registriert. Und auch wenn der Hype gerade so bauchgefühlich irgendwie groß ist und auch wenn Nora mit ihrer Argumentation natürlich recht hatte, dass es nicht nur um die Anzahl der Menschen auf einer Plattform geht, sondern auch um ihre Qualität, um ihre MultiplikatorInnen Fähigkeit oder Position oder Funktion, muss man trotzdem sagen, dass Threads alleine im November 35 Millionen neue NutzerInnen generiert hat. Mark Zuckerberg hatte ja während der letzten Earnings auch gesagt, zwei seit derzeit über 275 Millionen monatliche aktive NutzerInnen. Das ist schon immer noch eine andere Hausnummer, auch wenn Thread, auch das möchte ich nochmal der Vollständigkeit halber dazu sagen, natürlich kein klassischer Twitter-Killer ist, weil es. Anders funktioniert, weil es viel algorithmischer ist, politische Inhalte nicht so verstärkt ausspielt wie andere Inhalte. Das heißt, Threads hat aus anderen Gründen Schwierigkeiten, Twitter-Alternative zu werden. Ich möchte nur sagen. . Das Potenzial für Kurznachrichtendienste scheint deutlich größer zu sein. Und das, was Blue Sky gerade an Medienaufmerksamkeit, an Präsenz, an Wahrnehmung erfährt, Dafür sind dann 21 Millionen NutzerInnen vielleicht doch einfach nicht so viel. Ist zumindest mein Gefühl. Können wir aber gerne diskutieren, machen wir auch in der nächsten Folge auf jeden Fall. In der Thorsten Weg dann dabei sein wird und der bestimmt dazu auch nochmal ein paar Gedanken und Beobachtung haben wird. Zu Blue Sky gibt es aber auch noch eine andere Meldung, die passenderweise Heise berichtet. Und zwar scheint es so, dass die EU auch auf diesen Hype von Bluesky aufmerksam geworden ist und mit Verweis auf ihren DSA, den Digital Services Act, daran erinnert, dass Blue Sky als Plattform, die in der EU tätig ist, auch ein paar Verpflichtungen hat. wenn sie in der EU tätig bleiben möchte. Ich möchte das kurz sortieren. Der DSA, das wisst ihr ja wahrscheinlich alle, ist das Gesetzespaket der EU, das soziale Netzwerke regulieren soll und auch größere Online-Plattformen regulieren soll in Hinsicht auf ihre NutzerInnen. Es gibt noch das zweite Paket, den Digital Markets Act, der die Plattformen im Konkurrenzkampf und im Wettbewerb miteinander regulieren soll. Aber hier geht es eben um das Verhältnis. Plattform zu Nutzerinnen oder Nutzer. Und laut DSA gibt es, und das wissen wir, die sogenannten Flops, die Very Large Online-Platforms, zu denen gehören Facebook, Instagram, TikTok. möglicherweise, je nach Sichtweise, immer auch wieder mal Ex. Aber eben Blue Sky nicht. Blue Sky ist keine Flop, keine Very Large Online-Plattform, trotzdem eine Plattform aus einem Land, das nicht in der EU liegt, das in der EU tätig sein möchte. Und damit ist BlueSky verpflichtet, eine eigene Webseite auf, also eine Seite auf ihrer Website zu haben, eine Art Transparency Report, die die Anzahl der NutzerInnen in der EU und den rechtlichen Unternehmenssitz. mitteilt. Andere Plattformen haben das, wir haben da auch schon ständig draus zitiert hier aus diesen Zahlen. Aber Blue Sky hat wohl offenbar bislang nicht mal einen rechtlichen Ansprechpartner in der EU. Benannt, was interessant ist, weil genau das beispielsweise auch eine Verpflichtung in Brasilien ist für Plattformen, die nicht aus Brasilien kommen. Und X sich damals geweigert hat, einen rechtlichen Ansprechpartner. Für Ex in Brasilien zu nennen und damit auch riskiert hat und auch provoziert hat, dass AX für einige Tage in Brasilien komplett gesperrt war. Also die EU erinnert Blue Sky jetzt gerade daran, dass diese Dinge nachzureichen sind. Sagt aber auch selber, dass die EU nicht dazu verpflichtet ist, die Plattform daran zu erinnern, was so eine ziemlich klare Ansage ist, an die ich so an so Aussagen von meinen Lehrerinnen und Lehrern aus meiner Schulzeit erinnert, nach dem Motto, es ist nicht meine Aufgabe, dich an deine Hausaufgaben zu erinnern. Ich hoffe, dass Blue Sky demnachkommen wird. Und bin sehr gespannt, ob wir da in den nächsten Teilen vielleicht dann auch ein paar Transparenzberichte mit Nutzerzahlen und Nutzerinnenzahlen aus der EU bekommen. Und eine kleine X-Meldung habe ich heute aber trotzdem auch noch. Und zwar, der DJV, der Deutsche Journalistenverband, hat nach 15 Jahren verkündet, nicht mehr auf X zu publizieren. Und zwar mit der Argumentation des Bundesvorsitzenden Mika Beuster, der sagt. Elon Musk verfolgt eine unübersehbar eine politische Agenda, die sich gegen journalistische Grundwerte richtet und sagt, so am Ende laufen wir und die wenigen anderen seriösen Nutzergefahr, allein unter Verschwörungsideologen zu sein. . Deswegen will sich der DJV jetzt auf Blue Sky, Instagram, Facebook und LinkedIn konzentrieren. mit der Wahl von Donald Trump die letzte rote Linie überschritten. Wir wissen, dass viele Kolleginnen und Kollegen aktuell mit sich ringen, aber wir können sie nur dazu ermutigen, uns zu folgen und auf andere Kanäle auszuweichen. Zwischen Fake News und Desinformationen haben wir Journalistinnen und Journalisten nichts verloren. Das ist ein Lied, das wir hier auch immer wieder singen, gerade JournalistInnen, die dort publizieren, und damit geht es nicht nur um die Recherche dort, sondern um das Publizieren, ums Anreize zu setzen, diese Plattform weiter zu nutzen, kann man immer wieder nur erinnern und ja, auch aus der deutschen. . Arroganz heraus, natürlich haben wir ein anderes Verhältnis zu Ex und Twitter, als es in anderen Ländern der Fall ist oder auch in anderen Bubbles der Fall ist. Aber ganz explizit in diesem Fall muss ich sagen, da hat der DJV eine richtige Entscheidung getroffen. Und zumindest aus meiner Sicht, persönliche Meinung, will ich dazu sagen, aus meiner Sicht eine richtige Entscheidung getroffen. Und ich hoffe, dass da vielleicht der ein oder andere Kollege oder die eine oder andere Kollegin, die damit sich gehadert hat, aufgrund dieser Argumentation vielleicht einen ähnlichen Schluss für sich zieht. Ich würde es begrüßen. Australien bringt einen Gesetzentwurf an den Staat, über den wir hier schon immer mal wieder in seinen Entstehungsprozessen berichtet haben, und zwar. Will Australien offenbar Social Media für Kinder unter 16 komplett verbieten und zwar mit empfindlichen Geldstrafen Es geht nämlich darum, dass in Australien gesagt wird, dass das Suchtpotenzial, aber auch das Potenzial auf die mentale Gesundheit junger Menschen in Australien so groß sein. Dass diese Plattformen für Menschen unter sechzehn Jahren so nicht mehr genutzt werden sollen. Tatsächlich wird sogar davon gesprochen, dass Geldstrafen für die Plattformen der sozialen Medien in Höhe von fünfzig Millionen australischen Dollar, das sind ungefähr zwei und dreißig Millionen bei systematischen Vorstößen vorzuschlagen. Das heißt, hier will Australien ganz knallhart überprüfen, wie alt sind die Menschen, die die Plattform nutzen. Dafür wollen sie sogar ein Altersüberprüfungssystem einführen, das biometrische Daten oder eine staatliche Identifierung einschließen kann, um diese Altersgrenze für soziale Medien durchzusetzen. Das ist eine der strengsten Kontrollen, die bisher von dem Land überhaupt eingeführt wurden. Und es sieht auch keine Ausnahmen vor. Also wir kennen ja zum Beispiel die Diskussion aus Frankreich über ein Social Media Verbot. bei dem es darum geht, dass soziale Medien für Kinder unter 15 Jahren nicht genutzt werden sollen oder nicht genutzt werden dürfen, die NutzerInnen aber mit der Zustimmung der Eltern dieses Verbot umgehen könnten. Diese Ausnahmeregelung sieht ja Australien nicht vor. Es ist tatsächlich ein sehr striktes Gesetz und sagt als Einschränkung allein dazu, dass Kinderzugang zu Messaging online spielen und gesundheits- und bildungsbezogenen Diensten haben sollen. Also so Apps wie, und das nennen sie explizit YouTube oder Headspace, Sollen weiterhin genutzt werden können, aber eben klassische soziale Medien wie die von Meta, TikTok, X oder Snapchat soeben nicht. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Snapchat da nicht vielleicht eigentlich doch auch als Messaging-Dienst begriffen werden sollte. Und ich habe die These, dass sollte diese Gesetze kommen und sollte Australien ein wichtig genuger Markt sein für die Plattformen, dass wir dann in Australien so Entwicklungen sehen werden wie Instagram Gaming oder Instagram Messaging auf jeden Fall. Also die Instagram DMs werden mit Sicherheit eine eigene App bekommen, sollte sich das lohnen und sollte der Markt groß genug sein. einfach um dieses junge Publikum nicht zu verlieren. Denn wenn Kinder unter 16 sich längst eine völlig andere Welt aufgebaut haben, bin ich mir nicht so sicher, ob sie alle darauf warten, mit 16 einen Instagram-Account anzulegen. Vor allem, wenn sie eben tatsächlich diese extrem strikte dieses extrem strikte Anmeldeverfahren durchlaufen müssen, indem sie sich beispielsweise mit einem eigenen Personalausweis anmelden müssen. Das ist schon eine ziemlich große Hemmschwelle für junge Menschen. Und bin da sehr gespannt, ob das kommt, A, B, wie gut das durchgesetzt werden kann und C, wie das von der Gesellschaft aufgenommen werden wird Bin ich sehr gespannt. Ist auf jeden Fall eine Geschichte, auf die wir hier weiter schauen werden. Und ich habe, wie ihr wisst, auch ein ganz großes Interesse an diesen Themen. Und so eine ähnliche Geschichte, nee, sie ist nicht ganz so ähnlich, aber sie passt so ein bisschen thematisch in die gleiche Kiste, kommt aus Hanau. In Hanau möchte nämlich der Bürgermeister, die. Dauerhafte Ortung von Kindern verbieten. Also deswegen werden ab Dezember dort in Kindergärten Smartwatches, GPS-Tracker und andere Geräte verboten, mit denen Kinder geortet werden können. Er sagt, in Kindertagesstätten sei sowas überflüssig und kontraproduktiv. Er sieht zwar die Sinnhaftigkeit solcher Geräte für den privaten Bereich, möchte aber, dass Kinder eben in Kitas nicht überwacht werden können und er sagt, dass es nach Nach meiner Überzeugung den pädagogischen Grundsätzen zuwider, denen die Kinderbetreuung verpflichtet ist, denn sie hat auch den Auftrag, Autonomie und Rechte der Kinder zu achten. Ich. Will dazu meine persönliche Meinung, glaube ich, gar nicht kundtun, weil ich gar nicht genug differenzieren kann oder auch gar nicht weit genug bin in der Meinungsbildung, um dazu eine zu haben. Aber ich finde diese Argumentation hochinteressant, weil die Helikoptisierung der Eltern durch solche Geräte natürlich deutlich vereinfacht werden. Es ist so ein bisschen so, dass solche Möglichkeiten natürlich auch Interesse schaffen oder Bedürfnisse schaffen. Dadurch, dass ich weiß, dass ich mein Kind tracken kann, kann ich das die ganze Zeit tun und verstehe als Ehrlicherweise nicht Pädagoge, die Argumentation des Bürgermeisters hier schon. So. Wie gesagt, ich habe da keine finale Meinung zu. Ich wollte das nur zumindest mal mit. gebracht haben, weil ich solche Entscheidungen super interessant finde und wir immer wieder hier auch darüber diskutieren, wie gehen wir eigentlich mit den jüngsten Teilen unserer Gesellschaft um, wenn es um eine digitale Gesellschaft geht. Ähm, wir bleiben dran, wir bleiben bei allen dran. Jetzt allerdings braucht ihr nicht mehr dranbleiben, denn das ist das Ende dieser Episode. Wie immer bei meinen Solo-Episoden. Freue ich mich aber, wenn ihr jetzt Egal wo ihr es hört, ob bei YouTube, bei Spotify oder im Discord unterhaken. org oder egal wo, ein Emoji hinterlasst, das mich überrascht. Ich kriege da manchmal so geile Sachen, dass ich mich immer drüber freue. Und wünsche euch jetzt einen wundervollen Mittwoch. Und hier geht es weiter am Freitag mit Thorsten Beeg. Vielen Dank fürs Zuhören und tschüss.