Musk hat seine Belegschaft vor die Wahl gestellt: Extreme Hardcore oder Extreme Kündigung? Und siehe da: Deutlich mehr Mitarbeiter:innen sind gegangen, als er geplant haben könnte. Seitdem ist Twitter im Blindflug. Und jetzt? Wie lange haben wir noch etwas davon?
Transkript
Automatisch erstellt, kann Fehler enthalten. Zeitmarken springen im Player an die Stelle.
00:01 Intro
Haken dran.
00:03 Gavin Karlmeier
Das Social Media Update der CT. Hallo Dennis Hallo Kevin. Jetzt sollen wir offiziell sagen, dass wir nicht guten Morgen sagen können, sondern guten Abend, weil Ich fürchte, heute müssen wir das ausnahmsweise mal tun.
00:17 Dennis Horn
Was aber an den Rahmenbedingungen liegt, weil eigentlich wollte ich ja ein bisschen meine Ruhe vor dir haben. Aber diese Ruhe lässt man uns ehrlicherweise nicht.
00:25 Gavin Karlmeier
Ja, also Elon Musk lässt sie uns nicht. Er möchte, dass wir extrem hardcore durchsenden. Und Leute fragen uns ja Warum habt ihr morgens früh um sechs so gute Laune? Wir sagen, wir nehmen immer am Abend vorher auf. Und ich habe das Gefühl, es ist heute sehr gefährlich oder jetzt gerade, weil ich mich frage. Dauert der große Ausfall von Twitter, bis alles vor die Hunde geht, jetzt noch Tage oder eher Stunden?
00:52 Dennis Horn
So ist das tatsächlich. Also kurz der Vollständigkeit, Hal, wir haben jetzt gerade Viertel nach sechs, also genau zwölf Stunden, bevor ihr das hier hört. Das heißt, es kann durchaus sein, dass wenn ihr das hier hört, die Twitter-App nicht mehr öffnet. Und der Hintergrund ist tatsächlich, wir haben das ja erklärt, dieser Ausruf des Extreme Hardcores. Elon Musk hat seine Belegschaft quasi vor die Wahl gestellt. Entweder ihr klickt jetzt hier auf den Button und dann seid ihr bereit, 80 Stunden die Woche zu arbeiten und komplett over zu performen. Oder wir entlassen euch mit einer Drei-Monats-Lohnabfindung. Und dieses Ultimatum ist ausgelaufen. Das hat aber dazu geführt, dass offenbar sehr viel mehr Leute gegangen sind, als er vermutlich gedacht hat. So genau, das finden wir jetzt gleich mal raus. Ja, sag mal.
01:35 Gavin Karlmeier
Es ist komplett nach hinten losgegangen. Also es gibt keine offiziellen Zahlen, aber so eine anonyme Umfrage unter Angestellten. Ich glaube, so knapp 200 Twitter-Angestellten. Und die hat gezeigt, dass so knapp die Hälfte, 42 Prozent, dazu tendieren, auszusteigen, also nicht drauf geklickt haben.
01:55 Dennis Horn
Ja. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Zahlen halt krass auseinander, weil ich habe auch eine Quelle gefunden, da ist die Rede so von ungefähr eintausend Leuten, die weg sind. Und es gibt halt bei Twitter so Thread-Sammlungen von zitierten Tweets von Menschen, die sich eben verabschieden, weil die Twitter-Employees waren. Also man merkt gerade schon, auf jeden Fall, da ist was im Argen. Und zwar so im Argen. dass Elon Musk jetzt über das Wochenende alle Twitter-Offices geschlossen hat aus Angst vor Sabotage. Ja. Was im Umkehrschluss aber bedeutet, dass, und deswegen müssen wir diese Folge hier aufnehmen, weil vielleicht gibt es morgen nichts mehr, über das wir sprechen können. Ähm, wenn ich das richtig verstehe, Dennis, du bist vermutlich noch ein bisschen technikfirmer als ich. Heißt das im Umkehrschluss, dass wenn es jetzt irgendwo einen Client Security Flaw gibt oder einen Datenbankenfehler oder irgendwo eine Schleife, wo sich das System verheddert, dass es gerade niemand fixen kann und dass es eigentlich jetzt gerade so ein bisschen Blindflug ist und es könnte jederzeit passieren, dass die Karre an die Wand fährt.
02:54 Gavin Karlmeier
Ja, genau so klingt das für mich. Also normalerweise würde man sagen, so die Algorithmen und das System im Hintergrund, das läuft ja, aber Software ist nie perfekt. Also es gibt immer irgendwo irgendwelche Fehler, auch weil es so in Softwarewechselwirkungen mit Code gibt, der von außen irgendwie auf Twitter einwirkt, oder den man so nach draußen gibt. Also da können Störungen entstehen, immer wenn sowas passiert. Muss dann natürlich ein Team irgendwie eingreifen und nachbessern und nachprogrammieren. Also im Grunde ein Team an Entwicklern, das so die kritische Infrastruktur aufrechterhält bei so einem Dienst. So, und wenn einmal so ein Loch problematisch ist und das dann nicht gepflickt wird, dann kann das so eine Kettenreaktion in Gang setzen, weil wenn so Löcher bekannt sind, kann man sie auch ausnutzen und angreifen, zum Beispiel. Dieses Team Ja, dass also für die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur von Twitter zuständig war Da wurde auch gekündigt. Die sind auch alle nicht mehr da. Das ist nach außen ein Problem, und das ist aber auch nach innen ein Problem, weil das auch die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren, die jetzt denen, die gefeuert wurden. Auch irgendwie die Zugänge hätten sperren müssen. Also, auch die sind nicht mehr da. Und es ist, also, ich habe jetzt so aus dem Unternehmen gehört. Übrigens, jetzt kommt hier eine Durchsage am Bahnhof, wo ich gerade sitze. Sicherheitshinweis. Darf er nicht stehen lassen.
04:24 Dennis Horn
Ja, genau.
04:25 Gavin Karlmeier
Ja, er steht direkt neben mir. Also nur falls sich einer wundert. So, auf jeden Fall ist es so, dass. Leute jetzt auch nicht mehr wissen, die noch bei Twitter sind und noch nicht gekündigt wurden, keine Ahnung mehr haben, wer ihr. . Vorgesetzter ist. Also auch da intern ist so eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Sie wissen nicht mehr, wer ist ihr Vorgesetzter, wer ist dessen Vorgesetzter. Und es gibt so ein internes Verzeichnis, wo die jetzt so als Vorgesetzten alle Elon Musk angegeben haben, weil sie einfach nicht mehr wissen, wer vor ihnen in der Kette überhaupt noch da ist.
04:59 Dennis Horn
Ja, und das heißt, der muss jetzt theoretisch Urlaubsanträge unterschreiben. Gerade, so theoretisch. Ich habe dann nämlich auch genau darüber nachgedacht, weil das ist doch bemerkenswert, wenn man, wenn ich das jetzt richtig gerechnet habe, ist eine grobe Überschlagung, aber dann ist jetzt noch Von dem Moment an gesehen, wo er angefangen hat bei Twitter und die ungefähr 7500 bis 8000 Angestellte hatten, ist davon jetzt noch ungefähr. . Ein Siebtel übrig. Das heißt, arbeitet jetzt noch ein Siebtel der Leute, die anfangs da waren. Bitte nicht ganz genau nehmen, es sind viele Schätzungen drin und so Überschlagungen, aber. Mal angenommen, das System bricht zusammen und er macht nächste Woche, schließe die Bude auf und sagt, okay, dann räumen wir jetzt mal auf. Dann hat er ja nur zwei Möglichkeiten. Entweder er geht auf Knie zu den Leuten, auf Knien zu den Leuten, die das System früher gewartet haben, um das irgendwie wieder ans Laufen zu bringen. die das wahrscheinlich nicht tun werden. Oder er setzt neue EntwicklerInnen dran, die das System nicht kennen und auch im Zweifel alles verschlimmern können. Das sind beides keine rosigen Aussichten jetzt so aus NutzerInnen-Perspektive für Twitter.
06:03 Gavin Karlmeier
Ja, und das ist ganz interessant, wie funktioniert das im Hintergrund? Weil wenn du. die Menschen feuerst und so weiter. Wir gucken da immer so von draußen drauf, wer wird gefeuert? Aber da müssen ja irgendwo an den Zweigstellen Leute sitzen, die feuern. Also die das alles verwalten, diese Kündigungen und so weiter. Und auch da ist ja ein Kahlschlag, und da kündigen Leute. Und das heißt, ihm entgleitet sozusagen der ganze Prozess und da ist ganz interessant. Er hat eine Reihe von Leuten von Tesla rübergezogen zu Twitter. Das sind sonst so Entwickler, die machen sonst die Fahrassistenz für Tesla-Software. Und die gelten jetzt innerhalb von Twitter. noch da sind, als die Schlägertruppe von Elon Musk, so wird die genannt.
06:49 Dennis Horn
Die Wagner Gruppe von Elon Musk. Okay, ich verstehe, aber das sind ja das ist ja eine katastrophale Aussicht, weil die auch das System ja nicht kennen. Und diese ganzen, also ich hab in dem in dem Tutor Space von Matt Navarro. So ein bisschen reingehört. Und da wurde was sehr Schlaues gesagt. Und zwar die Leute, die da gehen, die waren ja nicht einfach ein Ja im Unternehmen, sondern die waren teilweise 13, 14, 15 Jahre da. Und das Wissen, das die mitnehmen und auch die, die, die haben das Ding halt aufgebaut, ne, und die kennen auch die Tücken, die kennen die Fallen. Man kennt das, du lässt einfach überlässt irgendjemandem fürs Wochenende deine Wohnung und erklärst, ja, hier vor sich die Schranktür quietscht. Solche Sachen, die kriegst du nicht immer gefixt, sondern du gewöhnst dich dran und arbeitest damit. Und dieses ganze Wissen an allen Ecken und Enden, das fehlt ja jetzt. Das heißt, dieser Schlägertrupp muss, wird früher oder später am Kaltschlag nicht vorbeikommen, den der Schlägertrupp übernehmen soll.
07:39 Gavin Karlmeier
Ja, das ist ein ganz interessanter Punkt. Also das ist sozusagen das institutionelle Wissen und dafür muss man auch wissen Vielen ist es gar nicht so bewusst. Twitter ist ein Unternehmen, bei dem Leute verhältnismäßig, so für diese Silicon Valley-Konzerne auf, sehr lange gearbeitet haben. Also Twitter hat ein großes Maß an Leuten, die dort Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren, die Überzeugungstäterinnen und Täter sind, weil sie den Dienst und was er leistet, so für die Gesellschaft. Wir haben ja hier auch eingangs zum Podcast gesagt, das ist eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen dieser Welt, weil sie den wichtig finden für die Gesellschaft und für Menschen. Und dann sind die sehr lange in diesem Unternehmen geblieben. Und das ist institutionelles Wissen, das da tatsächlich verloren geht.
08:29 Dennis Horn
Ja, also das Schlimme ist eigentlich ehrlicherweise, dass wir ja die These auch aufgestellt haben, als wir angefangen haben und jetzt gerade manifestiert sich das so. Was bleibt denn jetzt davon übrig? Also, wie viel von diesem Dienst, den Elon Musk da erworben hat mit all seinen NutzerInnen Wie viel von diesen Dienst haben wir denn eigentlich in einem Monat noch? Also jetzt mal abgesehen davon, dass da niemand mehr ist, der die Server wartet und der vielleicht neue Funktionen einbaut oder was auch immer. sondern was ist eigentlich sein großes Ziel? Ich glaube, da können wir morgen mal ein bisschen ausführlicher drüber sprechen, wenn nicht mal wieder irgendwas dazwischen kommt.
09:01 Gavin Karlmeier
Er hat ja einen Plan. Wir können schon mal so ein bisschen teasen. Im Grunde möchte er aus Twitter, nach dem, was man so zusammensetzen kann, was er hier und da mal gesagt hat. Eine völlig andere App machen. Die Idee hatte er übrigens schon vor vielen Jahren. Die hat er mal X genannt. Und er möchte eine super-App daraus machen, ein bisschen wie WeChat in China. Und ich finde tatsächlich, dass es das wert ist, da nochmal ein bisschen ausgerutert drauf zu gucken auf diese Idee und was sie bedeuten könnte.
09:30 Dennis Horn
Ja, das machen wir morgen eventuell mal. Mal schauen, wie so die Lage ist. Ich bin total gespannt, was jetzt noch passiert. Ich könnte mir vorstellen, meine These, dann kannst du ja vielleicht auch nochmal kurz, auch wenn du magst, einschätzen, was du glaubst, was passiert. Ich glaube, was jetzt passieren wird, ist, dass wir relativ viele Blogartikel, Interviews Leaks finden werden von Menschen, die mal so ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Denn diese ganzen, die Hunderten, Tausende, die jetzt gegangen sind in den letzten Wochen und auch jetzt vor allem ganz frisch gestern gegangen sind. Ähm, die werden ein Mitteilungsbedürfnis haben, weil sie bei Twitter eben, wie du gerade gesagt hast, nicht gearbeitet haben, weil es ein Arbeitgeber war, sondern am Ende auch eine Form von Berufung. Und die werden das nicht ohne weiteres hinnehmen, dass der Laden so vor die Hunde geht, auch wenn sie anonym sprechen werden müssen.
10:15 Gavin Karlmeier
Ich glaube das auch. Es kann zwei Szenarien geben, in welche Richtung es läuft. Das erste ist, er richtet das wirklich so zugrunde, dass damit nichts mehr anzufangen ist. Bankrott Also er kann sozusagen die Strecke hin zu dieser Super-App nicht überbrücken. Und das andere ist, er wird das durchziehen. Twitter wird am Ende mit dem, wie wir es kennen, einfach überhaupt nichts mehr zu tun haben. Und ja, da können wir ein bisschen drüber philosophieren noch, aber bei den Leaks. Für die kommenden Wochen gebe ich dir absolut recht. .
10:48 Dennis Horn
Ja, das wird schön. Okay, dann haben wir jetzt mal so kurz ein bisschen aufgeräumt. Ich bin gespannt, wie gut diese Folge hier altern wird, bis sie läuft.
10:56 Speaker 4
Und jetzt wünsche ich dir eine gute Nacht und wir hören uns morgen. Ja, wir ziehen das Wochenende durch. Wir ziehen das jetzt durch, machen wir so. Tschüss, Dennis. Tschüss.