Wer hätte gedacht, dass es ausgerechnet der frühere US-Präsident Trump und deutsche Arbeitnehmer:innenverbände sind, an denen der neue Twitter-Cowboy Elon Musk gerade abprallt? Aber auf eines ist zumindest Verlass: Auf seine Willkür.
Transkript
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00:01 Intro
Haken dran, das Social Media Update der CT.
00:06 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Guten Morgen Gavin. Hallo Dennis. Heute komme ich ein bisschen ausgeruht hierhin. Also, es ist nicht so krass alles umgeschlagen gestern, wie ich das die letzten Tage gewohnt war.
00:21 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, es geht mir ähnlich. Ich habe auch das Gefühl, dass es die Anzahl der Einschläge geringer wird. Das kann jetzt verschiedene Bedeutungen haben. Das kann entweder bedeuten, dass er, also Elon Musk tatsächlich mal angefangen hat zu arbeiten. Ja, da war Pause für Lacher. Und dass es einfach gerade irgendetwas gibt, das wir noch nicht ahnen, dass gerade irgendetwas in Vorbereitung ist. Also zum Beispiel kam ja relativ frisch dann noch die Meldung, dass es weitere Kündigungen geben wird. Also im Twitter-Sales-Team haben wohl offenbar, so heißt es. zumindest zur Stunde, deutlich mehr Menschen gegeben, die sich dazu entschieden haben, extreme hardcore zu bleiben, als Elon Musk geplant hatte, sodass er noch weitere Menschen entlassen muss.
01:10 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Und so viele braucht es vielleicht gar nicht, wo die ganzen Unternehmen gerade auch einfach keine Werbung bei Twitter buchen möchten.
01:16 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Einfach kein Beratungsbedarf da gerade, genau.
01:18 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Ja, und dann hätten wir noch Donald Trump, der seitdem und bis wir jetzt hier aufzeichnen, um kurz vor 17 Uhr am Montagnachmittag nicht getwittert hat. Er hat auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner gesagt, ich zitiere, Twitter hat gerade massive Probleme, ich sehe keinen Grund für eine Rückkehr. Truth Social, das ist wieder so eine TH. Truth Social schießt gerade durch die Decke, sagt er.
01:46 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, was das ganz genau bedeutet, weiß man da jetzt natürlich auch nicht, weil der wird, der, soweit ich das zumindest weiß, Keine große Werbung verkauft auf Truth Social. Und wie gesagt, wir hatten gestern die Zahl von irgendwie drei Millionen NutzerInnen. Das ist zwar, wäre für deutsche Verhältnisse nicht so schlecht. Für US-amerikanische Verhältnisse und vor allem im Vergleich zu dem, was Donald Trump auf Twitter erreichen würde, ist das natürlich wirklich mickrig Und es gibt so einen Screenshot, der durchs Netz geistert. Ich kann das leider nicht verifizieren, muss ich direkt dazu sagen, weil Truth Social von deutschen Computern aus einfach nicht aufrufbar ist. Also es wird quasi gegeoblockt. Aber da ist ein Posting von Donald Trump drauf zu sehen, wo er sagt, naja, damals ist Elon Musk zu mir ins Haus ge ins Weiße Haus gekommen und hat nach Hilfe gefragt. weil seine elektrischen Autos nicht genug Reichweite hatten und die elektrie fahrerlosen Autos Unfälle gebaut haben. Und ehrlicherweise hätte ich zu ihm sagen können, voll auf deine Knie und bettle darum und er hätte es wahrscheinlich getan. Also diese Art der Der Hammer, die Donald Trump dann jetzt Elon Musk entgegenschießt, da weiß ich nicht, wo das herkommt, weil zum also wenn sie denn stimmt, wie gesagt, ich kann es nicht verifizieren. Aber wenn es denn stimmt, dann irritiert mich das doch sehr, weil ich zum einen A mir hätte vorstellen können, dass einer der Gründe, warum Elon Musk Twitter tatsächlich kauft, die Sperrung von Donald Trump war oder einer der Auslöser jedenfalls. Und zum anderen Donald Trump ja total davon profitieren könnte, dass Elon Musk sich ja auch in der Vergangenheit schon, naja, zumindest latent speicheleckerisch den Republikanern gegenüber geäußert hat. Das heißt, er hätte davon stark profitieren können und dass er ihn jetzt so vor den Kopf stößt, ist doch schon, naja, bemerkenswert jedenfalls.
03:24 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Also lass da als. Die Frage danach, ob das der Grund war, diese Plattformen zu kaufen, gleich nochmal darauf zurückkommen. Ich würde hier noch ins Spiel bringen, dass man Also, man munkelt, dass Donald Trump vertraglich an seine eigene Plattform gebunden ist. Okay. Also so ein bisschen. Wie bei der Bundesliga-Zusammenfassung am Samstag, wo die ARD erst später senden darf, sieht es wohl so aus, dass seine Postings, die müssen erstmal sechs Stunden lang. Auf der eigenen Plattform erscheinen, exklusiv, bevor sie dann woanders zu lesen sein dürfen. So, und vielleicht hat es auch ein wenig damit zu tun, dass Donald Trump jetzt so ein bisschen im Windschatten Dieses Umbruchs bei Twitter versucht noch ein bisschen Aufmerksamkeit auf diese Plattformen zu lenken
04:16 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Könnte ein guter Grund sein und könnte tatsächlich auch funktionieren, weil so oft wie wir jetzt schon heute und gestern Truth Social gesagt haben Schmeckt es eigentlich, kann ich mehr sagen.
04:25 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Weil es ist total schwer auszusprechen. Ah, ist es schmeckt? Also für ein deutsches Publikum ist das nicht gut. Ja,
04:32 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, das stimmt wirklich. Und das ist auch einfach kein cooler Name. Es hat dieses verrückte Nullerjahre Internet-Image, wie Flickr und Twitter es alle hatten. Hat das irgendwie auch nicht. Also der Name ist so. Ungeil.
04:43 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Ja, und wollte Elon Musk wirklich da hinkommen und das kaufen, nur um Donald Trump da freizulassen? Weil jetzt gibt es noch die andere Geschichte mit Alex Jones.
04:55 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, das ist auch schlimm.
04:56 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
So, und da sagt Musk, nee, der kommt nicht zurück.
05:00 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Vor allem die Gründe, warum. Also die, er wurde ja bei Twitter gefragt, hey, wie wär's denn jetzt als nächstes mit Alex? Jones und Elon Musk sagt, naja, er hat sich über Sandy Hook lustig gemacht und mein erstgeborenes Kind ist in meinen Arm gestorben. Ich möchte niemandem Gnade erteilen, der sich, der so den Tod von Kindern für eigene Profite nutzt. Kurz gesagt. Und da wird es für mich irritierend, weil diese ganze Council-Geschichte und selbst diese ganze User-Voting-Geschichte kippt ja dann weg, wo er dann komplett autoritär die Entscheidung trifft, wer jetzt Tatsächlich dieses Council bemühen darf und wer nicht. Also, da kippt er, finde ich, sogar in seiner eigenen Argumentation aus nachvollziehbaren emotionalen Gründen, aber doch Inkonsistenz.
05:46 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Ja, tat er ja schon gestern. Mit der Lüge, er bringt überhaupt erstmal so ein Council an den Start oder vorgestern. Und dann kam doch Donald Trump zurück, bevor überhaupt so etwas eingerichtet wurde und getagt hat. Also es ist einfach, also wir können doch festhalten, es herrscht Willkür dort. Es ist Willkür. Und insofern ist es dann doch wieder konsistent.
06:11 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, wenn man es darauf runterbrecht, dann definitiv konsistent. Willkür vor allem eines einzunen. schlimmer, ehrlicherweise. Und das, wo wir auch sagen müssen, das ist ungewöhnlich für unsere Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren und umgehen und auch Entscheidungen treffen, glaube ich.
06:29 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
So, und für so einen wichtigen Kommunikationsraum halten wir auch an dieser Stelle wieder fest, die Politik war zu spät und das, was hier an Regulierungen herrschen müsste, damit einfach Regeln dafür existieren. wem die Plattformen einen Boden entziehen und wem nicht und was Kriterien dafür sind. Ja, wohl wahr. Da sind wir nicht rechtzeitig hingekommen,
06:52 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, und es ist aber auch nicht so, das kann man auch sehr deutlich sagen, finde ich, dass das nicht hätte vorhersehbar, als wäre das nicht vorhersehbar gewesen. Also dieser Fall, der da jetzt gerade passiert und diese Willkür. der wäre ja seit Jahren absehbar, dass irgendwann so ein Fall eintreten könnte. Und die Politik hat aber nie reagiert. Also es gab immer wieder ja Forderungen danach, dass da eine klare Regulierung
07:17 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Aufgesetzt wird und das nicht passiert. Mhm. Mhm, genau so. So. Und jetzt nochmal zurück zur Beschäftigungslage. Bei Twitter. Also du hast gerade gesagt, es gab jetzt nochmal Entlassungen im Sales-Team. Und dann haben wir ja auch noch Entlassungen in Europa. Wir haben das schon mal kurz angerissen in einer der vergangenen Ausgaben. Kündigungswelle bei Twitter in Deutschland hat sie etwa 30 Angestellte getroffen. Ich war, also das war ganz interessant, weil ich gar nicht gedacht hätte, dass es hier doch noch so viele gibt. Ist tatsächlich so. Ich wollte es auch.
07:53 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
gerade sagen, dass ich auch gar nicht weiß, wie viele dann noch übrig bleiben, weil nach meinem Gefühl war das eigentlich eine deutlich kleinere Anzahl der Menschen, die noch für Twitter in Deutschland arbeiten. Zumal ja auch hier die Offices mal geschlossen wurden. Genau. Dann wurde einige Jahre später ein, wie es hieß, kleineres wieder geöffnet. Und deswegen ist 30 doch schon echt eine erstaunlich hohe Anzahl. Und wir wissen auch nicht, was die alle gemacht haben. Also das kann durchaus viel Content-Moderation sein. Aber ich glaube, das ist nicht so ganz bekannt, richtig?
08:20 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Ja, ja, ja. Das ist nicht so ganz bekannt. Also es gab Leute, die waren bei Twitter Tochterdiensten. Auch es gibt diesen Review-Newsletter oder Revue oder wie auch immer man ihn aussprechen möchte, der jetzt auch zum Ende des Jahres eingestellt werden sollte. Dieser Newsletterdienst. Es gab aber auch Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, eine deutsche Chefin, die bei Twitter gearbeitet hat und Menschen, die in irgendeiner Form noch so Sich um Partnerschaften und zu Fragen gekümmert haben, aber das war alles nicht mehr so einsehbar und übersichtlich, wie das vor ein paar Jahren schon war. Am Ende hat mich dann die Zahl 30 aber doch irgendwie überrascht. Und jetzt ist einer von denen Also die zeitgleich mit den Twitter-Kolleginnen und Kollegen in den USA am 4. November gab es eine Benachrichtigung. Hey, ihr werdet auch gekündigt. Am 16. November gab es dann die schriftliche. Kündigung und dann ist einer von denen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, wie Frank Bsirske sie ausspricht, beigetreten. Und Anfang November war das dann und hat dann auch die anderen überredet, überzeugt davon, beizutreten. Jetzt kriegen die Beistand von Verdi, haben auch, ja, ich sag mal, Bedauern ausgedrückt, dass sie erst zu spät der Gewerkschaft beigetreten sind. Und Verdi will jetzt Kündigungsschutzklage erheben. Und das ist geil, ne?
09:49 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Also, das ist der Kapitalismus-Cowboy in den USA, schießt um sich und die deutsche der deutsche Arbeiterschutz, die deutschen Gewerkschaften fangen an, ihre ihre Tore hochzufahren und zu sagen, so nicht, Kollege.
10:02 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Ja, also es gibt in den USA einen Worker Adjustment and Retraining Notification Act. Der vorsieht, dass große Kündigungswellen mindestens 60 Tage vorher angekündigt werden müssen. Und sonst müssen die Unternehmen eben Geld weiter bezahlen. Es gibt nochmal irgendwie Strafe pro Kündigung. Und jetzt in Deutschland wollen die verbliebenen Angestellten, die sagen, das ist eigentlich nicht rechtmäßig und wir sind hier noch angestellt. Also die Kündigung zählt so nicht. Die wollen jetzt einen Betriebsrat gründen. So. Und wir lachen jetzt, weil das so oldschool klingt und so, aber es ist super.
10:45 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, das ist super, weil das genau die Werkzeuge sind, die die Angestellte eben haben und die sie auch aus gutem Grund haben, die sie sich auch hier erkämpft haben und die hier sagen, naja, ihr mögt ein amerikanisches Unternehmen sein, aber wenn ihr eben auf diesem Markt hier Fuß fassen wollt, und das wolltet ihr in der Vergangenheit, dann müsste eben damit leben, dass es eben auch unsere Regularien hier gibt.
11:03 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme A)
Ja, und kein Unternehmen, das jetzt mehr dazwischengrätschen kann, bei der Gründung dieses Betriebsrates Weil es ja denkt, es hätte sie längst gefeuert. Also, ich finde das eine äußerst interessante Konstellation. Und ich bin gespannt darauf, wie diese ganze Nummer jetzt juristisch. tatsächlich weiterläuft. Es gibt einen deutschen Anwalt, der jetzt für ein Verfahren, das gerade gegen Twitter läuft, schon einzelne Tweets von Elon Musk heranzieht und das einbaut. Um vor Gericht zu zeigen, dass Twitter ganz offenbar kein Interesse hier an der Beilegung hat. Das heißt, der ganze juristische Rattenschwanz, der wird wahrscheinlich noch sehr interessant.
11:46 Gavin Karlmeier / Dennis Horn (Stimme B)
Ja, vor allem das wird ja ein Thema, auf das jetzt die, also ich prognostiziere mal, aber sobald es da ein gewisses Medieninteresse gibt, wird das Thema ja riesengroß. Also was passiert mit den Menschen in Deutschland? bei Twitter, gerade wenn sie anfangen, solche Werkzeuge zu bemühen wie eine Betriebsratsgründung, kurz bevor das Schiff dann tatsächlich scheinbar untergegangen ist. Das könnte eine Heldengeschichte werden, Heldinnengeschichte werden. Und da würde ich mich freuen, wenn wir da noch sehr aufmerksam drauf schauen könnten. Das könnte noch sehr spannend werden. Ansonsten hören wir uns morgen früh wieder.
12:20 Speaker 4
Das machen wir, 6 Uhr. Ich bin übrigens beeindruckt, dass Truth Social so kompliziert ist, aber Frank Bsirske so einfach. Schönen Dienstag.