Meta startet bezahlte Verifizierungen – und plötzlich macht das Modell Musk Schule. Gegen Geld gibt’s blaue Haken und wir fragen uns: Könnte das womöglich alles verändern? Wie wir mit den Plattformen umgehen? Und wie unsere Egos das verkraften?
Transkript
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00:01 Intro
Haken dran, das Social Media Update der CT.
00:06 Gavin Karlmeier
Grüße ich Gavin. Hallo Dennis. Mit geölter Stimme heute endlich wieder.
00:11 Dennis Horn
Ja, ich habe noch ein bisschen Reibeiseneffekt auf meiner Stimme. Das liegt aber nicht an Karneval versprochen.
00:16 Gavin Karlmeier
Gut, wir gleiten langsam raus aus diesen Karnevalstagen und rein in, ich würde sagen, jetzt unser größtes Thema In dieser Woche, weil ich das Gefühl habe, hier ändern sich grundlegende Mechaniken des Social Media Marktes.
00:33 Dennis Horn
Allerdings, ja.
00:34 Gavin Karlmeier
Und Twitter könnte am Ende mit Elon Musk Der Verursacher sein dafür. Also wir fangen mal vorne an. Auch bei Facebook und Instagram kommt jetzt ein Haken dran. Meta Verified heißt ein neues Angebot. das erste Mal in Australien und Neuseeland an den Start geht. Wir sind uns sicher, ihr habt davon mitbekommen, gestern im Laufe des Tages. Nutzerinnen und Nutzer können darüber, und das kommt uns recht bekannt vor, ihre Accounts verifizieren lassen mit blauem Häkchen. Soweit so Twitter, nicht wahr? Soweit so Mask. Soweit so Mask. So, aber also Sie müssen dafür Passdokumente vorlegen, richtig ID-Kärtchen. Und dafür gibt es das blaue Häkchen und ab jetzt ändern sich dann aber Dinge gegenüber dem, was Twitter so macht mit Twitter Blue. Erstens heißt es im Gegensatz zu Twitter, dass die alten blauen Häkchen nicht verschwinden sollen. Also deren Relevanz wird nicht aberkannt, die behält man. Ich halte das für eine schlaue Variante und nach dem, was man so hört, wird bei Metainternen noch diskutiert, ob man die auch noch deutlicher hervorhebt gegenüber den blauen Häkchen für alle.
01:55 Dennis Horn
Und das wäre auch so mein erster Take auf dieses Thema, das ich mir auf kurz oder lang nicht vorstellen kann, dass die gleich behandelt werden. Also dass die zum Beispiel identisch aussehen, die Legacy Verified und die Paid-Verified.
02:10 Gavin Karlmeier
Bei Meta, weil bei Twitter passiert es ja anders, ne?
02:13 Dennis Horn
Genau, bei Twitter werden die Legacy-Verified einfach irgendwann ersatzlos gestrichen. Aber ich sprich erstmal zu Ende und dann können wir ja mal so langsam sortieren.
02:20 Gavin Karlmeier
Ja, also ich wollte noch sagen, was noch obendrauf kommt, weil bei Twitter ist es ja so, dass dann da ist dann Stopp und alles andere. In Kürze vielleicht, aber zahlt schon mal. Und bei Meta gehört zusätzlich zu diesem Abo-Service, und das finde ich hochinteressant, ein direkter Zugang zu einer Kundenbetreuung. Mit dem Zusatz for most common issues heißt es. Also, das finde ich einen wahnsinnig interessanten Punkt. Kommen wir vielleicht gleich auch nochmal dazu. Außerdem. Ein verbesserter Schutz vor Nachahmerprofilen und zwar in Form eines aktiven Monitorings, also nicht nur auf Hinweis hin Ähm, heißt es von Meta? Und Profile mit blauen Häkchen werden in den Kommentarspalten bevorzugt behandelt, also eher angezeigt und auf Instagram eher empfohlen in den Reels und in dieser Explorer-Rubrik. Und außerdem Exklusive Sticker für deine Story. So als mich überzeugt. Max Zuckerberg sagt Bei dieser neuen Funktion gehe es darum, die Authentizität und Sicherheit unserer Dienste zu erhöhen und er nimmt dafür 12 Dollar monatlich. Für iPhone-NutzerInnen 15 Dollar, weil ihr Apple diese Gebühr von 30% nimmt. Ich habe eben mit einem kleinen Dreisatz Oder mit einer kleinen Prozentrechnung habe ich nochmal nachgerechnet. Das sind weniger als die 30 Prozent, die da nochmal draufgeschlagen werden. Also im Vergleich kann man noch ein kleines Ei von Schnäppchen vergleichsweise schlagen. So. Ich würde gerne mit dem Grund anfangen, warum das jetzt passiert.
03:57 Dennis Horn
Ja, okay, das mach mal. Nee, sag mal, wir können das langsam suzieren. Ich habe nur einen kleinen Gedanken. Ich finde, dass diese Ankündigung, dass es mit dem iPhone etwas teurer ist. Dass das schon eine kleine Zeitenwende ist, weil das eine Beobachtung ist, die man so nie offen kommuniziert hat in der Vergangenheit, dass wenn du einen In-App kaufst, tätigst du, dass Apple dann davon was abhaben möchte und das deswegen teurer wird. Also wir kennen Modelle wie Spotify führen dich auf eine Website, damit du dann das Premium-Modell abschließen kannst, damit du es eben nicht per Inhab-Kauf machst. Bei anderen war es dann einfach gleich teuer. Vielleicht war es sogar auch mal teurer, ohne dass es kommuniziert wurde. Aber das jetzt von vornherein gesagt wird Für iOS-NutzerInnen ist es teurer. Das ist wirklich eine Petitesse zu dem, worüber wir jetzt gleich alles sprechen müssen. Aber ich finde das total spannend, was das eigentlich schon, wie man schon sich da von Twitter inspirieren lassen und das wird Wellenschlagen. Ich glaube, das werden wir bald überall so erleben.
04:48 Gavin Karlmeier
Ja, das ist die Mineralölsteuer der Plattformwelt.
04:52 Dennis Horn
Ja, genau.
04:53 Gavin Karlmeier
Ja, weil jetzt einfach schamlos oder oder die Kerosinsteuer der Online-Dienste, weil jetzt einfach schamlos obendrauf geschlagen wird, oder was heißt schamlos? Es wird im Grunde transparent gemacht. Ja, genau. Und damit wird die Empörung ausgelagert von Epic hin zu den Kunden, die jetzt genau sehen, das kommt noch oben drauf, weil Apple das ja so haben will.
05:17 Dennis Horn
Und ich frage mich, ob Epic, weil du sie gerade genannt hast, sich jetzt in den Allerwertesten beißen, weil die sich ja damals entschieden haben, wegen dieser 30%-Gebühr, sich komplett von iOS-Geräten zu verabschieden. Und lustigerweise zum Jahreswechsel, der eigentlich hier für uns gar kein Thema gewesen, aber der, äh, einer der CEOs oder der ein Board-Member auf jeden Fall von Epic Games. Angekündigt, dass er wogen wird, dass Fortnite zurück zum iPad kommen könnte. Das heißt, vielleicht hat auch da dieser Gedankenprozess jetzt angefangen. Also super spannend.
05:46 Gavin Karlmeier
Also da kommen jetzt einige Steine ins Rollen und jetzt Einmal noch kurz, bevor wir darüber sprechen, was das bedeutet und in welche Richtung das alles geht, einmal noch kurz zu den Gründen dafür. Speziell bei Meta. Da dürfte an Nummer 1 stehen, so würde ich es interpretieren, dass das Werbegeschäft einfach nicht mehr so funktioniert. Also zuletzt haben Unternehmen nicht mehr so viel Geld für Anzeigen auf Facebook und Instagram ausgegeben. Und das Versprechen war ja auch immer Hier könnt ihr eine Werbung schalten im Newsfeed, die extrem personalisiert ist und genau auf die Leute zugeschnitten. Und da gab es ja jetzt zuletzt immer schon mal Meldungen, dass dieses Modell dieser super personalisierten Werbung vielleicht so grundsätzlich gar nicht so gut funktioniert, wie man sich das immer vorgestellt hat. Also der Effekt wurde erstmal in Frage gestellt und dann wird auch der Datenschutz schärfer, sodass personalisierte Werbung auch einfach nicht mehr so gut funktioniert. Also Google geht ja jetzt einen anderen Weg und nimmt nicht mehr einzelne Nutzerprofile. Sondern legt die Nutzerinnen und Nutzer in so eine Art Pool anhand von so grundlegenden Daten, die gleich sind, und sagt dann Die sind nicht mehr einzeln zu erkennen. Bei Facebook und Instagram ist es so, dass zum Beispiel Apple einen Riegel vorschiebt, also iOS fragt jetzt erstmal am Anfang, ob man wirklich diese Daten so dahingeben will oder ob man das sozusagen pseudonymisiert nutzen möchte. Und dann noch die regulatorischen Vorgaben, vor allem in der Europäischen Union. Also das führt alles so in der Gesamtheit dazu, dass woanders Geld her muss. So. Und jetzt würde ich gern so ein bisschen die Konsequenzen, vielleicht auch die Unterschiede zu Twitter rausarbeiten mit dir, weil das ist alles ich Ich finde das hochinteressant, und wenn ich jetzt so wetten würde, würde ich sagen: Das ist für mich das Tech Und Regulierungsthema 2023.
07:48 Dennis Horn
Ja, weil, also ich glaube, ich habe das Gefühl, dass er drei Dimensionen. wie wir diese Veränderungen spüren werden. Also die erste ist die, vermutlich offensichtlichste, eine F Verschwimmung der Grenzen zwischen Prominenten und Nichtprominenten. Man muss dazu sagen, die hat eigentlich ja schon längst stattgefunden. Die zeigt sich nur jetzt erst. Also schon jetzt ist es so, dass Leute wie wir auf diversen Plattformen blaue Haken haben und damit denselben Verifikationsstatus haben wie Barack Obama, während es Leute gibt, die vielleicht eine unglaubliche Reichweite über Social Media erzielen, aber keinen blauen Haken haben. Das heißt, schon jetzt ist es eigentlich unscharf, zu definieren, wer ist eigentlich VIP und warum. Also was sind eigentlich die tatsächlichen Kriterien? Liegen die nicht teilweise auch im Ermessen der Person, die da den Button drückt? die quasi in diesem Center sitzt oder mit wem man auch vielleicht mal einen Kaffee getrunken hat oder was auch immer. Also wir haben ja darüber gesprochen, dass bei Twitter der blaue Haken früher ja auch so ein bisschen als Benefit vergeben wurde. um die Plattform attraktiver zu machen, um so ein bisschen diesen IKEA-Regal-Effekt zu vermitteln. Wenn du das Regal selber aufgebaut hast, dann hast du auch eine stärkere Bindung dazu. Und so war es hier ja auch. Also Leute, die einen blauen Haken hatten, haben das Gefühl, Twitter ist ihnen ein bisschen näher als andere Plattformen und haben dann angefangen auch über die Plattformen. zu sprechen auf anderen. Und das verschwimmt natürlich jetzt noch stärker in dem Moment, wo sich quasi jeder da rein kaufen kann.
09:11 Gavin Karlmeier
Lass uns die drei Dimensionen erstmal nennen. Also verschwimmen der Grenze zwischen Prominenz und Nichtprominenz, habe ich notiert. Würde ich anders argumentieren, kommen wir gleich zu.
09:19 Dennis Horn
Ja, lass uns das mal sehr gerne tun. Nummer zwei. Die zweite Dimension, finde ich, ist die, äh, das, was du gerade mit dem Werbegeschäft auch schon angesprochen hast, dieses Plötzlich ist es nahezu nachvollziehbar für das Nutzen von sozialen Plattformen zu bezahlen. Also Plötzlich bin ich in dem Modus, dass ich mir überlege, gebe ich vielleicht mein Geld an Facebook, Instagram, Meta, um einen blauen Haken zu bekommen oder auch nicht. Finde ich interessant. Und ich muss gerade mal gucken, ich habe mir eine dritte aufgeschrieben.
09:51 Gavin Karlmeier
Das ist der Klassiker. Da sehe ich drei Gründe. Erstens, zweitens, und was war nochmal drittens?
09:59 Dennis Horn
Ach so, nämlich die Art und Weise, wie wir eigentlich unser Ego mit diesen Plattformen pushen. Weil ich finde, dass die blauen Haken jetzt gerade so einen Status haben. Es gibt ja, wie gesagt, Leute, bei denen man nicht zwangsläufig nachvollziehen kann, warum sie einen blauen Haken haben. Manchmal sind es Menschen, die eben JournalistInnen sind. Das ist wahrscheinlich das Argument, zu dem du gleich kommen wolltest. Also es gibt oft Gründe dafür, warum Menschen verifiziert sind, aber schon jetzt ist es so, dass Leute das nutzen, die irgendwie an diesen blauen Haken gekommen sind. Teilweise gibt es ja auch ein Geschäft, da haben wir darüber gesprochen, aber Drittplattform dafür. Und ich habe das Gefühl, dass die Plattform uns, in dem Fall hier Mark Zuckerberg, uns eigentlich so das nächste Substitut für die Reichweite geben möchte. Weil ich kann mir jetzt quasi einen blauen Haken kaufen und damit Sichtbarkeit ja auch erkaufen. Du hast es gerade genannt, ich stehe in den Kommentaren weiter oben. Und diese mentale Gesundheit, die ich am Ende da dranhängen möchte. Die hängt da so ein bisschen von ab. Also die Leute, die sich mehr leisten können, haben auch eine höhere Sichtbarkeit. Und ich finde dieses Einbinden von den Mitteln der NutzerInnen. jetzt nicht nur auf der Ebene, ich bin bereit dafür zu bezahlen, sondern auch auf der Ebene, wir gehen davon aus, dass Leute, die bezahlen, auch dafür mehr bekommen, finde ich eine Art Zeitenwende. Okay, gut.
11:20 Gavin Karlmeier
Lass uns die nacheinander tatsächlich mal durchgehen. Ich würde aber sagen, das, was du gerade genannt hast, wie wir unser Ego mit diesen Plattformen pushen. Ich sehe das zusammen in einer Diskussion mit der Grenze zwischen Prominenz und Nichtprominenz. Das hat Nähen zumindest. Also ich kann mich an einen Tweet erinnern, den du mir geschickt hast zu dem Thema, als es rauskam, diese ganze Geschichte. Da antwortete dann jemand. Welcome to the Pay to Win Social Media Era. Ja, genau. So, das ist natürlich sehr richtig und dann habe ich mich erinnert daran, wie jahrelang. Die Startseite von Facebook aussah, wenn man noch keinen Account hatte. Also du bist gar nicht bei Facebook, du willst dir jetzt einen Account anlegen, gehst auf facebook. com. Und dann stand da immer, Facebook ist und bleibt kostenlos.
12:10 Dennis Horn
Erinnerst du dich an diesen Spruch? In der Tat.
12:12 Gavin Karlmeier
Ja, ne? So, da habe ich eben nochmal geguckt, der ist mittlerweile weg von der Startseite.
12:17 Dennis Horn
Der stand ja wahrscheinlich vor allem da, weil es immer so Kettenbriefe gab, worin scheint, wenn du das nicht weiterleitest, musst du neun Dollar dafür zahlen.
12:24 Gavin Karlmeier
Ja, ja, ja, ja. Oder ich meine, Leute, die auch mit dem Begriff registrieren, dann auch direkt was verbinden. Oh ja. Kosten. Also, das war mal das Versprechen. Und ich würde jetzt erstmal die These aufstellen: aus diesem Versprechen haben wir, glaube ich, auch implizit als Nutzerinnen und Nutzer Das Übertragen auf alle anderen Plattformen, die es so gibt. Und daraus hat sich dann abgeleitet, wir sind alle gleich. Demokratisierung, Power to the People. Und jetzt natürlich Power to the people with money. Und also ich finde erstmal, es ist schon irgendwie eine Lösung. Für kleinere Accounts, die gerne Reichweite hätten, die wachsen wollen, denn das war in letzter Zeit ja überhaupt nicht mehr möglich. Also so organisches Wachstum. Wahrgefühlt wie ausgeschlossen, für Leute, die jetzt nochmal neu in Social Media starten, wenn man nicht eine komplett breite Aufwendige Distributionsstrategie gefahren ist, so wie das große Medienhäuser machen und auch können, so vom Aufwand her.
13:32 Dennis Horn
Oder die eine clevere Idee hatte. Also Wie mein Lieblingsbeispiel ist der Al Hotzo, der ja 2020 zum Pandemiebeginn eigentlich erst so richtig angefangen hat und der wahrscheinlich jetzt wegen seines Instagram-Accounts bei jungen Leuten bekannter ist als Paul McCartney. Aber es sind Ausnahmen.
13:50 Gavin Karlmeier
Genau, es sind absolute Ausnahmen. Wir sind nicht mehr in der Ära, wo man tatsächlich einfach starten kann und wachsen kann. Da gibt es sowas wie so eine Grenze, so einen Deckel, der da drauf ist. Und interessanterweise frage ich mich also jetzt, ob das für Facebook Und Instagram so ein bisschen der Ausweg aus der Kritik am Algorithmus ist, eine Überholspur für genau diesen Algorithmus zu schaffen.
14:14 Dennis Horn
Ja, das stecken natürlich zwei kleine Fragen dazwischen. Nämlich zum einen, wenn es alle machen, gilt das dann noch? Und die zweite Frage, wie weit eigentlich diese Überholspur am tatsächlichen Algorithmus vorbeiführt. Also ich sehe das am Flughafen ganz oft, dass wenn es so eine First Lane gibt, so Priority Check-In, wenn die Schlange los ist, dann ist die Schlange länger. Genau, dann ist die Schlange nämlich länger als die normale. Und damit geht das auf jeder Vorteil eigentlich hin.
14:40 Gavin Karlmeier
Okay, aber dann lass mich anders argumentieren. Wir haben die letzten Wochen hier in Haken dran immer mal wieder darüber gesprochen. Wie sich schon so gerade die Grundlagen dieser Social Media Mechaniken verändern durch TikTok. Ja, also weg von Diesem Social Graph von diesem, welche Menschen kennen, wie viele andere Leute, über wie viele Ecken und lasst uns die alle miteinander. Connecting the world, ne? Bringing the world together, wie Mark Zuckerberg das immer so als Mission, Vision, Purpose für Facebook angegeben hat jahrelang. Und TikTok geht ja weg von diesem Weg. Also TikTok sagt, wir stellen in unseren Algorithmus nicht mehr diesen Social Graph in den Mittelpunkt, sondern hier geht es um die Inhalte. So, und ich frage mich jetzt, ob wir nicht auch eine Weiterentwicklung gerade dessen erleben, was wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, nämlich dass diese breite Nutzerschaft und dieses Graswurzel-Ding. nicht mehr so zentral sind, sondern wie wir erleben, dass sich so aus der Architektur der Plattformen jetzt neue Massenmedien entwickeln, mit Reichweite für die, die für die Durchleitung, und das sind natürlich dann Viele große Unternehmen, die nochmal was anderes zahlen. Elon Musk ruft 1000 Dollar pro Monat auf für die goldenen Accounts. Und wer weiß, ob da Facebook nicht auch genau hinguckt.
16:05 Dennis Horn
Würde ich auch sagen, ja.
16:06 Gavin Karlmeier
So dass sich eben aus dieser Architektur der Plattform neue Massenmedien entwickeln und dieses Power-to-The-People-Ding gar nicht mehr so im Zentrum steht. Und wir hier vielleicht nur so etwas wie einen ersten Schritt in diese Richtung jetzt auf den großen Metaplattformen erleben,
16:24 Dennis Horn
Ja, ich finde, das ist eine super spannende. Wir haben eine ganze Folge übrigens zu dem Thema gemacht, die heißt die TikTok-Isierung von Twitter.
16:30 Gavin Karlmeier
Ja, und nur ganz kurz, deswegen würde ich dir eben widersprechen. Ich sehe nicht, dass hier die Grenze zwischen Prominenz und Nichtprominenz weiter verschwimmt. sondern ich frage mich, ob wir hier nicht das Gegenteil davon erleben, das wieder getrennter wird.
16:44 Dennis Horn
Ja, ich bin mir da nicht so sicher, weil ich bei den Metaplattformen nicht erlebe und dass die Reals jetzt gerade so ein bisschen wieder Eingereiht werden spricht auch dafür, dass man schon erkannt hat, dass TikTok ein anderes Nutzungsverhalten provoziert als T Instagram. Also das ist durchaus bei TikTok eher darum geht, sehr strömung zu finden, während du bei Instagram immer noch bewusst Menschen folgst. Und Ich weiß gar nicht, ob das jetzt deine These stützt oder der sogar widerspricht. Das können wir gleich mal sezieren. Aber in dem Moment, wo du den Accounts. . eigentlich in ihrer Bedeutung wieder mehr oder den Accounts wieder mehr Bedeutung gibst, dadurch, dass du sie verifizieren lassen kannst und damit auch sie attraktiver erscheinen lässt, stärkst du dieses Personifizierungsding eigentlich wieder ein bisschen mehr gegenüber TikTok, wo es dir immer egaler wird, wer überhaupt Absender ist.
17:34 Gavin Karlmeier
Ja, ich verstehe das, aber ich würde halt argumentieren, das ist nicht der letzte Schritt.
17:38 Dennis Horn
Ja, das kann ich mir total gut vorstellen, aber ich habe gerade, als du das so erzählt hast. Immer im Kopf hat sich mir so aufgedrängt, dass wir in der Vergangenheit, wir haben viele Social Networks kommen und gehen sehen. Und die, die wirklich geblieben sind. oder die, sagen wir mal, die diesen Wochenende überlebt haben. Also ich meine damit jetzt nicht sowas wie Path oder so, dass wir mal oder Peach, wo wir drei Tage kurz Spaß hatten. Hallo, Hallo. Genau. Elo hat ja so, also vielleicht noch ein bisschen.
18:03 Gavin Karlmeier
Aber dazu kommt noch meine E-Mail-Benachrichtigung. Ich habe einen neuen Follower bei Ello.
18:07 Dennis Horn
Hab ich auch. Aber was ich sagen will. die, die es geschafft haben, ein bisschen länger zu existieren, ein bisschen mehr langen Atem haben, waren immer die, bei denen wir Lust hatten, uns mit Leuten zu vernetzen. Also die, die halt, die. die ja immer so eine Masse erreicht haben, wo man das Gefühl hatte, da komme ich auch mit Leuten in Kontakt. Und der Grund, warum sich viele Leute, glaube ich, bei Facebook immer noch nicht abgemeldet haben, ist, weil man damit dann auch den letzten Draht zu seinen alten Schulkolleginnen verlieren würde. Und ich glaube, dieser Wunsch nach Vernetzung, der ist ja immer noch da. Und ich glaube, den können sie mit allen Bestrebungen nicht vernichten, sondern ich glaube, selbst wenn du alles tun würdest, immer mehr in so eine contentorientierte Welt zu rutschen, würde irgendwo anders das nächste soziale Netzwerk kommen, das wieder die Vernetzung in den Vordergrund stellt.
18:54 Gavin Karlmeier
Ich okay, ich würde vielleicht noch dagegen halten. Und da bin ich jetzt bei Daniel Kahnemann. Hole ich die ganz dicken Bücher hier raus und sage. Vielleicht hat da dein falsches System geantwortet, weil es ist natürlich so, dass wir in den vergangenen Jahren nur diese social Graph-orientierten Plattformen erlebt haben. Also, wir haben in dieser Plattformökonomie so etwas wie TikTok ja lang und gefestigt noch nicht erlebt. Und deswegen weiß ich nicht, ob wir uns das an dieser Stelle vielleicht auch nur einfach nicht vorstellen können. Und ich würde schon sagen, dass im Sinne einer Contentindustrie, was auch immer dazugehört, klassische Medienhäuser, Unternehmen, die werben, Content Marketing, Sportsinstitutionen und so weiter und so fort Das tendenziell Massenorientierte natürlich auch das wesentlich lieber Gesehene ist. Und der Kapitalismus, der hinter all dem liegt, Liegt, das auch eher pusht. Deswegen frage ich mich, ob wir ihn tatsächlich nicht eher die ersten Schritte dessen gerade erleben
19:57 Dennis Horn
Ja, ich bin mir da nicht sicher, weil YouTube hat ja diesen Schritt längst durchgemacht. Also als wir mit dem Intro net angefangen haben, Dennis früher, war es bei YouTube ja so, dass man auf jedes Video mit einem Video antworten konnte. Und dass man sich Privatnachrichten schicken konnte und dass man sich vernetzt hat über YouTube. Und seit einigen Jahren ist nichts davon übrig.
20:16 Gavin Karlmeier
Ja, genau.
20:17 Dennis Horn
Also, das ist ja nur noch diese Plattform. Das heißt, ich glaube, wir kennen das eigentlich auch schon. Und trotzdem hat YouTube ja nicht dazu geführt, dass wir auf Instagram keine Lust mehr hatten, beispielsweise.
20:27 Gavin Karlmeier
Nee, interessanterweise würden viele Leute, die ich so erlebe, YouTube auch gar nicht mehr in Social Media einsortieren. Mhm. Weil es längst diese Effekte hinter sich gelassen hat oder diese Punkte. Und ich habe eigentlich die vergangenen Jahre eher so beobachtet, als dass das bei Facebook und Instagram auch passiert. Wir haben ja auch schon mal hier im Podcast darüber gesprochen, dass Leute sich auch zurückhalten, dort zu posten, weil sie in den Newsfeed diesen Eindruck einer Öffentlichkeit haben, in den, in die sie dann reinposten würden, was sie aber eigentlich mit ihren privaten Inhalten gar nicht tun wollen. Für mich ist das so der natürliche Lauf der Dinge, der in sozialen Netzwerken in den vergangenen Jahren so geschehen ist.
21:09 Dennis Horn
Ja, würde ich dir komplett zustimmen. Ich glaube aber trotzdem, dass diese Facebook-Gruppen, die Nachbarschaften zusammenbringen, oder meinetwegen auch einen Telegram-Chat, dass diese Halböffentlichkeiten, die da entstehen, ich weiß nicht, ob das fachlich richtig genutzter Ausdruck ist, aber diese Halböffentlichkeiten, die da entstehen, dass es dafür immer noch einen Bedarf gibt. Und wenn sich die sozialen Netzwerke, wie wir sie gerade kennen, da relativ bewusst gegen entscheiden, weil sie sehen, dass zum Beispiel TikTok gut funktioniert, also wollen wir, dass alle unsere Plattformen zu TikTok werden. dass da eine Lücke entstehen wird, von der ich nicht glaube, dass sie offen bleiben wird.
21:45 Gavin Karlmeier
Das ist spannend. Also diese Lücke wird entstehen. Dann frage ich mich, ob Messenger sie nicht füllen und Facebook-Gruppen und ob die Plattformen gerade von Meta da nicht längst eine Antwort drauf haben. Aber ich sehe eher, dass die Plattformen, mit denen wir es bisher zu tun haben, diese Lücke lassen, als dass sie sie in Zukunft selbst noch ausfüllen werden.
22:04 Dennis Horn
Ich bin super gespannt, weil ich eher das, also ich finde zum Beispiel, wenn du da jetzt mal die Instagram Notes gegenhältst, ne, die ja wirklich nur symmetrisch ausgespielt werden. Also ich kann gar nicht eine Instagram-Notiz schreiben für alle Menschen, die mir folgen, sondern nur für die, denen ich zurückfolge. Ich kann, ähm, ich habe auch das Gefühl, dass Instagram Stories eigentlich inzwischen nur noch das Tool zum Fanservice sind, dass es gar nicht mehr darum geht, da irgendwas. Nachhaltiges zu erschaffen, dass Leute sich weiterempfehlen. Soll. Aber das kann ich auch nicht beantworten.
22:42 Gavin Karlmeier
Wir werden es sehen.
22:43 Dennis Horn
Ja, super spannend auf jeden Fall.
22:44 Gavin Karlmeier
Also wir haben euch jetzt mal zwei verschiedene Varianten dargeboten. Und du hast noch einen zweiten Punkt genannt. Die Nachvollziehbarkeit, die plötzlich bei uns auftaucht in unseren Gehirnen, plötzlich dafür zu bezahlen Das finde ich auch einen super interessanten Punkt. Wir hätten das immer ausgeschlossen und plötzlich denken wir, ja, stimmt. Ist ja ein Angebot da und dafür könnte man bezahlen. Finde ich übrigens den Zungenschlag auch tatsächlich unterschiedlich bei Meta und bei. Twitter bei Meta kann ich das Angebot, das mir da gemacht wird, wesentlich besser nachvollziehen.
23:19 Dennis Horn
Ja, geht mir genauso.
23:21 Gavin Karlmeier
Für mich ist zum Beispiel allein in diesem Kundenservice ein Ding drin. Und jetzt ist Elon Musk da also mit einem Abo-Modell vorgeprescht und Meta sieht offenbar, da gibt es jetzt nicht den Riesenaufschrei. Dann können wir das auch. So würde ich mir das erklären, dass das jetzt kommt. Und was übrigens alles erstmal nur für normalen Nutzerinnen und Nutzer gilt. Ich habe eben schon gesagt, ich glaube, dass auf Unternehmen, auch auf den Metaplattformen, wenn sich das jetzt etablieren würde, das ist ja alles nur noch ein, oder bisher nur ein Test. In Neuseeland und Australien, ja, dass Unternehmen und Organisationen mit ihren Seiten oder Business Accounts und so weiter auch alles noch erwarten würden.
24:05 Dennis Horn
Ja, das ist mega spannend, weil wir sehen da ja auch, wie die Plattformen von Meta stark zusammengeschoben werden. Also das ist eine Entwicklung, die wir ja schon länger. . oder die man schon länger beobachten konnte, dass es eben diesen Meta-Account jetzt gibt, den man erstellen kann. Das ist der ehemalige Oculus-Account. Also das ist quasi der Account, den man früher genutzt hat. um die VR-Brillen von Meta zu nutzen. Das ist jetzt der Meta-Account, den konnte man früher zwar auch mit dem Facebook-Account verknüpfen, was ist übrigens einer der Gründe, warum wir in Deutschland keine. Oculusbrillen lange bekommen haben, wegen Kartellbedenken. . Egal, was ich eigentlich sagen möchte, es wird in dieser in diesem Text von Zuckerberg ja gar nicht mehr unterschieden zwischen was du bei Instagram oder bei Facebook machst, sondern es wird von Meta verified. Das heißt, du registrierst dich einmal für alle diese Plattformen in dieser Welt, kaufst dann für 14 Dollar das Häkchen oder zwölf. und bist dann auf all diesen Plattformen verifiziert und plötzlich rutschen deine ganzen ganzen Accounts näher zusammen. Gleichzeitig gibt es schon vor Zwickungen in den Messenger-Diensten. Also ich kann Facebook-FreundInnen bei Instagram schreiben und so. Da gibt es ja überall Entwicklungen. Und das finde ich tatsächlich auch super spannend, weil es das für mich. Gefühlt auch nachvollziehbarer macht, weil da wird gesagt, hier, das ist das Paket, da ist kein, eventuell kommt das noch und hier und wir wissen auch nicht so genau und wir machen erstmal alles kaputt, sondern das wirkt in sich sehr wohl überlegt und rund.
25:32 Gavin Karlmeier
Interessanter Move übrigens, also diese Perspektive, da rücken die Accounts näher zusammen, ist natürlich auch aus Datenschutzperspektive total interessant, weil das ja etwas ist, das Max Schrems immer verhindern wollte. Ähm, nämlich, dass hier die Daten aus den verschiedenen Metadiensten zusammengeführt werden: Facebook, Instagram, WhatsApp aus Datenschutzgründen. Und das haben Gerichte ja mitunter genauso gesehen, aber wenn ich jetzt so einen Dienst nutze wie Meta Verified oder so ein Angebot, gebe ich ja hier auf dieser Ebene plötzlich ein Einverständnis möglicherweise. Also auch das interessant. Jetzt ändert sich also dank Elon Musk die Grundmechanik sozialer Netzwerke. Elon Musk hat dazu übrigens auf Twitter geantwortet: inevitable.
26:21 Dennis Horn
Unvermeidlich.
26:23 Gavin Karlmeier
Ach ja. Ich würde gerne noch einen Faktor oder einen Aspekt hinzugeben, zu deinen, die du gerade genannt hast, nämlich die Sicherheit.
26:33 Dennis Horn
Also. Da bin ich super gespannt, weil ich finde, sorry, kannst du ausführen, ich will nur kurz sagen, diese Sache.
26:40 Gavin Karlmeier
Hüre ruhig aus, aber ich will schon mal was dazu sagen.
26:43 Dennis Horn
Ich bin da nämlich auch sein geblieben, weil dieses Versprechen. Kauf dir einen blauen Haken und dann bist du authentischer und sicherer auf den Plattformen unterwegs. Fühlt sich so ein bisschen an wie die Suche nach der Erklärung, warum man das macht.
26:53 Gavin Karlmeier
Ja, die meine ich aber auch gar nicht.
26:55 Dennis Horn
Okay.
26:55 Gavin Karlmeier
Sondern. Und ich weiß noch nicht, ob ich das so ganz genau benennen kann. Aber also Twitter sagt, wir kämpfen damit gegen Bots. Ja, also ohne dass wir jetzt irgendwie sehen, ob Bots wirklich das Problem gewesen wären. Eher geht es vielleicht auch einfach um Geld. So, aber Facebook und Instagram haben ja definitiv ein Problem mit Hass auf der Plattform, Twitter auch, aber mit Hass auf der Plattform und mit der Verfolgbarkeit. So, und wenn jetzt da eine ID ein Perso hinterlegt werden muss, oder ein anderer Ausweis, dann könnte das doch tatsächlich eine Lösung sein, weil das ja genau dem Traum konservativer PolitikerInnen entspricht, so aus den vergangenen Jahren, der jetzt von den Plattformen freiwillig umgesetzt wird. Nämlich jedes Profil mit einem Ausweis, mit konkreten Daten, mit einer ID zu hinterlegen, jetzt wo Meta merkt, dass man darüber Geld verdienen kann, vielleicht sogar muss. Geht's doch irgendwie. Und das könnte all diese Diskussionspunkte natürlich gleichzeitig auch mit abräumen. Also so Sicherheitsdebatten Wie ist der Ton auf der Plattform, was ist mit strafbaren Inhalten hier und so weiter? Wir wissen natürlich auf der einen Seite, dass Leute durchaus auch unter Klarnamen so etwas posten, aber die Verfolgbarkeit, wenn sich tatsächlich das durchsetzt, Dass Menschen, wenn sie überhaupt noch eine relevante Sichtbarkeit mit ihren Kommentaren haben wollen, dafür diesen neuen blauen Haken brauchen, dass die Verfolgbarkeit ein ganz anderes Level erreicht.
28:35 Dennis Horn
Weißt du? Ja, ja, ja, total.
28:39 Gavin Karlmeier
Also dadurch könnte Meta ja jetzt eine ganze Reihe von Diskussionspunkten zusätzlich mit Abräumen.
28:44 Dennis Horn
Ja, mit Abräumen, aber vielleicht auch ein bisschen auslösen, weil es ist ja schon ein wildes Ding, gerade aus Datenschutzperspektive. Dass die Menschen, also die DatenschützschützerInnen, immer Sorge hatten, jetzt wollen sie unseren Personalausweis, wenn wir uns verifizieren lassen wollen, und jetzt geht es sogar noch weiter, jetzt wollen sie unseren Personalausweis und wollen dafür auch noch 15 Dollar im Monat. Also aus Datenschutzsicht ist das eine ganz eigenartige Rechnung natürlich, dass man dafür Geld bezahlt, dass man sich quasi als echten Menschen identifizieren lassen kann.
29:18 Gavin Karlmeier
Ja, ja, aber an der Stelle ist es ein absolut freiwilliges Eingehen auf dieses Angebot. Noch.
29:26 Dennis Horn
Also, was für mich da ja als Frage dran hängt, weil du das so sagst. Ich kann mir ehrlicherweise perspektivisch nicht vorstellen, wenn es ein großes Feedback darauf geben wird, dass das der Funktionsumfang von MetaVerified bleiben wird.
29:39 Gavin Karlmeier
Nee, das glaube ich auch nicht.
29:40 Dennis Horn
Ich glaube, es wird irgendwann tatsächlich dazu kommen, dass du eine Facebook-Gruppe erstellen kannst, zu denen nur verifizierte Zugang kommen. Genau, genau. Und so weiter, dass du Kommentare nur noch von Verifizierten zulasst und so weiter.
29:52 Gavin Karlmeier
Und also aus der Debatte der vergangenen Jahre, die ja auch ein bisschen gezeigt hat, dass Menschen erst aufführen mit zum Beispiel Hasskriminalität, wenn sie überhaupt feststellen, bemerken und spüren, dass sie da was Verbotenes tun. Es gab ja da auch immer ein sehr großes Unrechtsbewusstsein. Von dem so die Schwerpunktstaatsanwaltschaften gesprochen haben. So aus dieser Debatte heraus finde ich das doch schon interessant, sich das anzugucken, was da jetzt passiert.
30:27 Dennis Horn
Es fühlt sich alles ein bisschen, ich finde, es fühlt sich ein bisschen dystopisch an, wenn man das mal so dekonstruiert und sagt, okay, es gibt dieses eine große Unternehmen, das betreibt. mindestens einen Großteil der sozialen Netzwerke, die die Menschen so benutzen. Und da schickt man sein Personalausweis hin und dann zahlt man 15 Dollar im Monat und dann wissen die, dann gibt es quasi ein Profil, das alle diese Konten zusammenführt. Das Ist schon der, äh, das fühlt sich schon an wie der Albtraum von solchen, ähm, von so Orwell-Menschen
30:57 Gavin Karlmeier
Ähm, Katie Notopoulos von BuzzFeed hat getwittert, dass sie sich fragt, was LinkedIn jetzt denkt. Weil da ist der billigste Aboplan sind irgendwie 40 Dollar pro Monat.
31:12 Dennis Horn
Und da gibt es nicht meinen Haken für. Dafür gibt es noch nicht meinen Haken.
31:14 Gavin Karlmeier
Ich glaube, da gibt es das goldene LinkedIn-Symbol für, aber wir wollen natürlich haken. Also vielleicht nochmal, um den Rückschluss zum Thema unseres Podcasts hier zu finden, nämlich Twitter. Wenn Meta jetzt mitzieht. Und auch so ein Abo-Modell mit blauem Häkchen, das einfach oberflächlich gleich aussieht wie Twitter Blue, schafft, dann ist das am Ende natürlich auch in irgendeiner Form eine Legitimation für Twitter. For Elon Musk, diesen Weg zu gehen, sozusagen bestätigt von den Großen, was er da jetzt macht. Und damit eben Social Media, wie wir es bisher kennen. Kennen, grundlegend zu verändern. Ich frage mich dann auch, was das für Plattformen bedeutet, die weiter kostenfrei bleiben werden für Mastodon. Und andere, ob die dann nicht auch Leute anziehen, die bei Facebook, Instagram, Twitter nicht zahlen wollen und dort keine Reichweite mehr bekommen, also wie sich sozusagen auch die Plattformen außerhalb dessen verändern werden. Da erwartet uns ein spannendes Jahr.
32:18 Dennis Horn
Ja, ey, voll. Ich finde, das ist tatsächlich wirklich, wie du schon gesagt hast, eine der größten Meldungen, vermutlich, die wir dieses Jahr so erleben werden in der Tech-Welt.
32:27 Gavin Karlmeier
Dann gehen wir noch die Kleinigkeiten durch, oder? Die wir, die jetzt, ähm, die sich keinen blauen Haken bei uns im Podcast gekauft haben und deswegen hinten raus so ein bisschen jetzt kurz abgehandelt werden. Das eine ist die Geschichte über die Kinks. Das ist fantastisch. Also, die Kings sind was für eine Band? Kennst du, du bist was so ein Musik? Conasseur.
32:53 Dennis Horn
Ja, sagt man so, ne? Die Kings sind so eigentlich so eine der Ur-Rock-Bands, so eine Beatband der 60er, äh, 60er, 70er Jahre. Und also die kennt man eigentlich. Kanntest du die Kings? Ja, du kannst jetzt die Kings natürlich.
33:08 Gavin Karlmeier
Also den habe ich schon mal gehört. Ich habe nochmal in der Wikipedia nachgeguckt, die werden da ja tatsächlich in einem Atemzug genannt mit den Beatles, The Who, Rolling Stones.
33:17 Dennis Horn
You really got me, ist so der Absoluter Megastong.
33:21 Gavin Karlmeier
So, und Kink, wir BerlinerInnen wissen das, weil wir im gleichnamigen Laden mal wunderschön essen waren. Viele Grüße. Heißt aber auch Tick, Schrulle, kleine Perversionen und ungewöhnliche sexuelle Vorlieben. auf Deutsch übersetzt. Und deshalb blendet Twitter, wenn man den TikTok-Account von The Kings verlinkt. Großartig. 60er Jahre Band hat einen TikTok-Account. Blendet Twitter die Warnmeldung ein, dass hier Sensitive Content dahinter stecken könnte. So, und wie heißt der Kai von den Kings Dave Davis? Ja, genau. Bittet Elon Musk jetzt darum, das zu stoppen, weil The Kings ist ein Markenname seit 1963 und man will doch nur die eigene Musik promoten. Ich weiß noch nicht mal, ob das eine KI da ist, die da im Einsatz ist, oder einfach nur so ein paar Suchbegriffe wie Kink und dann kommt einfach die Warnung.
34:17 Dennis Horn
Kann schon sein, ne? Aber also f dass die nochmal anecken, hätten die wirklich, glaube ich, nicht vermutet.
34:25 Gavin Karlmeier
Da ist ein bisschen Kritik drin, oder?
34:27 Dennis Horn
Nein, nein, nein, gar nicht. Nee, die sind halt, also die hatten halt, das ist eine Band von 63. Was meinst du, wie spannend die letzten 20 Jahre waren, Dennis?
34:35 Gavin Karlmeier
Ja, sind liebe Opis oder was?
34:37 Dennis Horn
Ja, ich krieg bestimmt Haue dafür, dass ich das gesagt habe.
34:42 Gavin Karlmeier
Aber die diesmal nicht beim Mastodon, sondern bei Laut FM oder so.
34:46 Dennis Horn
Last FM, genau.
34:47 Gavin Karlmeier
Last FM. So, und dann haben wir noch ein paar Typo-Diskussionen hier. Was haben wir da? Einmal diese langen Tweets, ne? Also da haben wir ja schon darüber gemeckert, dass da mit der Schriftart Größe, Abständen und so weiter, also das ändert sich jetzt, weil kleinere Schriftart bessere Abstände. Da wurde endlich ein bisschen dran gedreht.
35:12 Dennis Horn
Finde ich super, weil das ist ja, die Neuerung sollte letzte Woche eingeführt werden und es wurde gesagt, es wird einer besseren Lesbarkeit gearbeitet. Und was de facto verändert wurde, die Schriftart hat sich verkleinert. Also wenn das eine Woche dauert, dann, naja, aber wer soll das auch sonst machen da?
35:27 Gavin Karlmeier
Und dann, und das finde ich ja eigentlich noch viel interessanter. Formatierung in normalen Tweets, fett kursiv unterstrichen.
35:36 Dennis Horn
Wie finden wir das? Unerträglich, ehrlicherweise.
35:42 Gavin Karlmeier
Also Irgendwann kam ja mal die Phase, wo man plötzlich Absätze machen konnte in Tweets, ne? Da ging das ja mit los. So? Und jetzt eben das auch noch. Findest du das unerträglich? Also, das kann doch helfen hier und da.
35:56 Dennis Horn
Ja, ich will nicht immer wieder dasselbe Lied singen hier, ne? Mach mal.
36:03 Gavin Karlmeier
Das ist ein Song von den Kinks, den du singst.
36:06 Dennis Horn
Aber dieses Angreifen des des eigenen USP. Ich weiß, du bist da ein bisschen anderer Meinung als ich. Ich finde, ich kann mich damit arrangieren, dass man sagt, okay, Threads werden jetzt meinetwegen in einem Land. Tweet zusammengefasst. Das ist alles noch nachvollziehbar. Aber dass jetzt plötzlich dieser Minimalismus, der Twitter ja eigentlich ursprünglich mal ausgemacht hat, du schreibst da was rein und dann lesen es Menschen, dass der jetzt auch noch so verändert wird, dass du vermutlich bald auch noch bunt Tweets schreiben kannst. Das ich fühle das nicht.
36:36 Gavin Karlmeier
Weißt du, was ich plötzlich fühle? Also jetzt, wo du nochmal USP gesagt hast. Ich würde infrage stellen, ob das jemals der USP war. Ich würde sagen, der USP ist Echtzeit. Und solange das gewährleistet ist, ist das alles in Ordnung.
36:54 Dennis Horn
Auch das, also, naja. Also, nee, du hast auf jeden Fall recht. Echtzeit ist so das stärkste Zugpferd, das Twitter hat, definitiv. Aber diese, ich sehe diese Einfachheit. die Twitter, zumindest für mich, immer wertstabil auf den vorderen Plätzen meines persönlichen App-Rankings gehalten hat. Die sehe ich gerade gefährdet.
37:18 Gavin Karlmeier
Okay, also da kommen wir zusammen. Echtzeit nur mit Einfachheit und die muss gewährleistet bleiben.
37:26 Dennis Horn
Ja. Ja, auf jeden Fall. Aber in dem Moment, wo du halt anfängst, daran so rumzudoktern, aber das ist ja jetzt auch, wie gesagt, das ist ein altes Lied, weil wir hier ja auch schon Video-Empfehlungen und Spaces-Empfehlungen und was weiß ich alles schon hier überall bekommen. Die Einfachheit, die steht sowieso schon auf der Kippe. Aber ich, also die fetten Tweets werden die Plattform nicht ruinieren, sie werden sie aber auch nicht retten. Gut. Finde ich. Was ist denn? Findest du es gut?
37:56 Gavin Karlmeier
Also, ich gucke mir das gerne erstmal an. Ich habe jetzt Screenshots gesehen, wo das natürlich komplett übergenutzt wurde. Aber das ist doch, wenn, also wenn du einen längeren Tweet schreibst und jetzt irgendwie auch optisch die Möglichkeit hast, eine Überschrift auch kenntlich zu machen und so weiter. Ich finde das jetzt erstmal nicht falsch.
38:14 Dennis Horn
Okay.
38:15 Gavin Karlmeier
So. So, zwei Sachen noch auf dem Zettel. Erstens: die Klagen, die gegen Twitter im Rennen sind Belaufen sich auf Summen, um die es da geht, von mittlerweile 14 Millionen. Also, oder nee, nee, anders. Es sind Klagen auf Basis unbezahlter Rechnungen. Und die haben einen Wert von 14 Millionen US-Dollar. So? Berichtet das Wall Street Journal. Vielleicht nur, um kurz nochmal eine Zahl in den Raum zu werfen.
38:49 Dennis Horn
Ja, ist eigentlich auch eine sehr vergleichsweise kleine Zahl im Verhältnis zu dem, was Twitter sonst so an Zahlungen zu leisten hat. Und ist ja so ein bisschen dieses Tütter zahlt keine Mieten, ähm, macht keine Steuererklärung und bezahlt einfach grundsätzlich keine Rechnungen. Ich schätze, dass die Zahl aber noch steigen wird in den nächsten Wochen und Monaten.
39:10 Gavin Karlmeier
Das glaube ich auch, weil manchmal bis sowas dann diesen Status erreicht, damals ja auch eine Weile. So Landlords, Consultants und Vendors. In den vergangenen Monaten, da kommen die auf diese Summe. Und dann habe ich noch eine interessante Geschichte aus Deutschland, die wir hier offiziell mit dem Haken-Dran-Podcast unterstützen möchten. nämlich einen Aufruf der Deutschen Nationalbibliothek und dem Science Data Center for Literature. Die möchten ein möglichst vollständiges Archiv deutschsprachiger Tweets erstellen. Habe ich erstmal gedacht, schade, werden meine nicht mehr mit drin sein, weil sie sind schon gelöscht. Aber aus diesem Aufruf möchte ich gerne zitieren und lese das mal kurz vor. Twitter und das Twitter-Archiv sind für viele wissenschaftliche Disziplinen eine wichtige Forschungsquelle. Mit der Übernahme von Twitter durch ein Investorenkonsortium um Elon Musk ist die Plattform in Turbulenzen geraten. Twitter hat bereits mit dem Umbau der Plattform begonnen und weitere Änderungen sind zu erwarten. Nutzende haben sich in mehreren Wellen von Twitter distanziert oder ganz verabschiedet. Aufgrund dieser Entwicklungen erscheint der wissenschaftliche Zugriff auf das Twitter-Archiv zunehmend unsicher. Aus kulturgeschichtlicher und archivarischer Sicht ist es dringend erforderlich, wenigstens einen Teil des Twitter-Archivs zu sichern. und zu bewahren. Seit dem Start von Twitter sind rund vier Milliarden deutschsprachige Tweets veröffentlicht worden. Über die Academic Access API Ist der Zugriff auf das gesamte Twitter-Archiv und ein Download von maximal 10 Millionen Tweets pro Monat möglich? Für diese 4 Milliarden Tweets braucht es also mit einem Account 400 Monate. Mit 400 Accounts, aber nur einen Monat, um das deutschsprachige Twitter herunterzuladen. Und jetzt rufen die Deutsche Nationalbibliothek und das Science Data Center for Literature dazu auf, wenn ihr einen Academic Access zu Twitter-AP habt, meldet euch per E-Mail. Die Adresse lautet warchiv. dnb. de. DNB. Ihr bekommt dann eine Einverständniserklärung erstmal zur Verarbeitung eurer personenbezogenen Daten Und da keinen blauen Haken. Und dann einen Link zu einer Web-Anwendung und ein Passwort für den Archivserver. Und wir beide finden, das ist eine gute Sache.
41:33 Dennis Horn
Ja. Ich finde es mega. Also ich finde, das muss man auf jeden Fall unterstützen und sowas muss der Nachwelt erhalten bleiben. Weil das bedeutet ja nicht nur dass wir jetzt gerade dieses in Turbulenzen geratene soziale Netzwerk für die Nachwelt erhalten, sondern auch ganz grundsätzlich einfach für eine Nachwelt erhalten, Weil es hätte alles passieren können mit Twitter, die Plattform hätte auch ohne die Übernahme durch Elon Musk immer in pleite gehen können und das alles mal festzuhalten, was da eigentlich so in die Welt gesetzt wurde. Und das sind ja eben. Klar, auch viele akademische Sachen, aber es ist halt auch einfach ein Abbild der Gesellschaft, die die letzten zehn Jahre geh und erlebt hat. ähm, die man festhalten sollte, die, die erhaltenswürdig ist. Auch wenn das da durchwühlen vermutlich umständlich ist. Aber ja hey, die letzte Sendung wetten das und die erste Sendung wetten das, sind alle da da protokolliert worden. Und auch wenn das so Kleinigkeiten sind. So haben halt Menschen darauf reagiert und das sollte man mitnehmen.
42:28 Gavin Karlmeier
Aber natürlich auch einfach relevante Debatten. Auch Hashtag aufschreiben. der dann in Deutschland noch, noch vor MeToo, glaube ich, echt die Runde gemacht hat und einiges bewegt hat und dann auch auf Die Debatte außerhalb von Twitter aufgeschlagen ist und viele andere genauso. Ich finde das ein sehr wichtiges und gutes Projekt.
42:51 Dennis Horn
Definitiv, ja.
42:53 Gavin Karlmeier
Und damit verabschieden wir uns für heute. Hören uns morgen wieder.
42:58 Dennis Horn
Ja, ich wünsche dir einen schönen restlichen Aschermittwoch.
43:02 Gavin Karlmeier
Ah, merci. Same to you. Bis morgen.
43:06 Dennis Horn
Bis morgen.