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Folge 582 · 29. Mai 2026 · 1:03 Std.

API et Orbi

mit Stefan Schulz

Wir versloppen uns zu Tode: Der Papst hat eine Meinung zu KI – und sie fällt sehr deutlich aus. Die KI ist kein Mensch, die Tech-Broligarchie ist moderner Kolonialismus, KI muss entwaffnet werden und unsere Daten gehören uns und nicht denen, die sie verarbeiten. Über diese Deutlichkeit, über den Widerstand, den wir dagegen aufbringen müssen und warum der Innenminister gegen ein Social-Media-Verbot für Minderjährige ist – das alles heute. Der Podcast zum größten Raubzug der Menschheit gegen die Menschheit.

➡️ Die Enzyklika im Volltext: https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

➡️ Gavins Gedanken zur Enzyklika in geschriebener Form: https://gavinkarlmeier.de/ist-claude-ein-kind-gottes/

➡️ Gavins Internetgameshow auf der re:publica, ”Wer wird Social-Medionär?”: https://www.youtube.com/watch?v=3U6WHBayvxM

Kapitelmarken

KI-unterstützt

  1. Salve Stefan!
  2. Die päpstliche Enzyklika zur Künstlichen Intelligenz
  3. OpenAI löst 80 Jahre altes mathematisches Rätsel
  4. Gescheiterte Unternehmen verkaufen alte Slack-Chats und E-Mail-Archive zum KI-Training
  5. Altersverifikation und der Schutz von Open-Source-Systemen in Kalifornien
  6. Innenminister will kein Verbot, Prien will es nicht so nennen
  7. Soziologie der Abneigung
  8. Auswirkungen des australischen Social-Media-Verbots auf den Nachrichtenkonsum

Transkript

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00:01 Intro

Haken dran, das Social Media Update der CT.

00:06 Gavin Karlmeier

Hallo Stefan. Hallo Gavin. Ich wollte eigentlich Salve sagen, aber jetzt ist zu spät. Kommen wir gleich zu. Bei mir ist heute Stefan Schulz, Soziologe, Journalist, Podcaster. Ihr kennt ihn von den 29ern, ihr kennt ihn vom Fernsehpodcast, ihr kennt ihn aus dem Internet. Und ich freue mich immer, dass du hier bist, weil wir so, ich finde, wir haben so eine Magie zusammen.

00:26 Stefan Schulz

Ich weiß nicht, ob es ja auch so geht. Ja, wir hatten sehr gute Magie zusammen. Jetzt habe ich auch ein bisschen den Modus Operandi verstanden. Ich war ja am Wochenende bei dir in Köln, bei der PowerPoint-Karaoke und da habe ich fast überlegt, wenn jetzt nicht Gavin vor mir stünde, der eine PowerPoint-Karaoke macht, müsste ich ihm unbedingt von diesem einen Podcaster erzählen. der die Gäste immer einlädt und ihnen vorher 100 Seiten Text schickt, weil das ist dann wie PowerPoint-Karaoke.

00:52 Gavin Karlmeier

Nur dass es bei PowerPoint-Karaoke ja das Gegenteil ist. Also es gibt die 100 Seiten Dokument, aber nur ich kenne sie.

00:58 Stefan Schulz

Ja, aber das ist in dem Fall auch ein bisschen so. Denn zwischen 18 Uhr und 9 Uhr morgens Sitzt man typischerweise nicht da und liest 100 Seiten, die einen Gavin geschickt hat für Haken dran, sondern man schläft dann und wacht dann morgens auf und ist gespannt, welches Thema du jetzt als erstes aufhörst.

01:16 Gavin Karlmeier

Ja, ich freue mich. Aber das ist so toll, weil die Gäste gehen so unterschiedlich mit diesen Dokumenten um. Also es gibt welche, die aus Prinzip den Link gar nicht erst anklicken. Und sagen, das ist mir eh zu viel. Finde ich auch fair, ist okay. Weil ich sage dann immer, ich muss das ja meinen Gästen auch so erzählen können, dass die Hakis da draußen das auch verstehen. Und wenn ich das nicht hinkriege, dann bringt es mir auch nichts, wenn du es kennst. Und dann gibt es die Leute, die machen sich so Notizen seitenweise und sind quasi so kommen dann mit so einer wie so ein Lektürenschlüssel.

01:44 Speaker 4

Ja, ja, genau.

01:45 Gavin Karlmeier

Schön. Werbung

01:48 Speaker 4

Warum akzeptieren, dass die Website immer wieder offline ist? Warum Kunden warten lassen, bis die Seite endlich lädt? Und warum sich um Backups kümmern müssen, statt sich aufs Geschäft zu konzentrieren?

02:01 Gavin Karlmeier

Mit dem Premium-Hosting von Ionos sichern Sie sich höchste Performance, Dreifach-Speed und maximale Verfügbarkeit für Ihren Online-Auftritt oder Shop zum Spitzenpreis. Also, warum nicht direkt starten? Testen Sie es jetzt kostenlos. Ionos Digital an ihrer Seite. Ich möchte mit dir zuerst natürlich, wir haben nämlich am Wochenende schon darüber gesprochen und es hat uns beide die Woche, glaube ich, stark beschäftigt. über den Papst sprechen. Für die, die es nicht mitbekommen haben, der Papst hat seine Enzyklika vorgestellt. Ein 100-seitiges Dokument, verpackt in 145 Snackable absetzen, in denen er sich mit künstlicher Intelligenz im Ganzen auseinandersetzt. Um da so ein bisschen Kontext zu liefern. Das Thema KI beschäftigt den Papst schon länger überhaupt Technologie und die Übermacht der Technologieunternehmen beschäftigt den Papst schon länger. Und wir haben vor einigen Wochen hier auch schon mal darüber gesprochen, dass der Vatikan im Gesamten als. Konstrukt schon einmal Abgesandte, der KI-Unternehmen eingeladen hat, vor allem Anthropic, um zu diskutieren, wie eigentlich Klot wahrgenommen werden soll. Ist es Teil der Schöpfung? Ist es ein Kind Gottes und so weiter und so weiter? Einer der Chefs von Anthropic Christopher Oler war jetzt auch dabei, als dieser Enzyklika am Pfingstmontag vorgestellt wurde, ausgerechnet an Pfingstmon Montag, dem Geburtstag der Kirche. Und es stand daneben, wie dieser Text vorgestellt wurde, in dem eigentlich klargemacht wurde: Ja, also alles, was du uns hier erzählt hast, lieber Anthropic Mann, war uns egal. Das ist so die Kurzfassung. Aber wie ist deine Lesart, dieser Enzyklika, bevor wir inhaltlich reingehen?

03:35 Stefan Schulz

Ja, also ich bin gar kein Christenmensch. Ich stehe trotzdem gerade unter erheblichen Einfluss, da ich letzte Woche das erste Mal überhaupt im Vatikan war, um mir auch mal Petersdom und Sixtinische Kapelle und so anz Zu schauen. Ich bin also immer noch schwer beeindruckt davon, dass das überhaupt möglich ist. Zweitens davon, dass es eben nicht einfach nur ein Museum ist, nur weil man alte Sachen sieht, sondern das ist ja. Ein Amtssitz in Full Swing, wie man sagen würde. Und da werden eben nicht nur Enzyklikas geschrieben, sondern da werden eben auch diese Konferenzen abgehalten. Und dieses ganze Gefüge, dass sich diese Enzyklika-Texte schon seit einer Weile nicht nur an die Gläubigen, sondern an alle Menschen guten Willens richten. Und damit auch an mich, weil ich bin nicht gläubig, aber Mensch guten Willens, ja. Ist auch sehr besonders. Insbesondere, dieser Pfingstmontag war nicht nur Geburt der Kirche, was man zu Pfingsten so feiert, also plötzlich ist der Heilige Geist und so, sondern es ist ja von Leo nicht nur. Als Text in eine Tradition gestellt, sondern Leo selbst stellt sich an eine Tradition. Leo IV. , Leo der XII. diese Geschichte sollte sich inzwischen rumgesprochen haben. Also das ist wirklich wichtig, dass es schon mal eine Enzyklika gab, die sich um diese zentralen Fragen. Es gibt Entwicklungen in der, ich schärfe mal auf, Arbeitswelt. Wir haben eine Industrie, Roboter sind viel stärker als Menschen. Wie gehen wir damit um? Wer hält unser Schicksal in der Hand, wenn der Roboterarm ja einfach 10 Tonnen heben kann und so? Und in dieser Tradition steht das. Und wir wissen, und das finde ich in dieser Enzyklika jetzt aktuell, Sehr stark und obwohl sich auch sehr viele unserer Internetpäpste, Jeff Jarvis, Scott Galloway und so, in ihrem Podcast dazu sehr ausführlich geäußert haben, kommt eine Sache mir doch zu kurz, denn In der, sagen wir jetzt mal, ersten Enzyklika zum Thema von Leo XIII. ging es darum, 1890 mal eine Idee davon zu fassen, wie verhalten wir zu uns, zur Industrie und dem Menschen in der Industrie. Und 50 Jahre später fand einfach industrieller Massenword statt. So, und jetzt haben wir eben hier einen Papst, der sich nochmal. wirklich in die Bresche wirft, um einfach für Vergebung von 1800 Jahren Verirrung auch der Kirche gegenüber zum Beispiel der Sklaverei zu äußern. Also solche Bekenntnisse finden wir da drin. Der Holocaust wird nochmal, ich würde jetzt sagen, also wird auch direkt erwähnt, aber auch indirekt vor allem, indem nochmal dargestellt wird, das, was aus dem Holocaust folgte, also die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte und die Gründung der Vereinten Nationen. Das ist sozusagen, das wird richtig als Schulterschluss zwischen Kirche und Welt deklariert. Also der Papst verweist aktuell darauf, das war eine Hochzeit der Menschheit, ein wichtiger Moment der Zivilisation als die Lehren der Kirchen plötzlich ganz profan aufgeschrieben wurden und als politische Doktrin für alle gelten. Und er markiert jetzt diesen Moment, wo wir an diesem Keiner weiß noch nicht richtig, was KI ist. Der Papst bietet selber Definitionen, die ich hochinteressant finde in der Enzyklika. Um nochmal einen Moment zu markieren, wo wir nicht wissen, wie sehen eigentlich die nächsten 50 Jahre aus. Was passiert 2039? Was passiert 2045? Kommt man 2046 entweder durch eine Katastrophe oder durch eine große Leere, wo die Kirche jetzt mal nicht zu spät sein will? Zu einer neuen Deklaration von Menschenrechten und was müsste da eigentlich drin stehen? Also es ist sozusagen ein Text, der jetzt veröffentlicht wird und über den man sehr viel reden kann. Aber dieser Text steht zum einen in einer großen Tradition und er wirft sozusagen eine wirkliche Fahrrinne voraus, ja, für die der Papst einfach sagt, den Weg könnten wir jetzt beschreiten und zwar alle zusammen. Oder wir warten einfach die Katastrophe ab.

07:24 Gavin Karlmeier

Ich finde das super spannend, weil du, also ich habe mich da in den letzten Tagen so ein bisschen dolmend beschäftigt, auch mit diesem Text. Und immer wieder kam natürlich das Gegenargument, ja gut, der Papst redet viel so und man kann auch die Kirche kritisieren und so. Aber der Grund, warum man ja trotzdem darauf schauen sollte, warum dieser Text existiert, ist abgesehen von all den Argumenten, die du gerade geliefert hast, ja auch die Tatsache, dass der Papst ja zumindest. . in seiner Funktion jemand ist, der von eins komma vier Milliarden Menschen angehört wird. Das heißt, das ist jetzt nicht irgendeine kleine Interessensgruppe, die jetzt mal ihre Standpunkte aufgeschrieben hat. Es ist jetzt nicht das Positionierungspapier der SPD zum Social Media Verbot, sondern es ist halt wirklich eine weltum spannende Positionierung. In einer Veränderungsphase, die wir ja seit Jahren so nicht erlebt haben. Und was ich so faszinierend finde, ist, dass auf der Meta-Ebene dieses Textes auch mit biblischen Bildern so viel gearbeitet wird, in der immer wieder gesagt wird Also, wir müssen jetzt mal aufpassen, dass das Ding hier nicht in die Hose geht. Also, er bezieht sich zum Beispiel, das fand ich eigentlich, da kam der Rallye-Unterricht der Oberstufe bei mir durch, am faszinierendsten geht, er bezog sich im Beginn des Abschlusses der Enzyklika um die Korinther. Und für die, die sich nicht erinnern, Korinth ist ein kleiner Ort, war früher ein sehr großer Ort in Griechenland, wo eine Gemeinde gegründet wurde von einem der Urmissionare, von Paulus. Und der hat eine Kirche gegründet und dann ist er da weggegangen, und plötzlich war diese Gemeinde, die er da gegründet hat, hat und verlassen hat, da war komplett alles verloren sozusagen. Also die ganze christliche Struktur war hinüber, es wohl in der in dem Brief an die Korinther, den es ja nämlich in der Kirche gibt, äh, in der Bibel gibt, Wird von sexueller Unzucht gesprochen und so. Also es war wirklich verlorenes Land. Und dann hat eben Paulus zwei Briefe geschrieben an die Korinther, zumindest zwei, die in der Bibel dokumentiert sind. Und diesen Brief zitiert der Papst in seiner Enzyklika, weil da drin auch steht, jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Also so diese nach dem Motto, hier ist jetzt was, ihr könnt damit was machen, aber bitte macht's nicht scheiße. Und diese grundsätzliche Beobachtung, er bezieht sich ja auch auf den Turmbau zu Babel, zitiert er auch, und sagt, die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht vor einer entscheidenden Wahl. Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen. Also er baut schon dieses Szenario auf, dass wir gerade an einer kritischen Stelle stehen, an der wir gut aufpassen müssen, wie wir uns verhalten.

09:51 Stefan Schulz

Ja, auch er hat ja auch, das hat ja selbst das CDF eine Infokachel dazu gemacht, Gandalf zitiert. Ich glaube jedenfalls, es ist Gandalf.

10:00 Gavin Karlmeier

Er kommt gleich nach Grog zitieren, wenn man gefragt hat, was da eigentlich los war.

10:04 Stefan Schulz

Genau, so. Aber dieses Zitat ist ja wahnsinnig interessant und das passt ja auch zu diesen Korinther-Anleihen, die er da macht. Also, der sehr katholische Autor Tolkien schreibt also oder legt seinen Protagonisten in den Mund. Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, die wir beschränkt sind zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten. Und jetzt Damit die jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden. Also diese schicksalhaften Zeiten, über die wir hier immer historisch sprechen und von denen der Papst jetzt warnt, ist, dass jetzt gerade Entscheidungen getroffen werden, die sehr viele künftige Biografien von Menschen, die noch gar nicht geboren sind, entscheiden. Also Anna Frank hat sich nicht Weil sie Spaß hatte, im Schrank versteckt, wie das viele andere Kinder tun, sich halt verstecken spielen, sondern sie musste. Sie selber hatte gar keine Entscheidungshoheit, irgendwie in ihr Schicksal einzugreifen. Diese Entscheidung wurde einfach zehn Jahre vor ihrer Geburt gefällt So, und jetzt gerade werden auch Entscheidungen gefällt. Und der Papst merkt an: jetzt gerade ist es entweder der Notfall oder die Gier, die die Handlung steuert. So, und er erinnert nochmal, Und das ist eben dieser, äh, auch Paulus, diese Briefe, ja, in denen immer wieder drin steht. Nee, also ihr könnt jetzt nicht einfach flüchten aus dieser Welt, in die ihr geboren seid. Ihr müsst jetzt hier mal Entscheidung treffen. Er koppelt das dann wieder zurück, das durchzieht ja den ganzen Text, ja nicht nur am Anfang. Dieser Turmbau zur Babel. Also, wir sind einfach in die Höhe getrieben, ja, so Stein auf Stein. Das ist die einzige Logik: Stein auf Stein und dann gucken wir mal, wo wir bleiben. Und am Ende funktioniert alles nicht, ja. Oder wir bauen halt diese Mauer um Jerusalem wieder neu, um dann mit Gott zusammen da Gesellschaft zu gestalten. Und zusammen mit Gott heißt halt. . Gott tritt nur in den Beziehungen zwischen den Menschen überhaupt so in Erscheinung, dass man sagt, oh ja, ich habe hier gerade fügungshafte Momente erlebt. Das kann man mit einer KI nicht reproduzieren. Und da finde ich diese Anmerkung vom Papst, ja, egal wie toll wir es finden, egal was wir für Erfahrungen machen, egal was wir Inhaltlich lernen, die Auseinandersetzung mit KI ist reine Informationsverarbeitung. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Das ist reine Informationsverarbeitung. Wir können damit Beziehungsgestaltung vorbereiten. Ja, das Spiegel Online hat jetzt so ein Text, wo in der Überschrift einer eines Gesprächs mit einer Scheidungsanwältin stand. Ich kenne Männer, die schreiben nur noch mit KI Briefe an ihre Ehefrauen. Und so, ob von dieser Ehe schon nichts mehr übrig ist und man nur noch Aus finanziellen Gründen zusammenbleibt, also was macht man? Man sagt der KI, was man will, die formuliert dann einfach den Brief und das ist dann sozusagen die Reste sozialer Beziehung. So, und das, was im Journalismus gerade als so traurig gilt Dass man den letzten Ausweg KI, um noch mit Leuten, an denen man aus Gear-Gründen, weil man 1000 Euro im Jahr Steuern sparen will oder so, ja, gebunden ist. Dass das plötzlich Modus Operandi der Gesellschaft wird. Und ich finde, diese Gefahr ist tatsächlich sehr hoch. Also, man kann auch diese Enzyklika die ganze Zeit lesen und denken, ja, ist doch selbstverständlich, ist doch klar, wieso schreibt er das nochmal auf? Wieso geht er da nicht ins Detail? Aber wir sehen gerade, wie verirrt wir eigentlich sind.

13:26 Gavin Karlmeier

Voll. Und das hat er ja, also ich finde zum Beispiel, dass er sich auch mit dem Grundbegriff der künstlichen Intelligenz beschäftigt und sagt, es gibt gar keine eindeutige umfassende Definition von künstlicher Intelligenz. Fest steht doch, dass das Missverständnis zu vermeiden ist, diese Intelligenz mit der menschlichen gleichzusetzen, diese Systeme ahmen bestimmte Funktionen der menschlichen Intelligenz nach. Sie übertreffen uns an Geschwindigkeit und Rechenleistung und bieten in zahlreichen Bereichen konkrete Vorteile. Das hat jedoch ausschließlich mit Datenverarbeitung zu tun. Sie haben keine Erfahrung, besitzen kein Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz. Reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht vom Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben kein moralisches Gewissen, sie unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, sie erkennen nicht den eigentlichen Sinn von Situationen und sie nehmen die Last der Konsequenzen nicht auf sich. Sie haben nicht einmal ein moralisches Gewissen. Sie unterscheiden. . Achso, das ist der gleiche Text, ich habe ihn nochmal. Copy and Paste, wäre euch nicht aufgefallen. Aber das ist nämlich genau das Ding. Also diese, diese Grundsätzliche Definitionsfrage, die weiß er ja hier eigentlich von sich und sagt: Egal was das ist, es ist kein Mensch. Und das kann man schon, wie du schon sagst, eigentlich auch, obwohl das offensichtlich ist, nicht oft genug betonen. Weil wir eben doch Gefahr laufen, dass man sich in diese Idee hineinverliebt, der Computer könnte uns jetzt gerade Probleme lösen, die wir selber als Menschen nicht in den Griff kriegen.

14:44 Stefan Schulz

Genau, also es gibt diese Stelle, die du gerade fast doppelt vorgelesen hast, ist übrigens Original in der Enzyklika doppelt rein kopiert. Also, das ist nicht von dir ein Copy-Paste-Fehler.

14:55 Gavin Karlmeier

Also ein Übersetzungsfehler.

14:57 Stefan Schulz

Nee, die haben einfach den, genau, die haben denselben Text, äh, also denselben Satz. Ist gar nicht so lang. Ja, das ist nämlich ein zentraler Punkt, ja. Und ich habe dann auch so gelesen und hab gedacht, oh nee, genau hier muss ich jetzt drüber nachdenken, ob die da irgendwie einen technischen Fehler hatten. Vielleicht Absicht.

15:13 Gavin Karlmeier

Ja, vielleicht ein kleiner Stolperstein, ja. Ja, genau, wie man in der Werbung so Störer einbaut.

15:18 Stefan Schulz

Aber es ist tatsächlich, finde ich auch, das sind so die zentralen Markierungen, denn das verwechselt man leicht. Ich finde zum Beispiel Ein großer Trend ist ja, dass man KI heute benutzt, um eigene Beziehungsfragen zu klären. Also bevor man seinen Partner konfrontiert, geht man schon mal zur KI. Und dann gibt es Texte, die so ein bisschen aufschlüsseln, ja, die KI, die Empfiehlt ja manchmal zu vorsichtig zu sein, manchmal zu forschen, die spart dann auch nicht mit Überraschung. Also man schreibt so drei Sätze, wie es gerade läuft in der Beziehung und dann nimmt die KI das aber absolut, ja. Und noch in der zwanzigsten Antwort spiegelt sich das wider, weil ja gar keine Entwicklung stattfinden kann. Auch. Man simuliert ja nur ein Gespräch, das man ja eigentlich mal führen sollte. Was bedeutet, die KI ist eine Einladung einem Gespräch, das man führen sollte, aus dem Weg zu gehen? Und dieses Prinzip kennen wir seit einer Weile. Fremde nicht mehr nach den Weg fragen, weil man hat ja Google Maps an der Kasse, die Kopfhörer nicht rausnehmen, weil man kann ja einfach mit der Karte zahlen und nee, den Kassenbon will ich nicht und das ist die einzige Information, die man überhaupt vermitteln muss und so, ja. Und hier stecken wir schon so tief drin, dass ich es auch nicht nur interessant fand. Sondern es war auch, also es hat auch, wie soll man sagen, man fühlt sich plötzlich so verstanden, dass sich jemand nochmal, es hat auch sehr viel mit diesen. Mit dieser Form der Enzyklika zu tun. Dass man denkt, okay, jetzt lese ich mal was zur KI und in Absatz 99 geht es immer noch zu den Prämissen Zu Würde, Arbeit, Liebe, Beziehung und so. Also da ist das Wort KI noch nie gefallen. Und man merkt aber, das war jetzt nicht umsonst, dass man das gelesen hat. Sondern es ist auch gut, nochmal dran erinnert zu werden oder sogar überhaupt das erste Mal eine Erfahrung mit so einem Text zu machen. Also ich habe noch nie vorher eine Enzyklika gelesen. Ich habe aber sofort den Modus verstanden und fühlte mich auch sofort aufgehoben. Also in der Hinsicht ist das in dieser schnellebigen Zeit, in der Sascha Lobo schon vor 20 Jahren vom Erlebnisschrottblocken schrieb, ja, einfach mal wieder ein bisschen wohltuend zu wissen. Da ist jetzt eine sehr große Institution, die das für mich geschrieben hat. Und, und deswegen dein Verweis auf die 1,4 Milliarden ist schon ganz richtig. Ich würde sagen, alle Menschen guten Willens, also nehmen wir mal so 8 von 9 Milliarden ungefähr oder 7 von 8. Es ist einfach ein Text, von dem man weiß, man liest ihn gerade nicht alleine. Stimmt. Also man macht gerade so eine fast Lagerfeuer-Erfahrung. Man weiß dann, okay, jetzt gerade liest, dann macht er sich Gedanken und morgen kommt ein Podcast von Scott Galloway dazu. Und das sind ja auch, das hat man ja auch ganz selten heute.

17:54 Gavin Karlmeier

Ja, absolut richtig. Also außer Wetten das und dem ESC gibt es da nicht viele Events dieser Kategorie.

17:59 Stefan Schulz

Ja, und über die lacht man eigentlich nur noch, wenn man sie sieht. Das ist ja nur noch ironische Teilnahme. Das ist hier nicht so. Keiner liest die Enzyklika ironisch, weil dann liest man sie einfach nicht.

18:09 Gavin Karlmeier

Ein sehr schönes Zitat. Was ich so faszinierend außerdem fand, war, dass der Papst, der ja eigentlich amerikanischer Bürger ist, also durchaus jemand, der in diese Welt hineingeboren wurde, viel mehr als Menschen, die in anderen Nationen aufgewachsen sind, würde ich unterstellen, dass er auch so eine Wirtschaftsebene oder eine Meta-Ebene mit reingebracht hat, weil er nennt diese Broligarchie, diese Tech-Welt, Nennt er den neuen Kolonialismus. Er sagt, in unseren Tagen zeigt der Kolonialismus ein neues Gesicht, er beherrscht nicht mehr nur Körper, sondern eignet sich Daten an, verwandelt das persönliche Leben in verwertbare Informationen. Ganze Gebiete, insbesondere jene mit geringer geopolitischer Bedeutung und größerer struktureller Anfälligkeit, werden derzeit von einer neuen Logik der Ausbeutung durchzogen. Gesundheitsdaten, epidemiologische Profile, genetische Daten und demografische Daten. Dies sind die neun seltenen Erden der Macht. Lebenswichtige Informationen, die, sobald sie miteinander verknüpft sind, dazu genutzt werden können. Vorhersagemodelle zu trainieren, Investitionsstrategien zu lenken, Krisen vorauszusehen und vor allem auszuwählen, wer und was zählt. Und ich das ist eine, ich finde so eine, also ich finde das so auf den Punkt gebracht, worüber wir hier in diesem Podcast seit vier Jahren zum Beispiel sprechen, worum es in den meisten Vorträgen, die ich auf der Republika gesehen habe, ging. Diese grundsätzliche Frage, welche Lager gibt es eigentlich heutzutage noch? Und eigentlich gibt es nur, dass die, deren Daten wichtig sind und die, die die Daten auswerten wollen. Und das finde ich eine sehr gute Beobachtung.

19:36 Stefan Schulz

Ja, aber da ist mir der Text ein bisschen zu kurz. Also, du hast jetzt schon ein Zitat vorgelesen, die seltenen Erden ist natürlich da eine witzige Analogie, weil sie ja auch gerade so eine materielle Bedrängung des Kapitalismus an sich Aufwirft, aber auch, also mir ist das da zu kurz, denn ja, Kolonialismus finde ich gut. Daten sind das Ergebnis der Beiträge vieler und dürfen nicht an wenige verkauft werden, finde ich auch gut. Dass es Schöpfer eines künstlerischen und literarischen Werks gibt. Aber mir kommt diese Ausbeutung, also dass wir es gerade mit dem größten Raubzug der Menschheit gegen die Menschheit zu tun haben. Du hast ja nachher auch im Rundown mittlerweile Chats, die man in seiner Arbeitsstelle hat und dann geht der Arbeitgeber pleite, aber diese Chats werden nochmal schnell in KI-Unternehmen verkauft für 100.

20:26 Gavin Karlmeier

000 Dollar, ja.

20:28 Stefan Schulz

Dieser Raubzug wurde mir, also das ist, finde ich, eine echte Leerstelle in dieser Enzyklika. Da wünsche ich mir, dass das später vielleicht nochmal Thema wird, wie auch immer. Aber da fand ich dann doch die, klar, man kann jetzt, also man könnte jetzt viel rauslesen aus zum Thema Arbeit, zum Thema Würde und so, was drinsteht und wie dieser Missbrauch von diesen Arbeitsergebnissen zu deuten ist. Aber da wurde mir nicht penibel genug dafür, dass beim Social Media Verbot konkret das Smartphone als Wort genannt wird, ja, für eine Enzyklika Ein bisschen ungewöhnlich, glaube ich, dass es so ins Detail geht.

21:03 Gavin Karlmeier

Ja, auch die Zeitlosigkeit muss man dann diskutieren. Ob die in 250 Jahren noch so gültig ist wie die letzte, ist natürlich dann eine zentrale Frage.

21:12 Stefan Schulz

Ja, dass hier große Eile besteht. Also dass der Papst sozusagen zum einen sich entschuldigt für, also bei der Sklaverei waren wir 1800 Jahre zu spät. Und bei der Industrialisierung haben wir im Grunde zweimal 30-jährige Papstümer, äh, Päpste gehabt, die so dass erst 1890 dann die Enzyklika zum Thema Arbeit kam. Diesmal muss man sagen, ist der Vatikan wirklich ganz nah dran. Also, ich glaube, niemand, wenn es jetzt hieße, Karin Prim macht die große Vorstellung der Kommissions, also die Kommission zum Thema Social Media Verbot. Hat jetzt das Ergebnis, ja. Niemand wartet auf den Text von Karin Prim und liest den dann. Also wir haben ihn jetzt im Fernsehpodcast. Mick hat die Clips mitgebracht, wie Karin Prim im Heuteschnall nochmal sagt: Ja, ist ganz wichtig, dass die Kinder jetzt geschützt werden und wir warten immer die Kommissionsarbeit ab. Ja, bei März würde auch niemand warten. Es gibt keinen Präsidenten, auch Donald Trump oder so. Der richtet jetzt diese ganzen Räte hier und Bondi kommt zurück und soll jetzt irgendwas mit KI machen und so. Niemand wartet auf irgendwas. Aber wie sehr die Leute Obwohl es so kurz anberaumt war. Weiß nicht, vielleicht bin ich jetzt auch, ich habe diese KI-Enzyklika lange erwartet und war ein bisschen überrascht, dass sie einfach Pfingsten kommt. Aber ich finde, sie hat doch ordentlich eingeschlagen, auch wenn jetzt. Spiegel Online und FAZ so dachten, nee, da reicht es, wenn der Rom-Korrespondent mal kurz was schreibt. Aber in meiner Medienwelt, also ich habe ja eben schon Jeff Jarvis genannt, der hat heute eine halbe Stunde in seinem Podcast drüber geredet. Scott Galloway hat einen Podcast dazu gemacht, The Wirch hat thematisiert, ja. Also muss ich sagen, ist der Papst mal Also ganz schnellen Schritt ist hier unterwegs.

22:50 Gavin Karlmeier

Ja, das stimmt. Ich glaube aber, das liegt auch an dieser Konkretheit dieses Textes. Die man vom Papst nicht gewohnt ist, also aus der Vergangenheit. Man ist immer gewohnt, dass steht dann jemand auf der Kanzel oder auf seinem Balkon Und redet so kryptisch daher, dass sich alle daraus etwas rausnehmen. Eigentlich so ein bisschen wie bei Trump. Oh Gott, das ist kein Vergleich, den wir halten können. Aber weißt du, das ist alles so stark metaphorisiert und so stark kodiert Dass es eben für möglichst viele Menschen Angebote macht. Hier gibt es keinen Interpretationsspielraum. Also, wenn hier steht, wenn ein System so konzipiert ist oder eingesetzt wird, dass es bestimmte Formen von Leben als weniger wertvoll behandelt oder sie ohne Einspruchsmöglichkeit ausschließt, führt es ein Kriterium ein, das der unveräußerlichen Würde des Menschen entgegensteht, da gibt es keinen zweiten Interpretationsansatz.

23:38 Stefan Schulz

Absolut. Absolut. Dasselbe zum Thema Krieg. Dass er selbst in der Pressekonferenz anwesend ist als Papst und dann nochmal betont, mir geht es um Entwaffnung von KI, und dann fügt er nochmal an. Ich weiß, das ist ein scharfes Wort, aber es ist nötig. Das sind schon, das ist mehr als ich mir versprochen hätte von so einer KI-Enzyklika aus dem Vatikan.

24:01 Gavin Karlmeier

Wahnsinnig spannend. Wahnsinnig spannend. Also wir packen euch, wenn ihr wollt, den ganzen Text in die Shownotes. Das ist vielleicht eine ganz schöne Samstagabendbeschäftigung, wenn die Party ausfällt oder davor. Um sich eins zu prufen.

24:11 Stefan Schulz

Morgen im 29er-Podcast auch nochmal so im Detail ein bisschen durchgehen.

24:14 Gavin Karlmeier

Ja, also ihr werdet also kriegt Content ohne Ende zum Papst. Werbung

24:23 Speaker 4

Warum akzeptieren, dass die Website immer wieder offline ist? Warum Kunden warten lassen, bis die Seite endlich lädt? Und warum sich um Backups kümmern müssen, statt sich aufs Geschäft zu konzentrieren?

24:36 Gavin Karlmeier

Mit dem Premium Hosting von Ionos sichern Sie sich höchste Performance, Dreifach-Speed und maximale Verfügbarkeit für Ihren Online-Auftritt oder Shop zum Spitzenpreis. Also, warum nicht direkt starten? Testen Sie es jetzt kostenlos. Ionos Digital an ihrer Seite. Übrigens, ich hab eine kleine andere KI-Geschichte, die ich trotzdem interessant finde, dass ich sie. mitgebracht habe, wenn der Rat schon in der Themenwelt KI sind. Und zwar hat eine OpenAI KI ein mathematisches Rätsel gelöst, das seit 80 Jahren ungelöst war, und zwar von Paul Erdosch. Ein ungarischer Mathematiker hat sogar ein Preisgeld ausgelotet damals, um sein. Plenar Unit Distance Problem zu lösen. Also es geht um die Frage, welche Anordnung für eine gewisse Anzahl an Punkten die sinnvollste ist, damit alle mit demselben Abstand verteilt sind. Und der klassische Weg war eigentlich immer, den man da so angebracht hat, naja, vermutlich ist es einfach das Viereck. Und das ist auch eine Grundlage für sehr viele Entscheidungen, wie zum Beispiel, wie Satelliten und Mobilfunkmasten installiert werden oder wo man WLAN-Router in einem großen Gebäude aufstellt. und so weiter und so weiter. Und jetzt gibt es offenbar ein Gegenergebnis, das ein Reasoning-Modell von OpenAI vorgestellt hat, das eben seit 80 Jahren niemand Vorgeschlagen hat, und zwar, weil es mit einer anderen Methode zum Ziel gekommen ist, und zwar mit der algebraischen Zahlentheorie. Über diesen Weg hat sie quasi, oder hat die Maschine an der Stelle hier einen anderen Ansatz gefunden, um sich Dem Problem zu nähern. Ich finde das irgendwie trotzdem eine spannende Geschichte, die aber, muss man auch dazu sagen, unter dem Einfluss der Enzykliker gerade jetzt nicht bedeutet, dass das eine wohlbringende, heilsbringende Maschine ist. Es ist eine Maschine.

26:23 Stefan Schulz

Also ich will es mal so deuten: Menschen haben zur Informationsverarbeitung jetzt nicht nur einen Taschenrechner. Und dezidierte Software, die typischerweise für mathematische Probleme da ist, sondern auch noch KI benutzt. Denn in diesem Text bei Heise werden ja sogar die drei Wissenschaftler, und vielleicht sollten wir unter dem Eindruck der Enzyklika diese Namen auch nennen, Denn sie sind auch lustig vorlesbar, glaube ich. Ellenberg Venkates, Golod Schafarevich und Hajamajamakrishna. Und es scheinen nur die Nachnamen zu sein, ja. Also Leute, die sich damit auskennen, sagen durchaus, man hat mit Hilfe der KI nochmal deren Ideen mobilisiert. Und dann, und das ist mir jetzt super wichtig, würde ich sagen Statt immer nur auf KIII im Sinne von Intelligenz hinzuweisen, könnte man vielleicht auch sagen, wir gehen mal auf diesen Fleiß. Die KI ist einfach fleißig. Da kann man einfach sagen, geh doch mal diesen Katalog dieses tausendseitigen Buches durch und such Ideen raus, die wir hier an Anklang bringen könnten. So, also die Intelligenz bleibt hier auf Seiten der Menschen, aber der Fleiß der Maschine, ja, der plötzlich einen neuen Charakter hat, der kam hier zur Anwendung, denn Ich glaube nicht, dass man jetzt einfach sagen kann, ah die KI hat es gemacht, also so wie du es vorgetragen hast. Also kann jetzt jeder einfach mit KI irgendwelche mathematischen Probleme lösen.

27:48 Gavin Karlmeier

Ja, du hast natürlich recht. Aber ich mag dein Bild, das du aufmachst, und das ist eigentlich vielleicht der Ansatz, den wir eher wählen müssen. dass wir der Maschine nicht das Denken überlassen sollten, sondern einfach nur die Prozesse, nach denen wir gedacht haben. Und vielleicht wäre das so eine persöne Herangehensweise, mit der man damit leben kann, dass es eben diese Maschinen nun mal gibt, die auch uns helfen kann in vielen Bereichen. Die aber uns eben nicht das Menschsein abnimmt.

28:14 Stefan Schulz

Ja, es ist also dadurch, dass der Papst das jetzt so reduziert hat auf Informationsverarbeitung. Würde ich sagen, das ist wie die Erfindung der Containerschifffahrt. Statt dass zehn Leute am Hamburger Hafen 1950 drei Säckige Getreide, ja, kommt einfach ein Container. Der ganz automatisiert 100 Säcker auf einmal in das Schiff verlädt. So, das ist jetzt nicht besonders intelligent, das ist nur super fleißig, einfach, dass die Maschine das halt kann. Und genauso ist das hier auch. Also, ich erlebe zum Beispiel in meinem Alltag und ich benutze sehr viel KI, weil ich bin ja so ein Mann-Unternehmen. Das, was mir die KI eigentlich abnimmt, ist dieser Fleiß. Gavin schickt mir 100 Seiten Text. Ich möchte einfach nur die Kennzahlen der Texte wissen, ja? Die KI macht das für mich. Dafür braucht sie nicht besonders intelligent sein. Sie muss nur wissen, was eine Kennziffer ist, was ein Text ist, und dann muss sie mir das raussammeln. So, und diese Fleißarbeit macht sie es. Und da steckt auch eine große Chance der Versöhnung drin, dass man nämlich, wenn sich die Leute immer gekränkt fühlen, nee, die KI ist nicht so klug wie ich, weil ich bin viel klüger, bla bla bla. Wenn man sagt, ja, aber sie ist fleißiger als du, würde keiner sagen, nee, also ich bin fleißiger als die KI, ja. Das würde niemand sagen. Und da kann man einen Türöffner machen, der sehr versöhnlich ist. Und auch Leuten, die sich bisher strikt weigern und auf ihre Intelligenz bestehen, einfach sagen, ja, aber fleißiger ist sie schon, oder? Und dann sagt man einfach, ja, sie ist fleißiger und damit hat man das auch wieder. Und die Mathematiker eben auch, ja. Können die einfach ins Handbuch der Dings greifen und sagen, steckt da vielleicht noch was drin? Und die KI so, ja, da steckt was drin.

29:42 Gavin Karlmeier

Ja, und man kann es ja auch andersrum versöhnlich betrachten, dass man sagt, vielleicht wäre das aber auch ein Ansatz, wenn wir Unternehmen sehen, in denen kreative Kräfte durch KI-Modelle ersetzt werden. Naja, ihr nehmt den Leuten damit ja nicht die Möglichkeit, kreativ zu sein. Da, wo die Kunst herkommt, der Menschen wird es immer mehr Kunst geben. Und ich musste so häufig an das Zitat des Take-Two-CEOs in den letzten Tagen denken, der gesagt hat Für Datenverarbeitung, für Programmierung, für alle einfach, ist es ein fantastisches Produkt Aber Kreativität schaut halt nicht zurück. Kreativität nutzt nicht nur Dinge, die irgendwo liegen, sondern versucht nach vorne zu schauen, entwickelt was Neues. Und dafür ist es dann vielleicht einfach nicht das richtige Instrument. Also ich glaube, wir sind einfach an einem Punkt, wo wir lernen müssen. Wobei hilft uns KI tatsächlich und wobei stellen wir uns einfach nur ein Bein?

30:33 Stefan Schulz

Weiß nicht, hast du die Google I. O. in voller Länge gesehen? Ich habe mir diese 35 Minuten von The Virgin angeguckt.

30:39 Gavin Karlmeier

Das Original gibt es zwei Stunden.

30:41 Stefan Schulz

Und selbst in der Zusammenfassung dachte ich irgendwann, okay, ich habe jetzt genug gesehen. Diese Idee davon, dass ich ein Urlaubsfoto von mir, wie ich auf einem Autodach stehe. Google gebe und Google mir dann die Situation zurückrechnet in 3D-Modelle und aus 16 verschiedenen Perspektiven kurze fünfsekündige Live-Snippets, wie der Wind durch meine Haare weht. Also irgendwann ist auch man hat sich wirklich satt gesehen an Sachen, ja. Wenn ich durch einen Flughafen laufe und ständig sehe ich diese sieben Meter breiten ausgedruckten Werbeplakate, die auf einem kleinen Bildschirm bestimmt super cool aussahen, aber dann hat man auf Drucken gedrückt. Und plötzlich sieht man alle Fehler doppelt so groß. Das ist auch, ich weiß nicht, ich glaube, die Menschheit wird Jetzt reden wir immer noch über das KI-Label, ja. Überall muss ein KI-Label dran. Ich glaube, wir machen einfach mal ein Label daran, wo Menschen etwas gemacht haben. Wir drehen das genau um und dann ist auch sofort erkennbar Was ist hier für mich wichtig oder nicht? Und diese ganze KI von Müllung, also Entschatification und so, ist ja wirklich noch zu weich der Begriff. Auf der einen Seite war Coring doch darauf zu früh mit dem Begriff, aber auch noch zu schwach. Also das wird glaube ich noch.

31:50 Gavin Karlmeier

Wir versloppen uns gerade komplett. Absolut. Versloppung. Was ich bei der Google auch so spannend finde, dass du sagst: Ja, ich brauche auch so einen Begriff, aber ich glaube, Versloppung ist jetzt nicht so, es nicht die Schuldung. Wir brauchen einen ganz scharfen Begriff. Wir brauchen einen scharfen Begriff. Wir denken uns einen aus. Die Google. io, du hattest nach 35 Minuten Zusammenfassung schon das Gefühl, das reicht jetzt. So ging es den Leuten im Publikum auch. Ich finde das faszinierend, wenn man in diese Präsentation. gibt, da wurden so alle, einmal in die Minute wurde das Publikum gezeigt. . Und am Anfang waren alle noch so, yeah, und nach einer Stunde saßen alle am Telefon und haben eigentlich nicht mehr zugehört. Und das sollte eigentlich auch ein Signal sein, dass man vielleicht nicht jedes kleine Gimmick, das man jetzt im Computer hat, auch noch bauen lassen, vermutlich abfeiern muss für.

32:34 Stefan Schulz

Und dann kommt der Gemini-Chef auf die Bühne und sagt noch irgendwas zur Singularität da. Also das war wirklich der Gipfel, finde ich.

32:40 Gavin Karlmeier

Wie gesagt, wir sind quasi da. Wir stehen am Fuße der Singularitäten. Na klar. Du hast es eben schon angesprochen, ich bringe das hier mal ein. Gescheiterte Unternehmen verkaufen jetzt Alte Slack-Cats und E-Mail-Archive, um KI zu trainieren. Kriegen dafür pro Mitarbeiter bis zu 100. 000 Dollar, berichtet Gizmode. Das klingt, finde ich, noch sehr viel. Aber es gibt eben solche Unternehmen, die jetzt gezielt Geld dafür ausgeben, damit andere Unternehmen ihre Daten, die Mitarbeitende generiert haben, einfach abgeben. Also Dinge, die du bei Slack geschrieben hast, bei Teams geschrieben hast, E-Mails, Dokumente, Protokolle, alles, was du produziert hast. Das geht dann, ach nee, Entschuldigung, zwischen 10. 000 und 100. 000 US-Dollar pro Unternehmen, so ist es nicht pro Mitarbeiter.

33:23 Stefan Schulz

Das ist die Realität. Ja, das ist wirklich genau das, wovor uns der Papst hier waren. Und die reden ja hier auch vom Reinforcement Learning Gym. Das sind ja auch mittlerweile so Begriffe. Das bedeutet nichts. Es bedeutet einfach alles nichts mehr. Also ich finde das. Also man kann diese Daten offensichtlich verwenden, denn im Arbeitsumfeld wird wahrscheinlich ein bisschen disziplinierter geschrieben, statt auf Twitter oder so. Weshalb der Datenbestand, der in der Arbeitswelt Anfällt ein bisschen wertvoller ist als das, was Elon Musk da verarbeitet. Entropic, du hast ja hier immer wieder die Doppelgänger, die dann sagen, ja, die haben halt zu wenig Compute, deswegen haben die einfach zu viel Geld. Machen jetzt sogar aus Versehen Gewinne und bieten dann auf solche Datensätze eine Milliarde Dollar. Also hier ist auch einfach zu viel Geld, ja, zu viel Geld und zu viel Gier und da gibt es einfach kein Korrektiv. Und da Muss man sagen, nee, da, äh, also wir haben ja in Europa Datenschutzgesetze, bei uns kann nicht einfach, also eine E-Mail, die man an seiner Arbeitsstelle schreibt, die ist nicht automatisch feuerfrei und so. Das ist in Amerika anders und deswegen ist das da auch echt ein Untergang, den wir gerade erleben. Dass sie da alle rumbuhen, diejenigen, die jetzt in den Arbeitsmarkt reinwollen, wenn Eric Schmidt ihnen die Verherrlichung von KI verkauft und so, das finde ich, das ist wirklich Sehr erfreulich.

34:51 Gavin Karlmeier

Ja, du sagst es so mit dem Datenschutz, aber ehrlicherweise würde ich nicht so weit gehen und sagen, dass es noch nie vorgekommen ist, dass frühere Arbeitgeber auf die internen Dokumente ihrer ArbeitnehmerInnen zugegriffen haben. Und ich würde sogar noch weitersehen, ich glaube, es ist leider der Regelfall.

35:06 Stefan Schulz

Genau, aber dass man sie so auf den Marktplatz wird wie hier und dann einfach jemand ein Höchstgebot abgeben kann, ja, und plötzlich ist der ganze Datensatz einmal da drüben. Das wäre so nicht möglich.

35:16 Gavin Karlmeier

Ja, und das funktioniert ja auch nur mit Datensätzen, die mindestens ein Jahr alt sind, weil mittlerweile ist ja auch interne Unternehmenskommunikation komplett vom KI geziehen. Also auch die verliert ja an Wert. Der Papst hat ganz viel gewarnt. Jetzt möchte ich nochmal ein Thema aufbringen, vor dem ich immer so viel warne. Und das ist für euch nichts Neues. Es geht um Altersverifikation. Und wir haben ja häufiger darüber gesprochen, dass in den USA gerade viel darüber diskutiert wird, aber auch international seitens der Unternehmen darüber diskutiert wird, die Altersverifikation. Auf die Schultern der Betriebssysteme abzulegen und haben häufiger kritisiert, dass das ein Riesendilemma wäre, weil du de facto nur noch auf die Monopole zugreifen kannst, wenn du ins Internet möchtest. Also Du kannst mit deinem iPhone, wenn du dich einmal altes verifiziert hast, oder mit deinem Android-Gerät, wenn du dich einmal altes verifiziert hast, mit einem Windows-Computer oder deinem Mac Wenn du dich in dem System altes verifiziert hast, kannst du noch ins Internet, aber wenn du jetzt irgendeine crazy Linux-Distribution hast, würde es schwierig werden, weil die im Zweifel das entweder aus Ressourcen- oder Geldgründen oder auch aus Überzeugungsgründen nicht in ihre Systeme einbauen, Klammern auf Können, Klammer zu. Und das ist halt ein Riesendilemma. Jetzt gibt es aber in Kalifornien einen neuen Vorstoß, einen Gesetzentwurf, der vorsieht, dass Software, die unter Lizenzen vertrieben wird, die das Kopieren, Weiterverbreiten und Modifizieren erlauben, Vom Gesetz der Altersverifikation ausgeschlossen wird. Das heißt, Open-Source-Betriebssysteme müssen keine Altersverifikation in ihr Betriebssystem integriert haben. Damit man es weiterhin vermarkten darf. Wir hatten darüber gesprochen, dass einzelne Anbieter der Linux-Distribution schon angekündigt haben, bitte ladet uns nicht in den Bundesstaat. Utah, oder ich weiß nicht mehr genau, welcher es war, aber ladet uns da bitte nicht mehr runter, weil wir eben diesem Gesetz nicht entsprechen können. Und in Kalifornien gibt es jetzt eben die Idee zu sagen, dann müssen die das eben auch nicht umbauen. Ob das jetzt am Ende die Möglichkeit bietet, dass ich dann ohne Altersverifikation weiterhin auf Facebook zugreifen kann, das kann ich dir noch nicht beantworten.

37:16 Stefan Schulz

Ja, also wir leben ja in einer Welt, in der nicht nur, so wie du es jetzt kritisiert hast, richtig ist zu sagen, wenn das käme, also dass Apple erst als Betriebssystem Bescheid sagen muss, ist feuerrig. Diese Leute brauchen ihr Apple-Gerät, um auf diese Seite zu kommen. Also sie sind eben eh schon ausgeliefert. Und wir kennen ja die Durchsetzung. Also, gerade auf dem Smartphone-Markt, ja, ist einfach Apple und Android, das war's halt. So, da hat keiner ein Linux-Telefon. Bei Computern ist es ein bisschen anders, da besteht die Möglichkeit, dass man das hat. Von daher beim Social Media Verbot, ich bin sehr dafür, dass man darüber nachdenkt. Ich bin sehr dagegen, das nur auf junge Menschen zu beziehen. Also ich bin grundsätzlich dafür, dass man ein paar Kommunikationshürden einbaut. Die ganze moderne Welt, die Arbeitswelt, was eine Hierarchie, eine Organisation, ja. Das sind die organisieren, das ist ihre zentrale Aufgabe. Das ist der einzige Sinn einer Hierarchie. Geh nicht direkt zum Chef. Geh zu deinem Geh erstmal zu deinem Vorgesetzten so, ja. Wenn du da nicht weiterkommst, kannst du irgendwas, aber niemand redet mit dem CEO. Das ist die erste Regel in einer Organisation. Also wer nicht mit jemandem redet, von daher ist dieses Kommunikation unterbinden. Eine ganz wichtige Funktion, an der kann man auch arbeiten. Man muss jetzt nicht noch das dritte Jahrzehnt, eine Verherrlichung von, und dann kann einfach jeder mit jedem auf der Welt reden, und das ist Social Media. Das wollen wir So, von daher, ich bin da schon in einer kleinen Opposition gegen dich, gegen Wolfgang. Also ich habe mit sehr vielen Leuten im Podcast zu tun, die das immer ganz anders sehen und Free Speech und überall und so hochhalten. In dem Fall würde ich sagen, ich finde, also ich finde zum Beispiel diese Funktion, dass mein iPhone einfach an die Dienste weitergeben kann, ist volljährig ja oder nein. Ohne Name, ohne weiteres, einfach nur diese Information, diese eine Bild, der entscheidend ist. Das finde ich eine sehr gute Funktion, auch wenn er mit Kosten einherkommt. Also, dass ich an dieses Betriebssystem gebunden bin oder was auch immer. Und ich finde, so groß ist die Aufgabe eigentlich gar nicht, junge Menschen zum Beispiel von Pornografie oder verherrlichender Gewalt fernzuhalten. Dafür muss man jetzt nicht immer alles, was auch noch in Gefahr steht und so weiter, sondern kann man erstmal grundsätzlich sagen: also wenn wir ein iPhone vor uns haben, das als ist Tochter von diesem iPhone deklariert ist, also wie bei mir zu Hause. fünf Apple-Geräte, die an drei Kinder verteilt sind. Und ich sage ausdrücklich dazu, wie alt diese Kinder sind und so weiter. Dann möchte ich als Eltern einfach, dass ganz klar ist Diese Kinder kriegen auf diesem Eife, auf diesen Geräten keine Pornografie gezeigt. Dass diese Kinder bei ihren Freunden oder in einem Kiosk oder sonst irgendwo trotzdem exponiert werden können, okay, schön und gut. Das ist aber eine ganz andere Diskussion. Erstmal will ich, dass die Integrität dieser Systeme, die ich gekauft habe, für die ich bezahle und die ich meinen Kindern gebe und dann, womit die ihre Hausaufgaben müssen mittlerweile, dass man das da einfach regeln kann.

40:18 Gavin Karlmeier

Ich kann das komplett verstehen. Also ich kann das Bedürfnis von Eltern verstehen, dass man seinen Kindern einzelne Inhalte vorenthält. Aus Jugendschutzgründen, aus Sicherheitsgründen, aus welchen Gründen auch immer, eigentlich völlig egal. Mein Vater hatte, als ich ein Kind war, wir hatten noch keine Smartphones logischerweise, aber wir hatten internetfähige Computer. Er hatte einfach Blockaden im Router. Also es gab einfach Websites, die nicht aufgelöst wurden. Auch das hat funktioniert. Und auch das ist, finde ich, selber Vater, ein völlig legitimes und approbates Mittel. Nee, probates Mittel. Was ich für ein Problem halte, ist aber, diese Datenflut auf Privatunternehmen umzulegen. Weil Habe ich ein gutes Gefühl dabei, meinen Personalausweis mit biometrischen Daten an Google zu schicken? Eigentlich nicht. Also, weißt du, oder an Microsoft oder an Apple oder an wen auch immer. Aber im Fall von Google ist es halt am fatalsten nach meinem Ermessen, weil das ein Unternehmen ist, das vom Datensammeln lebt. Und wenn du dir danach überlegst, okay, wir haben gleichzeitig den Cloud Act, der der US-Regierung Zugriff auf alle Serverdaten in den USA umgekehrt. Oder auf alle Serverdaten von Unternehmen, die in den USA sitzen, gewährt, dann bekomme ich kein gutes Gefühl damit, wobei man dazu sagen muss: klar, eine Regierung hat im Zweifel meinen Personalausweis, eh, wenn ich da schon mal eingereist bin. Aber Ich finde einfach die grundsätzliche Frage: Möchte ich eine Ausweispflicht für das Internet haben? Da bekomme ich einfach ein Problem mit. Und zwar aus den Gründen der Datensammlung, aber auch aus der grundsätzlichen Zugangsfrage. möchte ich nicht einfach theoretisch in der Lage sein, in Technikgeschäft zu gehen, zu Saturn zu gehen, gibt es glaube ich keine mehr, zu Saturn zu gehen, kaufe mir da einen Laptop oder ein Smartphone. Und kann sofort ins Internet, ohne dass ich mich erstmal darum kümmern muss, dass alle Daten am richtigen Ort sind, das halte ich für ein Problem. Ich möchte ja auch nicht, dass eine U-Bahn-Fahrt im Zweifel eine Auswärtskontrolle erfordert.

42:09 Stefan Schulz

Genau, also da bin ich auch ganz deiner Meinung. Ich möchte auch als erwachsener Mensch einfach in den Laden gehen und mir ein technisches Gerät holen und dann mir eine SIM-Karte kaufen, ohne dass ich die ganze Zeit immer sagen muss, wer ich bin. Genauso wie ich meine Fahrkarte bei der Bahn einfach anonym kaufen möchte. So, klar, da gibt es dann wieder Sicherheitsvorkehrungen, alle stecken in so einer Röhre, die 300 kmh schnell fährt. Also da ist jetzt auch nicht alles feuerfrei so, aber das Prinzip ist klar. Nur, das ist halt ein anderer Themenbereich, als wenn ich meinen Kindern ein Gerät gebe, das ich gerne administrieren möchte. Und da fände ich zum Beispiel auch, es gab ja Bemühungen. Jegliche Pornografie auf die Top-Level-Domain XXX zu legen. Also richtig Rotlichtviertel auszuflacken, wie man das ja in Städten auch macht.

42:53 Gavin Karlmeier

Das ist das ersten Mal, aber das ist ja eine fantastische Diskussion.

42:56 Stefan Schulz

Genau, aber das war mal eine ernsthafte Diskussion, ob man nicht einfach sagt. So, wir reden jetzt einfach über die Top-Level-Domain, weil das ist dann, also das wäre deinem Vater ganz easy gefallen, einfach diese Top-Level-Domain zu sperren im Router. Fertig, ja. Also, das ist eine Zeile Dings, fertig ist die Laube. Und sowas wurde aber einfach nie ernsthaft verfolgt. Und das verstehe ich einfach nicht. Also es gäbe so einfache Sachen, die man jetzt wirklich mal machen könnte, aber wird einfach nicht gemacht. Auf der anderen Seite muss ich sagen. So wie Apple das jetzt gerade macht, also so wie ich die Geräte meiner Kinder betreuen kann, auch unter der Maßgabe, dass sie da trotzdem ihre Freiheit haben und ich nicht überall reinschauen kann und so. Das finde ich schon ganz gut. Also, ich bin eigentlich gar nicht so unzufrieden damit. Ich sehe nur, und Taylor Lawrence verweist zu Recht mit einem gewissen Alarmismus immer auf Sachen, bei denen ich aber wieder denke Ja, aber sie definiert noch nicht den Raum der Diskussion richtig, ja, sondern wie sie ist, das ist alles so absolut. Und da wünsche ich mir einfach eine bessere Diskussion, denn ja, ja, die Gefahren sind schon da, dass auch Politiker, von denen ich mir wünsche, dass sie endlich mal regulieren, Diese Regulierung wieder ausgenutzt wird von denjenigen, die die Technik betreiben. Also, dass ja über Lobbywege und so weiter, und das wissen wir ja wie Ashton Kutscher dann in Europa vorstellig wird und da irgendeinen Scheiß redet. Und ja, da gibt es viele, viele Gefahren, aber das Problem ist noch nicht gelöst eben.

44:18 Gavin Karlmeier

Ja, ich stimme dazu. Ich finde auch, wie Apple das löst gut, aber es funktioniert ja gerade auf dem Prinzip der. Selbstverantwortung. Also du sagst, mein Kind ist 14 und dann glaubt das Gerät das erstmal. Wenn du bei einer Verifikationspflicht bist, reicht das eben nicht mehr aus. Also in dem Moment musst du dich mit einem Ausweis verifizieren, muss im Zweifel deinem Kind. Sobald es 16 wird, sich mit einem Ausweis verifizieren, und so weiter und so weiter. Und da verlässt es für mich so ein bisschen das Gefühl des guten Bauchgefühls, so dass es dann irgendwann weg, weißt du?

44:49 Stefan Schulz

Ja, am Ende ist auch alles immer obskur. Diese Technik, ich weiß nicht, da hilft uns auch wenig. Jetzt hat man so gedacht, okay, mit KI kann man so ein bisschen einen Überblick haben. Also diese Fleißarbeiten erledigen, sag mir einfach, was die beste Möglichkeit ist, diskutiert das für mich durch und so. Aber währenddessen wird ja die KI Binne auch benutzt, um alles nochmal komplizierter zu machen. Das ist halt auch dieser typische Rebound, der dann immer kommt. Aber wie gesagt, ist noch nicht gelöst, dieses Problem. Karin Prim löst es gerade auch nicht.

45:18 Gavin Karlmeier

Ja, aber Karin Prim zum Beispiel hat jetzt gesagt, sie möchte auf gar keinen Fall über das über ein Verbot sprechen. Also für sie ist, aber wenn alle, die zuhören, sagen, hä? Und sie haben recht. Also, sie besteht darauf, dass es ihr nicht um ein Social Media Verbot geht, und sie sagt sogar im Zitat: Ich habe mich auch nie für ein Verbot ausgesprochen, sondern für eine wirksame Altersbegrenzung.

45:43 Stefan Schulz

Ja, und weißt du, warum sie das sagt? Weil die Verbotspartei sind die Grünen. Ja, genau. So, das ist wirklich alles so lame.

45:50 Gavin Karlmeier

Es ist übrigens interessant, weil Karin Prien am 12. November 2025 im BR in der Sendung Münchner Runde gesagt hat. TikTok ist etwas, wo man tatsächlich über ein Verbot sehr ernsthaft sprechen muss.

46:02 Stefan Schulz

Mhm. Also nie über ein Verbot.

46:06 Gavin Karlmeier

Also nie über ein Verbot gesprochen, würde ich ihr hier um die Ohren hauen. Aber ich finde, so diese grundsätzliche Diskussion jetzt darüber, ich habe eine andere These übrigens. Meine These ist, dass sie das jetzt schon versucht aufzuweichen Weil sie ja ihr Dokument aus Mitte Juni kennt, weil sie den Zwischenbericht kennt, den das Familienministerium vorgelegt bekommen hat, über den wir hier auch umfangreich gesprochen haben. Und dass alles so ausgewogen ist und so viele Vorteile für junge Menschen in sozialen Medien identifiziert, dass in dem Moment, wo sie jetzt sagt, sie ist massiv für ein Verbot, ihre Expertinnen-Runde aber sagt, ein Verbot ist nicht zielführend. In dem Moment steht sie ja quasi an der Wand, weißt du? Sie könnte kein Gesetz mehr fordern, dass ihre eigenen ExpertInnen ihn ausreden möchte.

46:49 Stefan Schulz

Ja, ausreden. Ich zähle zu den 99,9% der Deutschen, die für eine ihrer Bundesregierung einfach gar nichts erwarten. In gar keinem Themenfeld. Auch hier nicht.

46:58 Gavin Karlmeier

Okay. Den Dobrindt zum Beispiel sagt, ein Social Media Verbot für Minderjährige ist schwer durchsetzbar und deswegen wenig zielführend, hat er der Funke Mediengruppe gesagt. Innenminister immerhin. Also durchaus jemand, dessen Wort ja bei einer Gesetzgebung in so einem Fall vielleicht auch zählen könnte.

47:13 Stefan Schulz

Ja, und er kommt von der CSU und sagt, das soll in den Händen der Eltern bleiben und der Parks sagt mir, das darf auf gar keinen Fall allein auf die Familien abgewälzt werden. Oder bin ich einfach Team Papst, ja? Weil so ich das jetzt beschrieben habe, ich bin zufrieden mit Apple. Ich weiß, dass, äh Sehr viele Leute Android-Telefone nutzen und die Eltern gar keine Ahnung davon haben, wie die Geräte ihrer Kinder funktionieren. Also es ist ja auch nur eine individuelle Lösung für mich, weil ich halt durch Zufall so ein bisschen interessiert daran bin, wie so ein Betriebssystem funktioniert und welche Einstellungen mir zumindest vom Hersteller gegeben werden. Aber das ist eben noch keine kollektive Lösung so, ja. Und die deutsche Politik dazu ist wirklich erbärmlich.

47:52 Gavin Karlmeier

Aber ist denn die kollektive Lösung, wäre das das grundsätzliche Verbot?

47:56 Stefan Schulz

Also, die kollektive Lösung ist auf dem Level anzusiedeln, wo wir sie gerade beim Papst besprochen haben. Es ist eine zivilisatorische Aufgabe, den Umgang mit diesen Geräten. Zu strukturieren, es aus der Gier alleine und dem Notstand oder der Zeit, wir haben alle sind eine Eile, ja, ich kann mich morgens nicht ums Gerät meiner Kinder kümmern, weil ich muss schnell zur Arbeit Das ist halt daher herauszulösen. Diese Wege sehen wir aber nirgendwo, dass wir es gerade. Also, solange das diskutiert wird unter Kinder und Jugendliche. Also, wenn ich Karin Prim bei Dunja Hayali im Gespräch höre, wie sie meint Ja, das ist ganz wichtig, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen schützen. Würde ich sagen, schau dir doch die 26-Jährigen an, die 36-Jährigen, die 46-Jährigen, die 56-Jährigen und die 66-Jähri Die müssen alle geschützt werden. Also die ganze Welt ist hier im Abwärtsstrudel.

48:50 Gavin Karlmeier

Genau, und deswegen bin ich ja zum Beispiel auch jemand, man rutscht immer in so eine Grundsatzdiskussion bei dem Thema. Es geht nicht anders. Aber Deswegen müssen wir darüber sprechen, wie können wir dafür sorgen, dass diese Orte, die ja de facto öffentliche Orte sind, digitale Öffentlichkeiten, dass die halt zu einem sicheren Ort für alle werden, dass auch junge Menschen sich dort frei bewegen können. Ohne, dass Sie das Gefühl bekommen, hinter der Ecke lauert jemand, der ihnen Drogen verkaufen oder die Waffe an den Kopf richten oder irgendwelche Nacktfotos schicken möchte. Aber Bei Dobrind muss man dazu sagen, der argumentierte jetzt nicht aus einem freheitlichen Grundgedanken, sondern vielleicht eher, weil er eben in der CSU ist. eine innerunionliche Opposition einnehmen möchte und Markus Söder sich auch klar gegen ein Verbot geäußert hat und damit möglicherweise hier ein bisschen politisches Schaufspiel einfach betreiben möchte. Muss ich unterstellen.

49:38 Stefan Schulz

Ja, sowieso, ist alles nur Schauspiel. Also alles, was du aus Berlin, jede politische Kommunikation, die öffentlich stattfindet. Ist vorher hier abgewogen, da abgewogen. Man verspricht sich genau diesen kleinen Raumgewinn und bla bla bla. So, und dann sitzen die in ihren BR unten und sagen irgendwas von nicht zielführend und bloß kein Verbot und was auch immer. Und das hilft uns nicht weiter. Wir müssen so wie der Papst mit Skin in the Game das diskutieren. Und wenn ein Politiker mir einfach nicht glaubhaft vermittelt, dass er beim Thema Social Media und Kinder um seine eigenen Kinder besorgt ist. Sondern er besorgt ist, oh nein, glauben die dann, ich bin jetzt die Verbotspartei, das ist doch der Robert Habe gewesen. Ja, dann weiß ich, das ist keine Diskussion, an die ich anschließen kann. Weil die sind gerade nicht auf meinem Problem Bezug. Die diskutieren gerade anderes.

50:33 Gavin Karlmeier

Wobei man fairerweise dazu sagen muss, der Papst argumentiert auch nicht für seine Kinder.

50:37 Stefan Schulz

Der Papst hat ja auch keine Kinder, denn er lebt ja ganz zölibatär, weshalb er sich. In einem ganz anderen Verhältnis zur Menschheit verhält und ehrlicherweise Tolkien zitieren und für sich für 1800 Jahre Verfehlung beim Thema, wie schaut der Vatikan auf Sklaverei zur Entschuldigung und Vergebung zu bitten, zeigt mir, da will jemand wirklich zeigen, dass er auf dem Boden steht, auf dem ich auch stehe.

51:14 Gavin Karlmeier

Ich bin heute Morgen aufgewacht zu einem Video, in dem der Papst im neuen Ferrari Luce sitzt. was das Elektroauto von Ferrari ist. Und das gerade, und da will ich mal so eine grundsätzliche Geschichte zu ansprechen. Und zwar. Dieser, woher kommt das? Du bist Soziologe, deswegen vielleicht, hey, lass uns abschweifen. Woher kommt das, dass man sich so schön darüber? identifizieren kann, was man kollektiv scheiße findet. Also ich finde es okay, den nicht schön zu finden. Ich finde es okay, sich über die Spotify-Disco-Kugel aufzuregen. Ich finde es okay, Labubus doof zu finden oder Revolverheld oder was auch immer. Aber dieser gemein, dieses, wir machen uns gemeinsam stark damit, dass wir alle eine Sache kollektiv so doof finden. Dass es völlig unmöglich ist, deine Gegenposition einzunehmen. Vielleicht ist das auch das Altwerden in mir. Nein, das ist ganz einfach erklärbar. Ich krieg das Störgefühl.

52:09 Stefan Schulz

Eva Ilus hat die Antwort dazu in ihren Büchern zum Thema moderne Liebe. Warum sind wir so verletzt, wenn uns jemand verlässt? Wenn wir jemanden richtig gut finden und das auch öffentlich kommunizieren, also wirklich zeigen, das ist die Frau, das ist der Mann an meiner Seite. Und dann müssen wir vermitteln, der ist jetzt nicht mehr da. Dann geht ja nicht nur der andere, sondern auch ein bisschen von einem selbst. Also man hat in dem Moment exposed, was man richtig gut findet. Und dann ist es weg. Und das beschädigt auch ein selber. Von daher fällt es sehr viel einfacher, sich über eine Sache aufzuregen. Weil man damit auch markiert, ich bin hier unverletzbar. Wenn du jetzt sagst, der Ferrari ist aber ganz toll, betrifft mich das gar nicht. Aber wenn ich mich exponiere und sage, Guck mal, dieses Musikstück finde ich richtig gut, ja. Und dann kommt jemand und sagt, das Musikstück ist scheiße. Dann sagt er nicht nur, das Musikstück ist scheiße, sondern ein bisschen bist auch du scheiße. Und diese Gefahr besteht halt bei einer positiven Affirmation. Weshalb das Uphalen oder wie Adria Daub in dem sehr guten Buchhritt, was das Silicon Valley herrschen nennt, beschreibt Dieses Verhalten der Creeps, sich grundsätzlich über alle lustig zu machen, die etwas gut finden. Also einfach nur so Kommentare in den Raum zu werfen, damit sich jemand darüber aufregt. Also etwas als Scheiße zu markieren, damit jemand drunter schreibt: Nee, das ist voll gut, ich verteidige das jetzt. Ja, indem da ist sofort der Login auf diese Person, weil die ja ein Stück von sich auch mitverteidigt dabei Während der Creep einfach nur da sitzt und sagt, hahaha, hab ich sie wieder gut getrollt. Von daher, don't feed the trolls. Einer der wichtigsten Sätze in dieser Gesellschaft.

54:01 Gavin Karlmeier

Stimmt. Bedeutet aber für uns ja auch als Takeaway, wie wir coolen hippen LinkedIn-Leute sagen, bedeutet ja auch für uns als Takeaway, dass einfach auch mal verletzbar sein, okay ist. Und zum Beispiel sagen: Ich finde den Ferrari Luce total schön. Stimmt jetzt nicht unbedingt, aber es ist ja auch manchmal, vielleicht ist das ja auch das neue Trollen, würde sich einfach nicht mehr angreifen lassen.

54:22 Stefan Schulz

Absolut. Und deswegen die Klammer des Papstes jetzt doppelt. Zum einen Diese Verletzlichkeit ist das eigentlich Menschliche. Deswegen ja auch Gott liebt dich, die Gnade Gottes. Es gibt ja mehrere Gnaden Gottes, aber die eine fundamentale, egal was ist. Gott ist immer an deiner Seite. Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hände. Also von Gott ist niemals zu befürchten, dass er dich antrollt. Dich provoziert oder dir so eine kleine Ecke von deiner Krone rausschlagen will, indem ihr dir irgendwas, was du gut findest, magig redet. Und das zweite ist Dieser Papst ist natürlich jetzt auch in dieses Auto gestiegen, um der Welt zu zeigen. Technik finde ich geil. Ich habe euch nicht die KI aus der Hand geschlagen, sondern ich finde Technik geil. Ich setze mich auch in so einen komischen Elektro-Ferrari-Ideen. Ich weiß gar nicht, hat den der Johnny Ive mit. Nur das Innendesign hat Johnny Ive geschrieben.

55:17 Gavin Karlmeier

Ja, okay. Der frühere Apple-Designer. Und ich also mich hat es an Trump im Tesla erinnert, der gesagt hat, it's all computers. Ich weiß auch nicht, wollte gar nichts abschweifen. Ich wollte nämlich eigentlich noch kurz beim Verbot bleiben. Und zwar gibt es eine Untersuchung der RMIT University. Die haben eine Studie veröffentlicht, die das Nachrichtenverhalten junger Australier dokumentieren. Und das ist deswegen interessant. Weil in Australien gilt ja nun schon seit Dezember das Social Media Verbot für junge Menschen. Ist nicht so richtig erfolgreich. Also 61 Prozent der unter 16-Jährigen berichten von keiner oder kaum einer Veränderung ihrer Social-Media-Nutzung. Nur sechsundzwigs Prozent haben angegeben, dass sie tatsächlich davon betroffen sind. Was ist mit den sechsundzwanzig Prozent? Was ist passiert? Das Interessante ist aber, dass offensichtlich die Nutzung von News und die Informiertheit junger Menschen Stark zurückgegangen ist. 51 Prozent der befragten Jugendlichen haben gesagt, also von denen, die von dem Social Media Verbot betroffen sind, also 51 Prozent der 26 Prozent. Gaben an, seitdem deutlich weniger Nachrichten zu konsumieren, was eine Folge ist, die eigentlich ja gerade in dieser Zeit niemand haben wollen dürfte.

56:32 Stefan Schulz

Ist schon. Australien ist weit weg. Ich bin gespannt. Australien ist sehr weit weg und wir wissen nicht, wie die Nachrichtensituationen da aussehen. Aber Wenn es in Deutschland hieße, wir haben einen Weg gefunden, die Leute aus der Exponierung von News, Fokus, Bild, Table Media, Pioneer rauszunehmen. Würde ich sagen, all in. Das machen wir jetzt.

57:00 Gavin Karlmeier

Auch zu dem Preis, dass Sie damit eben auch vom Radar vom Spiegelstern Tagesschau verschwinden.

57:06 Stefan Schulz

Also, ich mache seit zehn Jahren Podcast zum Thema, was haben die Nachrichten am Abend gesendet. Heute schnall und Tagsthemen. Meine einzige Schlussfolgerung, meine zentrale Schlussfolgerung ist, wenn man der Welt zugewandt ist und seine Kanäle findet, um sich über die Welt zu informieren, Und man aber, wie Emma Tevesen sagt, Slalom um die Nachrichten fährt, die im Groß, also einfach so angeboten werden, ist das eine gute Sache.

57:38 Gavin Karlmeier

Das Problem ist so ein bisschen, glaube ich. Ich versuche mal eine kleine Gegenrede. Das Problem an der Sache ist, dass wir durch das Internet, durch soziale Medien vor allem. durch den Fokus auf einzelne CreatorInnen, JournalistInnen, die informieren, auf Drittkanäle über die Medienhäuser publizieren und so weiter. In den letzten zehn Jahren massiv an der Abschaffung eines großen Medienapparates gearbeitet haben. Das heißt, diese Kanäle, die du ansprichst, Die man sich sucht, um sich darüber zu informieren, sind deutlich weniger bunt, vielfältig und omnipräsent, als sie es in den 90ern zum Beispiel noch waren. Wenn ich jetzt mit Menschen spreche, die so zwischen 10 und 18 sind, Was glaubst du, wie häufig die Radio hören? Und die, ich kann, also immer dann, wenn der Vater es im Auto einschaltet oder die Mutter. Das ist der einzige Grund, warum sie Radio hören. Sie haben auch den inneren Impuls, nicht sich mal hinzusetzen und die Tageszeitung zu lesen. Natürlich nicht, hatte ich in dem Alter auch nicht. Trotzdem habe ich mich auf eine Art informieren wollen und wollte schon mitkriegen. Ich kann mich noch daran erinnern, Als die ganze Milosevic-Balkan-Nachrichtenwelle lief. Ich weiß nicht, wie alt ich war, ich schätze, um zwischen 8 und 10. Ich wollte jeden Tag die Nachrichten schauen und informiert bleiben, weil das hat mich irgendwie bewegt und interessiert, als Kind schon. Heute wäre der Weg für diese Information zu mir. Soziale Medien, vermutlich. Also ich würde von irgendeinem Creator, dem ich vertraue, den ich gut finde und bei dem ich das Gefühl habe, der weiß, was er tut, hoffentlich, irgendwie Updates dazu kriegen. Ich würde vielleicht einen Podcast hören, auf den ich über soziale Medien aufmerksam werde. Ich würde vielleicht sogar Artikel lesen, auf die ich über soziale Medien aufmerksam wäre. Wenn dieser Kanal aber abgeschlagen ist, würde mir, glaube ich, der Weg dazu fehlen.

59:30 Stefan Schulz

Ja. Was nicht bedeutet, dass die anderen Wege weg sind. Und in unserer Gesellschaft, also wir sehen ja heute alles so im Untergang, ja. Merz-Regierung scheiße, Trump scheiße, Bedrohung aus Frankreich mit Le Pen scheiße, Meloni finden wir auch nicht so gut, wie auch immer. Alles ist bescheuert und in England fragt man sich mittlerweile, ob das Land überhaupt noch regierbar ist. So, das ist das Social Media Zeitalter. Die Hochzeit der Zeitungen waren nicht die 60er, 70er, 80er, 90er, sondern die 2000er Jahre. Da wurde die Sonntagszeitung gegründet, da gab es so viele zahlende Abonnenten wie noch nie, vorher nicht. Was bedeutet in dieser Zeit, die wir heute immer so verherrlichen, als mehr Demokratiewagen, der große Kanzler macht Die Jugend jetzt tüchtig für die Politik, weil er das Wählalter von 21 auf 18 senkt in Deutschland und so. Diese Zeit korrespondiert einfach nicht damit, dass alle informiert waren die ganze Zeit oder sich wahnsinnig für Politik interessiert haben. Das ist einfach nicht wahr. Sondern die Gesellschaft hat damals anders funktioniert. Es gab nicht im Social Media Politik, sondern es gab einfach kein Social Media. Es gab einfach dieses Rumgespall gar nicht. Und diesen, also diese Studie, ja. Wenn man da ins Detail geht, ich glaube, man könnte die komplett auseinandernehmen. So und so viele Jugendliche sagen, sie kriegen keine Exponierung mehr von Nachrichten. Ja, also während Social Media in Full Swing in Australien war für 14-Jährige, hatte man vielleicht eine Kachel vom ECDF äquivalent vor Ort unter 895 Beiträgen von irgendwem zu irgendwas. Dass man dann in der Studie auf die Nachfrage kriegst du noch Nachrichten mit? Nee, ich kriege diese Kacheln nicht mehr angezeigt, weil ich ja gar keine Kacheln mehr angezeigt kriege. Das muss man alles anders deuten. Also, das, was man da einfach so rausliest aus so einer Studie, ich glaube das einfach gar nicht. Also wirklich einfach gar nicht. Junge Leute, die interessiert sind, auch in Australien geht man in die Schule. Man kann sich informieren, man kann auch einen Lehrer fragen, lieber Herr Lehrer, ich weiß, das klingt jetzt ganz blöd, ich habe keinen Twitter mehr, wie informiere ich mich über die Welt? Der Lehrer wird eine Antwort finden. Also der Weg ist nicht, Elon Musk muss Twitter in Australien betreiben, damit die Leute informiert sind und dann eine politische Entscheidung treffen bei der nächsten Wahl. Das ist einfach nicht, das ist ein Irrweg.

01:01:47 Gavin Karlmeier

Du hast mich ein bisschen überzeugt von. Das finde ich schlau. Ich habe auch ein anderes Störgefühl mit der Studie gehabt, die mir auch nicht beantwortet werden konnte, um ein bisschen Wasser auf deine Mühlen zu schicken. Nämlich, naja, wir reden hier über ein halbes Jahr, und die Tatsache, dass sie in diesem relativ kurzen Zeitraum eine spürbare Veränderung des Medienkonsums formuliert gekriegt, in eine Studie gefasst und danach noch ausformuliert haben. Das wirkt für mich ein bisschen krumm. Also die Befragung war schon im Februar, heißt zwei Monate nach dem Greifen des Verbotes. Ob die Leute dann sagen, ich kriege Nachrichten gar nicht mehr mit. Ob sie das schon so wahrgenommen haben, I don't know.

01:02:26 Stefan Schulz

Also meine große ist 16, meine jüngere ist 13. Wenn die Nachrichten mitkriegen wollen, gucken wir zusammen die Tagesschau. Punkt. Die müssen jetzt nicht, weil sie gerade vor der Turnhalle warten, durch einen Feed scrollen, wo irgendwas von den Fokus. de präsentiert wird. Um dann später in der Studie bei der Nachfrage zu sagen: Ja, da habe ich Nachrichten konsumiert.

01:02:50 Gavin Karlmeier

Das ist nicht der Weg. Ich bin überzeugt, ich finde das ein schönes Schlusswort. Stefan, das war ganz fantastisch. Danke, dass du hier warst. Sehr gut. Ich hoffe, du kommst bald wieder.

01:03:01 Stefan Schulz

Ja, ich komme auf jeden Fall wieder. Lade mich ein und dann komme ich.

01:03:03 Gavin Karlmeier

Ja, und Wolfgang kommt auch bald. Kann ich auch schon mal sagen. Habe ich gehört, ja, ich bin gespannt. Wir haben noch keinen Termin, aber wird auch irgendwann bald kommen. Sehr gut. Also vielen lieben Dank, lieber Stefan. Hört alle den Fernsehpodcast, hört die 29er, hört alles, was Stefan macht. Für den 29er braucht ihr ein bisschen Zeit. Wie lange ist die aktuelle Folge? Kannst du das schon verraten?

01:03:19 Stefan Schulz

Ja, das wird immer so fünf Stunden gehen, aber es kommt ja nur einmal im Monat.

01:03:22 Gavin Karlmeier

Ja, das kann man sich in Häppchen aufteilen. So wie die Enzyklika, die ihr auch gut lesen könnt, in 245 Häppchen, manche sogar doch. Extra durchnummeriert. Und ein kleiner Hinweis noch, und zwar habe ich ja bei der Republika eine Gameshow gespielt. Also wenn ihr mal euch mit positiven, lustigen Dingen auseinandersetzen wollt und nicht nur mit dem düsteren, die ist jetzt online. Auch da packen wir euch den Link in die Shownotes. Auch das war Ich glaube, ganz unterhaltsam, vor allem, weil ich einen Freund auf die Bühne gezerrt habe, der Chef einer Social Media Agentur ist. Und er hat sie, also ich hoffe, viele seiner Kunden sehen nicht, wie er sich da geschlagen hat. Das ist mal eine Einladung, das zu gucken. Also vielen Dank, dass du hier warst. Ich wünsche dir und allen, die bis hierhin zugehört haben, ein wundervolles Wochenende. Wir hören uns wieder am Montag dann mit Wenn ich richtig informiert bin, Thomas Gigold und einer kleinen Überraschung für euch alle. Dazu aber dann am Montag mehr. Danke. Ciao, ciao. Tschüss. Werbung.

01:04:14 Speaker 5

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