Stell dir das vor, du schreibst in einem internen Chat, dass etwas nicht gut läuft und wirst daraufhin entlassen. Und das ist womöglich noch eine der nachvollziehbareren Kündigungen, die Mitarbeiter:innen bei Twitter momentan erleben. Wie soll man das alles noch begreifen? Und wie löscht man jetzt so schnell wie möglich seine Daten, bevor sie in falsche Hände geraten?
Transkript
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00:01 Intro
Haken dran, das Social Media Update der CT.
00:06 Gavin Karlmeier
Hallo Dennis. Hallo Gavin. Dennis, du klingst heute hallig.
00:11 Dennis Horn
Und du mit ordentlich Wumms drin im Konzert. Also ich bin heute in Potsdam beim RBB und du glaube ich auch unterwegs und wir versuchen uns so langsam. So einer Technik anzunähern, wie wir diesen Podcast wirklich täglich aufnehmen können, wie das funktioniert.
00:30 Gavin Karlmeier
Das ist ja in unseren Berufsfeldern, wo man beruflich viel unterwegs ist, ist das ein bisschen schwierig. Ich habe jetzt hier mir sowas zusammengebastelt. Aber ich hatte von gestern das Feedback bekommen, dass ich sehr hallig bin und habe mir jetzt so ein bisschen was zusammengebaut hier, um den Halt zu mindern. Und das führt aber dazu, dass ich offenbar. viel Wumms habe, Doppelwumms quasi. . .
00:47 Dennis Horn
Doppelwumms. Gebt uns einfach ein bisschen Geduld, wir kriegen das hin.
00:51 Gavin Karlmeier
Wir sind auf dem Weg. Ich möchte mit dir heute über eine Sache sprechen, die gestern schon so ein bisschen durch die Medien gegangen ist und die viele Leute wahrscheinlich auch mitgekriegt haben. Und das ist die Art und Weise, wie Elon Musk gerade fleißig Leuten kündigt. Oh, das ist toll. Das hast du bestimmt mitbekommen, oder?
01:08 Dennis Horn
Ja, also ich meine, da gab es ja jetzt mehrere Kündigungsrunden. Es gab erstmal die große Kündigungsrunde von den, weiß ich nicht, 3500 bis 4000 Leuten, so eine Hälfte der Besatzungen, die gehen musste und dann gab es ja so vor zwei Tagen noch Diese ganzen Contractors, Vertragsmitarbeiter, die vor allem so im Community Management, in der Content-Moderation tätig waren, zum Beispiel. Wo ja auch viele dann einfach ihre Zugänge gestärkt bekommen haben. Aber es gab noch weitere, oder was?
01:37 Gavin Karlmeier
Ja, ganz genau. Jetzt gab es nochmal diese so eine kleinere Welle, die so ein bisschen, glaube ich, so eine reine Ego-Geschichte von Elon Musk war. Weil er angefangen hat, den Menschen zu kündigen, die ihm zum Beispiel auf Twitter öffentlich widersprochen haben, oder? Das ging dann gestern Abend rum, auch Leuten gekündigt hat. die auf Slack angefangen haben, ihm zu widersprechen. Also auch auf internen Kommunikationswegen, die dann gesagt haben, du, also wir sehen das anders. Das mochte der nicht so gerne. Er hat diese Leute dann tatsächlich auch direkt auf die Straße gesetzt. Und das ist schon ein bemerkenswerter Move für jemanden, der sich quasi mit so einem großen Ego irgendwie in die Welt stellt und zeiglich. Bin's, dass er quasi nicht mal von seinen Leuten, die eigentlicher ExpertInnen sein sollten und auch nachweislich sind, sich da eben nicht korrigieren lassen möchte. Das finde ich schon bedenklich.
02:25 Dennis Horn
Ich finde das aus zwei Gründen ganz interessant, weil erstens, es gibt bei Twitter eine Firmenkultur, die dieses Unternehmen jetzt über viele Jahre geprägt hat und die heißt Communicate Fearlessly to build trust. Also die haben die ganzen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer angehalten, wirklich geradeaus zu sprechen und Dinge deutlich anzusprechen. Und er hat doch selbst getwittert vor so ein paar Wochen, dass er hofft, dass selbst seine größten Kritiker bei Twitter bleiben.
02:54 Gavin Karlmeier
Ja, genau, mit diesem Screenshot aus der Notes-App, die er da veröffentlicht hat.
02:59 Dennis Horn
Weil er sagt, das ist, was freie Rede ist. bedeutet und das naja seinen eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht er das nicht
03:09 Gavin Karlmeier
So sieht es gerade aus. Und vor allem fing das alles mit diesem Geschichte um die Android-App an. Also er selber hat getwittert, dass die Android-App Wahnsinnig langsam ist, und da haben ihm die EntwicklerInnen auch nicht direkt widersprochen, aber er hat es erklärt, dass es an über eintausend schlechten Gebadgten RPCs leak, also Remote-Ausgeführten Schleifen, sozusagen. Bisschen internen Technik-Kram, Nerdikram, ist egal.
03:35 Dennis Horn
Aber die Entwicklung. Toll, ne?
03:39 Gavin Karlmeier
Ja, ich hab gegoogelt. Aber diese EntwicklerInnen haben dann angefangen, ihm öffentlich zu widersprechen und zu sagen, naja, eigentlich führt diese App keinen einzigen Badged RPC aus. Und das mochte er nicht. Also das hat dann dazu geführt, dass Leute ihm dann auch geschrieben haben, hey, was sagst du eigentlich dazu, dass du hier öffentlich von deinen MitarbeiterInnen angegangen wärst? Und daraufhin hat er dann geantwortet mit, he's fired. Also er hat die Leute dann auch quasi über diesen Tweet entlassen, was dazu so ein bisschen so eine Welle losgelöst hat, dass es jetzt Leute gibt, die ihm auch extra öffentlich widersprechen, um quasi entlassen zu werden und so ein bisschen Bass zu generieren. Und daraufhin dann auch so Sachen schreiben wie LOL, I just got fired for shit posting, Kiss My Eyes, Elon. Also Man geht da jetzt offenbar so ein bisschen schon mit starkem Galgenhumor um. Das gefällt mir ehrlicherweise ganz gut, weil man diese Filmkultur halt stärker lebt als die Liebe zu dem Unternehmen.
04:31 Dennis Horn
Dass es jetzt auch nicht mehr ist, vielleicht. Ja, im Grunde setzen Sie die Tradition der Firmenkultur, wie sie mal war, dann fort in diesem Moment und Ja, und der Geist von Twitter spielt dann an der Stelle immer noch eine Rolle. Krass.
04:47 Gavin Karlmeier
Ja, voll. Was mich so ein bisschen umtreibt, ist tatsächlich, weil ich habe da viele Texte aufgelesen, auch sehr eigenartige, aber Die Frage tatsächlich, wie viel muss ein Unternehmen eigentlich abkönnen, dass du dich öffentlich gegen die Inhalte des Unternehmens positionierst oder ist das Entlassen dann vielleicht sogar auch ein Stück weit nachvollziehbar? Da habe ich auch ehrlicherweise drüber nachgedacht, weil ich dachte, naja, also klar, ein Elon Musk müsste darüber stehen, gerade in dem Zusammenhang jetzt gerade müsste er darüber stehen. Und die Entlassung öffentlich dann auch noch zu machen, ist komplett indiskutabel. Aber Ist das nicht ein Stück weit auch, ich sag mal insoweit nachvollziehbar, wenn jemand anfängt, gegen den eigenen Chef zu schießen?
05:24 Dennis Horn
Ich verstehe, ja. Wie loyal muss ich zu meinem Unternehmen sein? Genau, ja absolut. Eigentlich würde ich jetzt bei Unternehmen sagen, normalerweise schon. Jetzt sind wir beide ja auch in einem Medienunternehmen tätig. Und unser Job ist Kommunikation und all das wird ja immer auch ein wenig öffentlich ausgefechtet. Und vielleicht ist das bei Unternehmen, die eine Rolle spielen in der öffentlichen Debatte, und das tut der WDR bei uns. zu Twitter selbstverständlich ja auch irgendwie ein wichtiger Punkt, dass man das auch öffentlich verhandelt und dadurch irgendwie klar wird, das ist eine Plattform, die für alle irgendwie wichtig ist. Und die damit diese Debatte auch mit prägen können Ja, und das, obwohl ich aber bei uns zum Beispiel das Gefühl habe, also man muss dazu sagen, dass ich ja nicht nur für den WDR tätig bin und trotzdem mich sehr zugehörig fühle, weil ich da viel Geschichte in diesem Laden habe.
06:16 Gavin Karlmeier
Und trotzdem Manchmal auch die Nase rümpfe, wenn ich dann Kolleginnen von uns erlebe, die eben genau das öffentlich tun, die sich öffentlich stark gegen den Laden machen. Ich muss da manchmal an ganz total wilder wilde Brücke, pass auf. Ich muss da manchmal an Gerhard Schröder denken, dem früher immer gesagt wurde, hey, warum warum distanzierst du dich nicht von Putin. Das war lange vor dem Krieg noch. Heute sehe ich das anders, aber lange vor dem Krieg. Und dann hat er gesagt, in dem Moment, wo ich mich öffentlich distanzieren würde, würde ich mir die Möglichkeit nehmen, ihn privat zu kritisieren. Und das lebt alles in dieser Themenwelt, über die ich mir geradezu Gedanken mache.
06:53 Dennis Horn
Interessant. Schwer zu sagen, wenn man dann die Hauskultur nicht mitbekommen hat bei Twitter und wie sie dort gelebt wurde. Ich würde aber gerne einen Faden aufnehmen. Aus deinem. Punkt mit diesem Tweet über diese Langsamkeit der Android-App. Und also Es ist ja interessant, er hat ja viele Leute auch gefeuert, die am Betrieb dieser Plattformen gearbeitet haben. Und es gibt einen super interessanten Artikel jetzt von der MIT Technology Review, die eigentlich das nochmal so auf dem Punkt bringt, worüber ich mir in den vergangenen Tagen so ein bisschen Gedanken gemacht habe, weil so viele Leute wie da gehen. Und ich habe gestern auch Hier im Podcast schon erzählt, dass bei mir plötzlich in den Direct Messages wieder Spam landet. Und zwar nicht zu knapp.
07:42 Gavin Karlmeier
Und zwar, ich habe heute eine sechs oder sieben FollowerInnen, die alle sehr seltsam sind, neu hinzugewonnen. Also es gibt gerade eine große Spam-Attacke natürlich.
07:51 Dennis Horn
So, und man hatte jetzt über eine ganze Weile, also sowas gab es natürlich immer mal bei Twitter, aber eine ganze Weile den Eindruck, die haben da schon was geschafft und haben Dinge im Griff. Und jetzt passieren da plötzlich Dinge und in dem zeitlichen Zusammenhang zu diesen Entlassungen und zu der Tatsache, dass dort die Menschen die sich mit diesem Betrieb der Plattformen beschäftigen, plötzlich nicht mehr da sind. Und die MIT Technology Review hat mit Ingenieuren gesprochen und Sicherheitsexperten, auch mit einem Twitter-Menschen. Und darüber, was das jetzt bedeutet, weil ich hatte schon den Eindruck, das kann jetzt nur noch Tage oder Wochen dauern, bis wir den ersten Cyberangriff sehen oder das erste Datenleck, das da bei Twitter produziert wird. Und dieser Artikel bringt das auch ganz gut auf den Punkt, weil er im Grunde beschreibt, wie Twitter und überhaupt solche Plattformen aus ganz vielen kleinen unterschiedlichen Teilen bestehen. Und es geht hier gar nicht um direkt so einen großen katastrophalen Ausfall, sondern eher um so die kleinen Dinge, die anfangen sich zu verschlechtern. Und die haben noch mehr Sachen aufgezählt. Die haben zum Beispiel aufgezählt Dass man, wenn man auf Retweet drückt, in den vergangenen Tagen immer mal sehen konnte, wie erst der Text dieser alten manuellen Retweets mit diesem RT davor erscheint und das dann umgewandelt wird. Also alles so in Zeitlupe. Da gab es geisterhafte Änderungen bei den Followerzahlen. Da gab es Momente, in denen die Antworten plötzlich nicht mehr geladen haben. Also es lief alles sehr langsam in den letzten Jahren. Tag so ein bisschen wie bei Mastodon. Und der Artikel bringt eigentlich ganz gut auf den Punkt, dass die, die jetzt noch da sind, so an Sicherheitsingenieuren bei Twitter Die kümmern sich eigentlich nur darum, alles einigermaßen stabil zu halten. Aber was passiert, wenn Twitter jetzt so an einem Tag mal unter Volllast fahren muss, weil irgendein Weltereignis geschieht und so. Und eigentlich ist das Bild so, dass jetzt an immer mehr Punkten das so auseinanderbricht und dann Am Ende so Stück für Stück an Wrack aus Twitter wird. Und das ist ein ziemlich eigentlich dystopisches Bild, was man da so zeichnen kann. Und das hat natürlich Auswirkungen auf mich als Nutzer. Also wie gehe ich jetzt damit um, wenn ich sozusagen auf dieser Plattform unsicher bin?
10:20 Gavin Karlmeier
Total, vor allem eine Plattform, die man ja auch vielleicht genutzt hat, um intime Dinge auszutauschen in Privatnachrichten. Also wir haben gestern darüber gesprochen, dass wir irgendwie beide seit 14, 15 Jahren da sind. Zum einen, als wir uns da angemeldet haben, war unser Internet nutzer. Anderes und viel naiveres als heute. Theoretisch kann das durchaus noch Atlas liegen, die man irgendwie weil man sich irgendwie mal anders verhalten hat, als man es heute tun würde. Und zum anderen haben wir da so viel Zeit in unserem Leben verbracht, dass man da auch Dinge veröffentlicht hat oder auch geschrieben hat, bei denen man vielleicht nicht möchte, dass sie jetzt mal irgendwie groß rausgekramt werden, also in Direktnachrichten zum Beispiel.
10:56 Dennis Horn
Ja, und also ich bin jetzt so umgegangen, dass ich versucht habe, mein Profil in irgendeiner Art und Weise auf so einen sicheren Status zu bringen. Und ich habe jetzt mehrere Dinge gemacht. Erstens, ich habe das Archiv meiner Tweets runtergeladen.
11:11 Gavin Karlmeier
Ja.
11:12 Dennis Horn
Das kann man beantragen. Das Twitter braucht dann. Ja?
11:16 Gavin Karlmeier
Da habe ich direkt eine ganz kurze Frage. Ging das schon oder hast du sehr lange gewartet? Ich habe mitunter Berichte gelesen von Menschen, die haben drei, vier, fünf Tage auf die auf die. Und dieses Archivsgewartet, also zur Erklärung, für die, die es nicht wissen, du schwartest damit so ein Prozess, du kannst nicht direkt runterladen, sondern das Archiv muss gepackt werden sozusagen. Und das ging eigentlich immer relativ zügig in den letzten Tagen und seit gestern, vorgestern scheint das sehr lange zu dauern.
11:42 Dennis Horn
Ja, also es hat bei mir so 36 Stunden gebraucht. Würde ich sagen, es ist auch ganz interessant, wenn man es runterladen möchte. Da steht, dass man ein bisschen warten soll, so mindestens 24 Stunden, wegen Sicherheitsbedenken. Oder aus Sicherheitsgründen. Wie ist die Formulierung? Ah, warte, ich kann sie gerade mal aufrufen. Sie lautet Ich muss hier noch irgendwelche Verifizierungscodes eingeben. Es dauert zu lange, aber es stand im Grunde, aus Sicherheitsgründen musst du mindestens 24 Stunden warten. Ich habe irgendwie 36 Stunden gewartet. Ist okay, ich habe es jetzt. Und jetzt habe ich noch zwei andere Sachen gemacht. Ich habe alle Direct Messages gelöscht.
12:32 Gavin Karlmeier
Krass.
12:33 Dennis Horn
Und würde jetzt im weiteren Verlauf auch bei allen weiteren so vorgehen, die neu kommen und die ich beantworte. Und es gibt einen Dienst, mit dem du alle deine alten Tweets löschen kannst. Und das ist so ein externer Tweet-Deleter, heißt der. Oder so ähnlich. Den koppelst du an deinen Twitter-Account an und kannst dann einfach einmal reinmachen. Das werde ich tatsächlich machen. Und dann gibt es noch in den Einstellungen die Apps, die man irgendwann mal mit Twitter verbunden hat. Auch die entkopple ich von diesem Account. Und ich glaube, das sind so die Schritte, die man jetzt irgendwie gehen kann, um dann eine eigene Account-Sicherheit zu haben, sozusagen.
13:15 Gavin Karlmeier
Ja, total. Also gerade diese Apps sind ja ein unglaubliches Einfallstorf für solche Cyberangriffe. Also wenn ich mich recht erinnere, das wirst du wahrscheinlich besser wissen, als ich war, aber genau diese API für externe Apps, damals auch im Cambridge Analytica Skandal, bei Facebook eine der Haupteinfallstore für den Datenclau sozusagen oder den Datenexport, weil eigentlich kein Clau. Das heißt, das würde ich auf jeden Fall unterschreiben. Das ist eine sehr gute Sache. Spannend dazu finde ich, dass auch Menschen berichtet haben gestern, dass sie Probleme haben, den die Zwei-Faktor-Authentifizierung noch dürfen. noch durchzuführen. Das heißt, dass sie teilweise sehr lange auf die SMS gewartet haben, meint sie auch nur eine Fehlermeldung bekommen haben und gar nicht mehr in den Account gekommen sind. Und das passt so ein bisschen zu diesem Tweet von Elon Musk, auch wo er gesagt hat, die meisten Microservices von Twitter braucht kein Mensch. Weniger als 20 Prozent der Funktionen, die Twitter hat, brauchen wir überhaupt und die meisten davon werden abgeschaltet werden. Und die Sorge, die besteht, ist, dass durchaus so Sachen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung damit reinfallen, weil das ein offenbar aufwendigerer Prozess ist.
14:15 Dennis Horn
Tja.
14:16 Gavin Karlmeier
Ja.
14:17 Dennis Horn
Wir sehen mal weiter zu.
14:19 Gavin Karlmeier
Schöne Aussichten. Vielen Dank, Dennis. Wir hören uns morgen.
14:23 Dennis Horn
Bis morgen.